Ausbrennen für Kultur: Stadt fördert Betrieb und Aktive

790.000 Euro erhält Marburgs Soziokultur. Die entsprechenden Förderbescheide hat Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies am Mittwoch (11. Juli) übergeben.
Ein Ziel der Marburger Kulturpolitik sei die Weiterentwicklung des kulturellen Angebots, das ein besonderes Profil hat. Um das zu unterstützen, hat Oberbürgermeister Spies nun Bewilligungsbescheide für Zuschüsse an die Kulturträger KFZ, Waggonhalle, Trauma und German Stage Service überreicht.
Um auch die hauptamtlichen Beschäftigten der Kulturbetriebe im Alter zu unterstützen, startet die Stadt zudem ein Modellprojekt. Sie bezuschusst die betriebliche Altersvorsorge mit mindestens 50 Prozent.
„Die Marburgerinnen und Marburger sind zurecht stolz auf die Vielfalt und Qualität der Kulturangebote in ihrer Stadt“, erklärte Spies. „Es ist eine über die Jahre gewachsene Kombination aus ehrenamtlichem Engagement und beruflicher Professionalität. Didies – im Zusammenspiel mit öffentlicher Unterstützung – ermöglicht das Ziel, Kultur für alle in der Stadtgesellschaft zugänglich zu machen.“
Um das qualitativ hochwertige und vielfältige Kulturgebot finanziell zu unterstützen, hat die Stadt die Förderung für den laufenden Betrieb der Kulturträger in diesem Haushaltsjahr deutlich steigern können auch im Vergleich zum Jahr 2016. Die vier Kulturträger, die zusammen weit mehr als 100.000 Besucherinnen und Besucher im Jahr haben, werden 2018 mit rund 790.000 Euro unterstützt.
Darin enthalten sind Zuschüsse für den laufenden Betrieb – knapp eine halbe Million Euro – sowie die Mietkosten. Hinzu kommen auch Abschreibungen und Investitionen für die Gebäude, die die Stadt Marburg den soziokulturellen Anbietern zur Verfügung stellt. “
Das bedeutet, dass wir im Schnitt neun Euro pro Besucherin und Besucher an Unterstützung leisten“, rechnete Spies vor. „Das beschreibt, welchen Stellenwert die Kultur für Marburg hat.“
Wichtig ist der Stadt aber auch, dass die, die das Kulturangebot machen, unterstützt werden. Kulturdezernent Spies hat daher ein bundesweit neues Modellprojekt zur Unterstützung der Alterssicherung von hauptamtlich Beschäftigten der Kulturbetriebe in Marburg gestartet.
„Sie machen ihre Arbeit mit Liebe, Leidenschaft und ihrer Arbeitskraft“, erklärte der Oberbürgermeister. „Die Förderungen der Stadt investieren sie eher in den Ausbau ihres Kulturangebots als in die eigene Absicherung.“
Deshalb wolle die Stadt die Altersvorsorge dieser Kulturschaffenden zusätzlich und zweckgebunden unterstützen. „Wir antworten damit auf die meist prekären Rentenerwartungen von Beschäftigten in soziokulturellen Kulturbetrieben, professionellen freien Theatern und Musikschulen, denn die Renten, die sie einmal zu erwarten haben, liegen oft unterhalb der Grundsicherung“, sagte das Stadtoberhaupt. „Außerdem möchten wir dazu beitragen, die Attraktivität der Jobs zu steigern, die hier mit Leidenschaft gemacht werden.“
Die Stadt Marburg bietet für hauptamtlich Beschäftigte einen zweckgebundenen Zuschuss an die Kulturträger und fördert damit den Abschluss einer betrieblichen Altersversorgung. Das am 1. Januar 2018 in Kraft getretene Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG) ermöglicht dabei, dass Geringverdienende, die im Alter die Grundsicherung in Anspruch nehmen müssen, einen monatlichen Freibetrag von bis zu 205 Euro nicht auf diese Grundsicherung angerechnet bekommen.
Der Fachdienst Kultur hat in enger Abstimmung mit Versicherungsexperten, den Kulturträgern KFZ, Waggonhalle, Trauma und German Stage Service sowie mit der Musikschule und der Kunstwerkstatt vereinbart, dass bei einer vollen Stelle sowohl die Beschäftigten als auch der Arbeitgeber jeweils 25 Euro für die betriebliche Altersversorgung zahlen. Die Stadt Marburg gibt einen Zuschuss von 50 Euro pro voller Stelle.
Dadurch werden monatlich insgesamt 100 Euro in die Altersvorsorge eingezahlt. Bei Personen, die über 45 Jahre alt sind und seit mindestens 20 Jahren für die Kulturbetriebe arbeiten, zahlt die Stadt bei Vollzeitstellen sogar einen Zuschuss von 100 Euro, sodass 150 Euro in die betriebliche Altersvorsorge eingezahlt werden.
„Die Versicherungen werden derzeit von den Arbeitgebern abgeschlossen, die dann die Förderung bei der Stadt abrufen“, erklärte Fachdienstleiter Dr. Richard Laufner. Dafür sind Mittel von bis zu 30.000 Euro bereitgestellt worden. Etwa 20 bis 30 Beschäftigte werden die geförderte Versicherung nach Rückmeldung der Kulturträger vermutlich abschließen.
Die finanzielle Lage der Beschäftigten im Kulturbereich war Thema im Kulturforum gewesen, anschließend auch in einer Expertise zur betriebswirtschaftlichen Perspektive des neuen KFZ. Im Frühjahr 2017 hat Oberbürgermeister Spies die Initiative für das Modellprojekt ergriffen.
„Ich empfinde diese Förderung als ein Dankeschön für unsere Arbeit und darüber freue ich mich sehr“, sagte Geschäftsführerin Marion Breu von der Waggonhalle. „Es ist vor allem eine auf die Zukunft gerichtete Förderung, die hilft, dass Arbeitsplätze im Kulturbereich etwas attraktiver für den Nachwuchs werden“, ergänzte ihr Mitgeschäftsführer Matze Schmidt. „Es kann dabei helfen, den Generationswechsel bei den Kulturträgern vernünftig hinzukriegen.“
In den vergangenen Jahren wurde zudem erheblich in Räume für die Kulturangebote investiert. Mit dem Ausbau des G-Werks für Trauma und German Stage Service, mit dem KFZ im Erwin-Piscator-Haus und mit der Sanierung des Kulturzentrums Waggonhalle im Frühsommer 2018 ein hervorragender Rahmen für diese Kulturträger geschaffen, die zusammengenommen ein vielfältiges und abwechslungsreiches kulturelles Angebot in der Universitätsstadt entwickelt und etabliert haben.

* pm: Stadt Marburg

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