Neben Fröhlichkeit: Richard Laufner nach 18 Jahren Kulturamtsleitung in Ruhestand verabschiedet

„Leider, leider, leider“, bedauerte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies, „geht Richard in den Ruhestand“. Freitag (10. August) war der letzte Arbeitstag von Dr. Richard Laufner.
Im überfüllten Panoramasaal des Erwin-Piscator-Hauses (EPH) verabschiedete die Universitätsstadt Marburg den langjährigen Leiter ihres Fachdiensts Kultur. Zahlreiche Vertreter von Kultur, Politik und Stadtgesellschaft waren gekommen, um dem umtriebigen Kulturmanager für sein herausragendes Engagement zu danken. 18 Jahre und zehn Tage lang leitete Laufner das Kulturamt, das später offiziell in „Fachdienst Kultur“ umgetauft wurde, bei der Bevölkerung aber immer noch den alten Namen trägt.
„Ohne Eitelkeit“ habe Laufner seine Arbeit erledigt, betonte Spies. Dabei sei er stets freundlich und fröhlich aufgetreten, in der Sache jdoch mitunter durchaus dickköpfig und beharrlich.
Nach dem Studium an der Philipps-Universität hatte der gebürtige Trierer zunächst 16 Jahre lang als Journalist bei der „Marburger Zeitung“ und dem „Marburger Magazin Express“ gearbeitet, bevor er am 1. August 2000 die Stelle des Kulturamtsleiters der Universitätsstadt Marburg antrat. „Ihn einzustellen, war eine der besten Entscheidungen meines Vorggängers“, lobte Spies den vorherigen Oberbürgermeister Egon Vaupel.
Laufner vertrete einen sehr breiten Begriff von Kultur, der soziale und politische Aspekte einschließt, erklärte Spies. Nicht unwesentlich auch ihm verdanke die Universitätsstadt ihr weltoffenes Klima und ihre breit aufgestellte Kulturszene. Unter zustimmendem Applaus der Anwesenden verglich Spies Laufners Wirken für Marburg mit der Arbeit des kürzlich verstorbenen Frankfurter Kulturdezernenten Prof. Dr. Hilmar Hoffmann.
Anhand zahlreicher Beispiele belegte Spies sein Lob: So gehe das bundesweit bisher einmalige Alterssicherungskonzept für langjährige Kulturaktive der Stadt Marburg maßgeblich auf Laufners Initiative zurück. Mit dem „Grimm-Dich-Pfad“ mit Motiven aus Märchen der Brüder Grimm habe er ebenso Kultur für alle in der Stadt verankert wie mit dem leuchtenden Herz der Heiligen Elisabeth am Spiegelslustturm.
Laufners politischen Kulturbegriff belege die Ausstellung „Ba-Ta-Clan“ im Rathaus mit einer Eröffnungsrede des deutsch-französischen Publizisten Prof. Dr. Alfred Grosser. Jüngstes Beispiel für Laufners konzeptionelle Arbeit einer „Kultur für alle“ sei das Programm zum Luther-Jahr 2017 mit Lesungen, Ausstellungen, Theater und einem Open-Air-Spektakel rund um die Lutherische Pfarrkirche.
Nachhaltig habe sich Laufner für die Arbeitsbedingungen der Kulturschaffenden eingesetzt. Für die Erneuerung des EPH habe er ebenso konsequent Druck gemacht wie für die Sanierung der Waggonhalle oder neue Räumlichkeiten für den – von ihm 1977 mitgegründeten – Kulturladen KFZ und das Café Trauma. Auch die Kunstwerkstatt verfüge nun endlich über ein eigenes Domizil in ehemaligen Räumen des KFZ an der Schulstraße, freute sich Spies.
„Als ich anfing, war das EPH nicht barrierefrei“, erinnerte sich Laufner. Nicht nur die Betroffenen und das Hessische Landestheater Marburg (HLTM) seien froh über die rollstuhlgerechten Umbauten. Die „Kulturmeile“ vom Kunstverein am Gerhard-Jahn-Platz vorbei an den Kinos und dem Kunstmuseum bis hin zur Volkshochschule (VHS) degradiere „das Frankfurter Museumsufer im Vergleich dazu“ zu irgendeiner blutleeren Allee wie der Niederrheinischen Straße in Stadtallendorf, witzelte Laufner unter dem Gelächter der Gäste.
Am Ende quittierten die 200 Anwesenden seine Ausführungen mit langanhaltendem Applaus. Vor 18 Jahren hat Laufner Marburg aus seinem kulturtouristischen Dornröschenschlaf wachgeküsst und der Stadt neues kulturelles Leben eingehaucht. Voller Vorfreude verkündete Spies, dass Laufner sich bereits bereit erklärt habe, während seines Ruhestands die 800-Jahr-Feier der Stadt Marburg im Jahr 2022 vorzubereiten.

* Franz-Josef Hanke

Kommentare sind abgeschaltet.