Soziales 2021: Pflege ohne Personal läuft nicht

Auch 2021 prägte Corona das gesellschaftliche Leben. Noch nie waren Krankenhäuser und Pflegeheime so wichtig.

Bis zum Rand der Erschöpfung arbeiteten die Pflegekräfte monatelang. Der anfänglichen Welle der Solidarität im Frühjahr 2020 folgten jedoch Ernüchterung und Müdigkeit. Immer mehr Pflegekräfte verringerten ihre wöchentliche Arbeitszeit oder gaben den Beruf gar gänzlich auf. Bereits im Herbst 2021 herrschte ein eklatanter Personalmangel auf nahezu allen Stationen des Universitätsklinikums.
Hatte die Humanistische Union (HU) noch Mitte Juli das Pflegepersonal mit dem „Marburger Leuchtfeuer für besonderen Einsatz in der Corona-Pandemie“ ausgezeichnet, so musste die Marburger Bevölkerung jetzt über eine Rückführung des Universitätsklinikums Gießen und Marburg (UKGM) in öffentliches Eigentum diskutieren. Statt Arbeitsbedingungen und Bezahlung der Pflegenden zu verbessern, versuchte die Geschäftsführung sonderbarerweise, neue Leute mit hohen Prämien anzulocken. Dagegen regte sich jedoch heftiger Protest auch bei der Bevölkerung.
Immer neue Infektionswellen rollten über die Stadt, den Kreis und das Land hinweg. Mit gezielten Unterstützungsaktionen für die Wirtschaft und einer Fortführung der „Corona-Hilfe Marburg“ als dauerhaftes Angebot unter dem Titel „Marburg hilft“ ist die Stadt bislang insgesamt aber einigermaßen gut durch die Pandemie hindurchgekommen. Zu Weihnachten erreichten jedoch auch die ersten drei nachgewiesenen Omikron-Fälle den Landkreis.
„Impfen“ lautete die Devise im Frühjahr. Impflotsen halfen älteren und behinderten Bürgerinnen und Bürgern dabei, die oft nicht altersgerechten Anmeldeformalitäten zu erledigen. Das große Impfzentrum auf dem Messeplatz im Afföller wurde dann im September abgebaut.
Doch Anfang Dezember wurde dann wieder ein neuer Impfpunkt in der Großsporthalle beim Georg-Gaßmann-Stadion in Betrieb genommen. „Boostern“ lautete die Devise jetzt. Die „Omikron“-Mutante des Coronavirus stellte alle bisherigen Infektionszahlen in den Schatten.
Schon vor Weihnachten hatten die ersten drei nachgewiesenen Omikron-Fälle auch den Landkreis erreicht. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus ist von 116 zum letzten Jahreswechsel bis Donnerstag (30. Dezember) auf 308 angestiegen. Allerdings sehen Fachleute wie der Berliner Virologe Prof. Dr. Christian Drosten in Südafrika und England einen allmählichen Übergang der Pandemie in die endemische Phase.
Doch nicht nur die Erforschung des Coronavirus war 2021 wichtig, sondern auch die Produktion eines Impfstoffs dagegen. Dank des BioNTech-Werks in Marbach ist die
Universitätsstadt Marburg zu unerwartetem Reichtum gelangt. Die daraufhin beschlossene Senkung des Gewerbesteuerhebesatzes hat jedoch gleich zum Bruch der gerade erst geschlossenen Rathauskoalition geführt.
Vor Allem Frust und Depression machen sich derweil überall breit. „Mütend“ war das Wort, das „müde“ und „wütend“ zugleich bedeutet. Das ist die entnervte Reaktion vieler Zeitgenossen auf die anhaltende Arroganz vieler selbsternannter „Querdenker“, sich mit lautstarker Hetze und handgreiflicher Gewalt gegen die deutliche Mehrheit der Bevölkerung zu wenden.

* Franz-Josef Hanke

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