Der schiere Wahnsinn: Solidarität sollte unteilbar sein

Nichts ist mehr, wie es vor wenigen Wochen noch war. In der Ukraine herrscht Krieg; und Europa bangt um sein Wohlergehen.
Die Horrorbilder aus dem Kiewer Vorort Budscha haben bei allen mitfühlenden Menschen Entsetzen ausgelöst. Bereits die Bilder zerstörter Städte und die Nachrichten über die Belagerung der Großstadt Mariupol haben die Sorge vor einer Ausbreitung des Kriegs dramatisch erhöht. Die unablässige welle geflüchteter Frauen und Kinder hatten die meisten Menschen in Marburg milde gestimmt.
Viele Marburgerinnen und Marburger wären bereit, auf russisches Gas zu verzichten und dafür finanzielle Einbußen ebenso hinzunehmen wie Einbußen an Komfort. Meist sind es die weniger Wohlhabenden, die die höheren Preise für Lebensmittel und Energie kaum noch anderswo abknappsen können. Dennoch ist die Hilfe für die Ukraine fast allen ein wichtiges Anliegen.
Mehr als 750 Menschen aus der Ukraine halten sich mittlerweile in Marburg auf. Mehr als 300.000 geflüchtete Ukrainerinnen und Ukrainer haben sich in Deutschland registrieren lassen. Mehr als 4,1 Millionen Menschen haben das Land bereits verlassen.
Eine riesige Welle der Hilfsbereitschaft empfängt die Geflüchteten in Marburg wie auch anderswo in Europa. Marburgerinnen und Marburger spenden Fahrräder für die Kinder und bieten den Familien Wohnraum an. Die Geflüchteten aus der Ukraine erhalten Freifahrt auf ihren Pass und Arbeitslosengeld II (ALG II) sofort nach der Registrierung.
All das ist überaus erfreulich. Allerdings wäre den vielen anderen Kriegsflüchtlingen zu wünschen, dass es ihnen in Deutschland ganz genauso erginge wie den Geflüchteten aus der Ukraine. Besonders die Menschen in den schlauchbooten auf dem Mittelmeer benötigen diese gelebte Solidarität mindestens genauso dringend wie die Kriegsflüchtlinge aus Kiew oder Odessa.

* Franz-Josef Hanke

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