Nadine Bernshausen: Grünen-Politikerin kandidiert als Oberbürgermeisterin

Nadine Bernshausen

Nadine Bernshausen kandidiert am 14. März als Oberbürgermeisterin.

„Brücken bauen“ möchte Nadine Bernshausen als Oberbürgermeisterin der Stadt Marburg. Am Sonntag (14. März) tritt sie dafür zur Wahl an.
Dabei rechnet sich die 41-jährige Richterin gute Chancen aus. „Zumindest in die Stichwahl sollte ich kommen und dann ist das Ergebnis offen“, erklärt sie. „Angesichts von Corona kann aber keiner die Zukunft einigermaßen vorhersagen.“
Wichtigste Aufgabe einer Oberbürgermeisterin ist nach ihrer Auffassung die Vermittlung zwischen den unterschiedlichen Positionen innerhalb der Stadtgesellschaft. Drängendste Aufgabe ist eine konsequente Umsetzung des Beschlusses der Stadtverordnetenversammlung (StVV) für ein „klimaneutrales Marburg“ im Jahr 2030.
„Dafür müssen wir die Finanzmittel zielgerichteter einsetzen“, erklärt Bernshausen. „Wir sollten nur solche Maßnahmen fördern, die einen wirksamen Schritt hin zu mehr Klimaschutz bewirken und nicht auch Maßnahmen, die einen sehr schlechten Zustand durch einen besseren – aber immer noch nicht ausreichenden – ersetzen.“
Schließlich seien die Mittel der Stadt begrenzt. Investitionen in Gebäudesanierung seien daher am wichtigsten, weil allein dieser Bereich mehr als ein Drittel der gesamten schädlichen Emissionen verursache.
Aber auch beim Verkehr müsse die Mobilität neu aufgestellt werden. Die Nutzung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) müsse bereits von Kindesbeinen an eingeübt werden. Dabei sei der künftige Einsatz elektrischer Busse inzwischen wohl unbestritten – müsse aber forciert werden.
„Nötig ist auch die Priorisierung des Fußverkehrs“, erklärt Bernshausen. „Die Schwächsten im Verkehr brauchen die stärkste Unterstützung. Das gilt für Ältere und Menschen mit Behinderung, ebenso wie für Mütter mit Kinderwagen.“
Als Mutter von drei Kindern spricht Bernshausen da aus eigener Erfahrung. Die Trennung von Rad- und Fußwegen ist ihrer Ansicht nach auch notwendig, damit „kleine Kinder nicht mal nach rechts oder links springen und von einem Fahrrad erwischt werden“. Darum plädiert sie für die Ausweisung von Fahrradstraßen, die ihrer Ansicht nach in Marburg zu langsam vorankommt.
Der Bau der von SPD und CDU durchgesetzten Autobahn A49 im Herrenwald und im Dannenröder Forst ist ihr ein Dorn im Auge. Allerdings fühlt sie sich juristisch dazu gezwungen, diese – bereits gerichtlich überprüfte –
Entscheidung hinzunehmen. „Ich fände es unerträglich, wenn sich eine Landesregierung einfach über geltendes Bundesrecht hinwegsetzen könnte“, begründet die Richterin ihre Haltung zum Autobahnprotest.
Geboren wurde Bernshausen in Wommelshausen. Das ist ein kleiner Ortsteil von Bad Endbach. Dort ist sie aufgewachsen und hat nach der Grundschule die „Europaschule“ in Gladenbach besucht.
„Diese international ausgerichtete Schule und die Erfahrung von vielen Auslandsaufenthalten im Schüleraustausch waren prägend für mich“, berichtet sie. Darum engagiert sie sich auch im Vorstand der „Initiative solidarische Welt“ als Trägerverein des Marburger Weltladens.
Außerdem ist die Juristin Präses des evangelischen Kirchenkreises Marburg und Mitglied der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). In all diese Positionen ist sie hineingewachsen, nachdem sie bereits als Jugendliche bei der Vorbereitung von Kinder- und Jugendgottesdiensten mitgeholfen hat.
„Ich bin aufgewachsen mit der Überzeugung, dass es Gott gibt“, berichtet sie. „Für mich ist er Geborgenheit, Liebe und Hoffnung.“
Ihre familiäre Prägung sei aber weit entfernt von fundamentalistischen Positionen, betont Bernshausen. Vielmehr versteht sie ihren Glauben als Auftrag zu einem verantwortlichen Umgang mit der Schöpfung und zu einem toleranten und respektvollen Zusammenleben.
Auch der interreligiöse Dialog ist der Juristin wichtig. Darum ist sie auch Mitbegründerin des Vereins „Vielfalt Marburg“, der sich dem interkulturellen und interreligiösen Miteinander verschrieben hat.
Ein weiteres Anliegen ist der Richterin die Förderung der Kultur als „weicher Standortfaktor“. Dabei liegt ihr das Hessische Landestheater Marburg (HLTM) ebenso am Herzen wie die Soziokultur.
„Ich wünsche mir sehr, dass wir den Vertrag der beiden hervorragenden Intendantinnen Eva Lange und Carola Unser verlängern können“, hofft sie. „Und ich ich setze auch auf eine baldige Rückkehr unserer soziokulturellen Akteure aus dem Lockdown. Dann brauchen wir starken kulturellen und spirituellen Rückenwind für ein gutes Lebensgefühl.“

* Franz-Josef Hanke