Diverse Projekte: Land fördert Diversität an Uni

Das Hessische Wissenschaftsministerium fördert das neue Projekt „UMRdivers“ mit über 9 Millionen Euro. Die Philipps-Universität möchte damit die Diversität bei der Studienberatung stärken.
Die Philipps-Universität ist ein Ort gelebter Vielfalt. Hier kommen Menschen vieler Nationalitäten mit unterschiedlichen Lebensgeschichten sowie fachlichen und persönlichen Voraussetzungen zusammen. Diese Diversität bereichert den universitären Alltag, stellt aber auch neue Anforderungen an die Hochschullehre.
Mit dem Projekt „UMRdivers“ Diversität – Orientierung – Studienerfolg“ kann die Philipps Universität nun die Studienbedingungen wesentlich weiter verbessern. Neue Angebote der Studienorientierung sollen Studierende mit unterschiedlichen Bildungsbiografien auf ihrem Weg von der Schule an die Hochschule, während des Studiums und bis zum erfolgreichen Abschluss fördern und begleiten. „UMRdivers“ wird vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst (HMWK) mit über 9 Millionen Euro über vier Jahre gefördert.
Darüber hinaus erhält die Universität 1,8 Millionen Euro für weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Studienbedingungen. Darunter sind auch hybride Lehr- und Lernformate im Zuge der Coronavirus-Pandemie.
Das Studienangebot der Philipps-Universität ist breit gefächert. Es umfasst über 110 Bachelor- und Master-Studiengänge sowie 22 Fächer für Lehramt an Gymnasien. Hinzu kommen Medizin, Zahnmedizin, Pharmazie und Rechtswissenschaft sowie kirchliche und weiterbildende Studiengänge.
„Alle Studiengänge der Universität Marburg haben einen hohen Anspruch an die fachliche Qualifikation der Studierenden und bestärken gleichzeitig den fächerübergreifenden und internationalen Austausch sowie die individuelle Gestaltung des Studiums“, erklärte Universitäts-Vizepräsidentin Prof. Dr. Evelyn Korn. Genau diese Individualisierung des Studiums werde immer wichtiger. Denn so facettenreich wie das Studienangebot ist, so vielfältig sind auch die Studierenden.
„Unsere Studierenden kommen aus unterschiedlichen Familien, Kulturen oder Schulsystemen und haben verschiedene soziale, ökonomische oder physische Voraussetzungen“, erläuterte die für Studium und Lehre zuständige Vizepräsidentin. „Diese Diversität ist eine echte Bereicherung für das Studium und das universitäre Leben. Doch viele Studierende sehen sich auch mit Hürden während ihres Studiums konfrontiert.“
Die Philipps-Universität will mit Hilfe der Förderung von „UMRdivers“ bereits in der Studienorientierung Diversität stärker leben. „Durch weitere individuelle Gestaltungsmöglichkeiten möchten wir die Studierenden außerdem dabei unterstützen, ihren persönlichen Weg zum Studienerfolg zu finden und zu sichern“, kündigte Korn an.
Die Philipps-Universität hat mit ihrem Projekt „Für ein richtig gutes Studium“ seit 2012 sehr umfassend die Beratungs-, Studien- und Lehrqualität verbessert. Mit „UMRdivers“ werden die bereits erfolgreich etablierten Maßnahmen zur Studienorientierung und Unterstützung in der Studieneingangsphase nun um verschiedene Angebote erweitert:
Studieninteressierte sollen die Möglichkeit haben, den kompletten Studienwahlprozess in einer zentralen digitalen Beratungs- und Studienorientierungsplattform zu durchlaufen – zeit- und ortsunabhängig. Die an der Universität bereits erfolgreich und wissenschaftlich fundiert entwickelten Online-Self-Assessments zur Feststellung der persönlichen Eignung für einen Studiengang werden dafür um Bausteine zur allgemeinen Orientierung und fachspezifischen Vorbereitung erweitert
Studieninteressierte können sich beispielsweise zunächst mit der Frage auseinandersetzen, ob ein Studium grundsätzlich der passende Bildungsweg für sie ist. Im Anschluss an die Abwägung der persönlichen fachlichen Eignung besteht die Möglichkeit, sich auf einen konkreten Studiengang und das Leben im Studienort Marburg gezielt vorzubereiten.
Die „MINT“-Fächer Biologie, Chemie, Geographie, Humanbiologie, Informatik und Mathematik werden im Rahmen des Projektvorhabens um die Formate „MINTstartklar“ und „MINTplus“ erweitert. Die Studierenden können zu Beginn des ersten Semesters zunächst zwischen dem Basisstudiengang ihres Fachs und dem MINTstartklar Programm wählen. Das „MINTstartklar“-Programm bietet eine gestreckte Studieneingangsphase sowie gezieltes Mentoring durch Lehrende und Studierende.
Zum Programm werden die Studierenden auf Basis der Ergebnisse eines Eingangstests zur Erhebung des Wissens- und Fähigkeitsstands eingeladen und beraten. Für besonders leistungsstarke Studierende der „MINT“-Fächer bietet das „MINTplus“-Format ein begleitendes interdisziplinäres Studienangebot, das einen zusätzlichen Kompetenzerwerb über die Grenzen des Faches hinaus ermöglicht.
Die Philipps-Universität bildet Studierende in 22 Fächern für das Lehramt an Gymnasien aus.Dabei qualifiziert die Universität zunehmend diverse Studierende für den Unterricht in ebenso zunehmend diversen Schulklassen in ihrem späteren Berufsfeld. „UMRdivers“ greift diese Herausforderungen hochschuldidaktisch an den Übergängen im Studium und fachdidaktisch als Querschnittsthema in der Lehrerbildung auf.
So werden unter anderem Lehr- und Beratungsangebote mit Schwerpunkt auf Diversität und Inklusion entwickelt, Lehrende im Sinne einer diversitätssensiblen Hochschul- und Fachdidaktik geschult und digital gestützte diversitätssensible Beratungstools entwickelt.
Die Studieneingangsphase kann für internationale Studierende sehr herausfordernd sein – nicht nur durch sprachliche Hindernisse. Eine ungewohnte Lehr- und Lernkultur oder fehlende soziale Integration spielen hier ebenfalls eine wesentliche Rolle. Im Rahmen von „UMRdivers“ soll dieser erhöhte Orientierungs- und Unterstützungsbedarf adressiert werden unter anderem mit neuen Reflexions- und Monitoringtools sowie Feedback-Gesprächen, die ausländische Studierende frühzeitig im Selbstreflexionsprozess zu ihrer Studienwahl und ihrem Studienverlauf unterstützen.
Das studienbegleitende Orientierungsprogramm für ausländische Master-Studierende, das im Wintersemester 2020/21 erstmals durchgeführt wurde, soll nun auch für grundständige Studiengänge konzipiert und weiterentwickelt werden und für die Anforderungen an einer deutschen Hochschule sensibilisieren. Virtuelle Mentoring-Formate und Online-Studienlotsen unterstützen die Studierenden zeit- und ortsunabhängig.
„UMRdivers“ ist eines von 19 Projekten, die im Rahmen von „Hohe Qualität in Studium und Lehre, gute Rahmenbedingungen des Studiums“ (QuiS) vom HMWK mit insgesamt 97,8 Millionen Euro gefördert werden. Die Projekte sollten zum Profil der jeweiligen Hochschule und ihrem Leitbild passen, aber auch Modellcharakter für andere Hochschulen haben. Neben „UMRdivers“ ist die Philipps-Universität am Projekt „LevelUp: Data Literacy and Serious Gaming“ beteiligt, das federführend von der Justus-Liebig-Universität Gießen umgesetzt wird.
Im Rahmen der QuiS-Förderung werden zusätzlich verschiedene Teilaktivitäten des in 2012 gestarteten Projekts „Für ein richtig gutes Studium“ an der Philipps-Universität verstetigt wie unter anderem Maßnahmen zum Übergang von Schule zu Universität, zur hochschuldidaktischen Weiterbildung und zur Qualitätssicherung von Studiengängen. Darüber hinaus fördert das Land Hessen digitale beziehungsweise hybride Lehr- und Lernsettings im Kontext der Coronavirus-Pandemie. Insgesamt erhält die Universität somit über 11 Millionen Euro.

* pm: Philipps-Universität Marburg

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