200 in Hessen: Neue Online-Plattform zur Landespolitik

Die neue Recherche-Plattform zur hessischen Landespolitik ist „eine echte Schatztruhe“. Das Online-Portal „Hessische Parlamentarismusgeschichte“ vernetzt Informationen aus mehr als zwei Jahrhunderten Demokratie.
Zu Parlamentarismus und Demokratie in Hessen gibt es nun eine umfangreiche Recherche-Plattform. Das Online-Portal „Hessische Parlamentarismusgeschichte“ wurde vom Hessischen Landtag sowie vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst (HMWK) gefördert. Es wurde vom Hessischen Landesamt für geschichtliche Landeskunde in Kooperation mit dem Institut für Landesgeschichte an der Philipps-Universität erarbeitet.
Das Ministerium für Wissenschaft und Kunst hat die Digitalisierung der Dokumente mit insgesamt 194.000 Euro unterstützt. Der Hessische Landtag hat mit 160.000 Euro die Erstellung des Portals finanziert. Das neue – unter der Adresse parlamente.hessen.de erreichbare – Informationsportal deckt mehr als 200 Jahre hessischer Landespolitik ab.
Seine Leitidee ist, zahlreiche mit dem Parlamentarismus verbundene Informationen zu vernetzen und vielfältige Kombinationen digital einfach abrufbar zu machen. Die frühesten Daten stammen aus Napoleonischer Zeit. Anlass für das Projekt ist das 75-Jahre-Jubiläum des Landes Hessen am 1. Dezember 2021.
„Mit dem Angebot wollen wir ganz unterschiedliche Gruppen erreichen“, erläuterte Institutsleiterin Prof. Dr. Sabine Mecking. „Diverse niedrigschwellige Zugriffsmöglichkeiten machen den Einstieg sehr unkompliziert.“
Das Online-Portal richte sich zum Beispiel an Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer, die die Plattform im Geschichts- und Politikunterricht vielfältig einsetzen könnten. Sehr hilfreich sei das Recherche-Instrument auch für Lokalhistorikerinnen und Lokalhistoriker, die Informationen zu ihren Heimatorten recherchieren wollten, erklärte die Historikerin. „Das Portal wendet sich aber auch an ein Fachpublikum, indem es tiefergehende Recherche- und Informationsangebote zu bestimmten Landtagsdebatten und zu einzelnen Parlamentarierinnen und Parlamentariern aus den vergangenen zwei Jahrhunderten bereithält.“
Für das neue Informationsangebot haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der beteiligten Einrichtungen viele Quellen und Materialien in einem einzigen digitalen Format zusammengeführt. Dazu haben sie die Wahlkreise seit 1820 und die Landtagswahlergebnisse seit 1918 rekonstruiert und visualisiert. Außerdem wurden alle gedruckten Landtagsprotokolle seit dem 19. Jahrhundert digitalisiert und aufbereitet.
Das Team um Mecking erstellte darüber hinaus eine Personen-Datenbank zu knapp 5.000 Landtagsabgeordneten. Ferner sind in dem Portal die 15 Vorgängerparlamente des heutigen Hessischen Landtags dargestellt.
„Das Portal ist eine echte Schatztruhe“, stellte Landtagspräsident Boris Rhein fest. „Herausragend finde ich, dass alle Elemente so eng miteinander vernetzt sind.“
Der Präsident des Hessischen Landtags hat die Finanzierung des Projekts auf den Weg gebracht. „Es ist auf der neuen Plattform zum Beispiel möglich, sich alle Redebeiträge einer Person anzeigen zu lassen oder die Frage zu beantworten, in welchen Parlamenten eine Gemeinde durch welche Politikerin oder durch welchen Politiker vertreten worden ist“, erläuterte er. Auf den Tag genau könnten die Nutzerinnen und Nutzer zudem auf mehr als 12.000 Plenarsitzungen zugreifen.
„Demokratische Entscheidungen setzen informierte Bürgerinnen und Bürger voraus“, konstatierte Rhein. „Deshalb war es mir wichtig, dieses ansprechende und moderne Projekt zu unterstützen, zumal es zugleich höchsten wissenschaftlichen Ansprüchen genügt“, erklärte der Landtagspräsident, dem das Thema politische Bildung besonders am Herzen liegt.
„Möglich war dieses Projekt dank der langjährigen Erfahrung des Landesamtes für geschichtliche Landeskunde in der Aufbereitung und digitalen Präsentation von wissenschaftlich fundierten Informationsangeboten zur Geschichte Hessens“, erläuterte die hessische Wissenschaftsministerin Angela Dorn. „Mit der Bereitstellung des umfassenden Quellenmaterials zur Parlamentarismusgeschichte an einer Stelle im Internet können wir diese historischen Informationen nun einem größeren Publikum vermitteln. Außerdem erhoffen wir uns von diesem Angebot, dass es vielfältige neue Forschungen zur Geschichte unseres Landes unterstützt und vielleicht sogar anstößt.“
Nicht zuletzt bietet das Portal die Möglichkeit, mit Hilfe einer Visualisierungsanwendung historische Debatten in hessischen Landtagen zu entdecken und nachzuvollziehen.
So lassen sich damit Fragen beantworten wie „Wann tauchte ein Begriff zum ersten Mal in einer Plenardebatte auf – und wann in welcher Häufigkeit?“ Auch lässt sich erfassen, wie zu unterschiedlichen Zeiten Debatten über bestimmte Themen geführt wurden.
Der Hessische Landtag ist für die Gesetzgebung in Hessen zuständig. Seinen Sitz hat das Parlament seit 1946 im Stadtschloss Wiesbaden. Der Landtag hat zurzeit 137 Mitglieder und sechs Fraktionen, von denen die CDU die stärkste Fraktion ist.
Sie stellt in Person von Boris Rhein den Landtagspräsidenten. Der Hessische Landtag ist das höchste Verfassungsorgan im Land Hessen und wird durch den Landtagspräsidenten repräsentiert.

* pm: Philipps-Universität Marburg

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