Kultur 2020: Planbarkeit durch Kreativität ersetzt

2020 wurden Solidarität und Geduld zu Schlüsseltugenden. Die Corona-Pandemie verlangte fast allen fast alles ab.
Kitas und Schulen, Gaststätten und Geschäfte, Kinos und Theater, Museen und Galerien mussten zumachen. Viele Unternehmen und Freiberufliche müssen gerade nach der zweiten Welle der Pandemie um ihre wirtschaftliche Existenz bangen. Zwar gab es große Hilfsprogramme des Bundes und des Landes Hessen beispielsweise für Solo-Selbständige und Gewerbe, Handel oder Dienstleistung; aber oft waren sie zu bürokratisch, zu wenig an den tatsächlichen Gegebenheiten der Branchen orientiert oder einfach zu schwerfällig und erreichten deshalb ihr Ziel nicht im nötigen Maß.
Dageben zeigte die Stadt Marburg mit ihrem Corona-Hilfspaket und weiteren Maßnahmen ein unbürokratisches und effizientes Herangehen an die Krise. Mit ihren Stadt-Geld-Gutscheinen sicherte die Universitätsstadt Marburg Jobs im Einzelhandel vor Ort. Ihre Kampagne „Kauf lokal“ verfolgte das gleiche Ziel auf einem anderen Weg.
Anstelle der abgesagten Weihnachtsmärkte gab es an unterschiedlichsten Stellen im Stadtgebiet Verkaufsstände von Schaustellern, die damit wenigstens ein Teil ihrer Einnahmeausfälle ausgleichen konnten. Auf Gebühren für die Nutzung von Außenflächen vor Restaurants verzichtete die Stadt ebenfalls, um Gastronomen größere finanzielle Spielräume zu eröffnen. Mit einer „Kunstmeile“ auf dem Steinweg wurden Kunstschaffende unterstützt, deren Galerien ebenso zubleiben mussten wie der „Kunsthandwerkermarkt“ im Erwin-Piscator-Haus (EPH).
Taxi-Gutscheine für Seniorinnen und Senioren sowie ein eigenes „Senioren-AST“ sollen Angehörige einer sogenannten „Risikogruppe“ schützen. Initiativen aus der Bevölkerung wie die „Corona-Hilfe Marburg“ unterstützte die Stadt ebenso wie das Onlineportal www.marburg-liebe.de. Über diese Internetadresse finden Interessierte Lieferdienste für Speisen, aber auch Hilfsangebote oder Einkaufsgutscheine von Gewerbetreibenden zum Einlösen nach dem Lockdown.
Eine große Welle der Hilfsbereitschaft rollte bereits im März über Marburg hinweg. Sie war beeindruckend und berührend zugleich. An ihre Spitze stellten sich Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies und die gesamte Stadtverwaltung.
Solidarität und Kreativität prägen den Umgang Marburgs mit der Corona-Krise. Wahrscheinlich wird die Stadt deshalb am Ende gestärkt aus der Pandemie hervorgehen. Seine Tradition als „das soziale Herz Deutschlands“ hat Marburg damit einmal mehr weiterentwickelt und in die Zukunft fortgeschrieben.

* Franz-Josef Hanke

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