Ausmaß unbekannt: Runder Tisch „Preiswerter Wohnraum“ in Marburg

1.600 neue Wohnungen sind in Marburg in fünf Jahren entstanden. Weitere sind im Bau. Doch der Bedarf steigt weiter.
Deshalb ist die Wohnraumversorgung für die Stadtpolitik ein zentrales Thema. Auch die Bürgerinnen und Bürger sehen in der Schaffung von preiswertem Wohnraum eine wichtige Zukunftsaufgabe für die Stadt. Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies und Bürgermeister Wieland Stötzel haben deshalb zu einem Runden Tisch eingeladen, um Bilanz zu ziehen und die Entwicklung zu diskutieren.
„Marburg braucht mehr bezahlbaren Wohnraum“, stellte Spies fest. „Diese Frage müssen wir gemeinsam angehen mit den Menschen, die eine veränderte oder neue Wohnbebauung in ihrem Umfeld wahrnehmen würden und mit denjenigen, die neuen und bezahlbaren Wohnraum suchen“.
Bei der Marburg-Umfrage 2017 haben das auch viele der Befragten als ein wichtiges Zukunftsthema angegeben. „Das sehen wir als klaren Handlungsauftrag“, sagte Sppies bei dem Runden Tisch „Preiswerter Wohnraum“. Ziel müsse es sein, dass Mietniveau zu halten und zusätzlichen bezahlbaren Wohnraum zu schaffen unter anderem, indem der Druck auf den Wohnungsmarkt durch öffentlichen und geförderten Wohnungsbau sowie die Ausweisung von Baugebieten gemindert wird.
„Die Fragen Wohnungsmarkt und Preisentwicklung hängen zusammen“, ergänzte Bürgermeister Wieland Stötzel. Deshalb müsse ausreichend Wohnraum geschaffen werden. Punktuelle Nachverdichtung und die Erschließung neuer Wohngebiete seien wichtige Themen ebenso die „maßvolle Entwicklung der Außenstadtteile“.
In Marburg ist bereits einiges passiert: Reinhold Kulle vom städtischen Fachdienst Stadtplanung und Denkmalschutz, Rose-Linde Michelsen von der Koordinierungsstelle „Gemeinschaftlich Wohnen“ sowie Stefan Herbes von der Wohnungsbewirtschaftung Mittelhessen der GWH Wohnungsgesellschaft haben zunächst Bilanz gezogen.
In Zusammenarbeit mit dem Runden Tisch und verschiedenen Arbeitsgruppen wurde ein Wohnraumversorgungskonzept erarbeitet, das seit 2015 kontinuierlich umgesetzt wird. Seitdem wurde in Marburg eine Quotenregelung für den geförderten Wohnungsbau eingeführt und Wohnraum in verschiedenen Preissegmenten geschaffen. Zahlreiche barrierearme oder -freie Wohnungen wurden und werden gebaut.
Für eine Wohnraumversorgung, die den Notwendigkeiten entspricht, ist im Vorfeld eine Analyse des Wohnungsmarktes durchgeführt worden, wie Kulle zusammenfasste. In fünf Jahren wurden 1.600 Wohnungen von städtischen und geförderten Wohnungsbaugesellschaften sowie privaten Investoren realisiert. Weitere 820 werden gebaut oder sind bereits genehmigt.
Im studentischen Wohnungsbau seien 400 Wohnungen entstanden, im geförderten Wohnungsbau bislang 350. „Das ist ein großer Erfolg, mit dem Marburg sich sehen lassen kann“, betonte Kulle.
Der Nachfragedruck nach Wohnraum werde jedoch bleiben. Ihm wolle die Stadt zusammen mit Partnern begegnen. „Die Stadt baut nicht, aber wir müssen helfen, initiieren und gute weiche Faktoren für die Partner schaffen.“
Ebenfalls zu den erzielten Ergebnissen gehört die neu eingerichtete Koordinierungsstelle „Gemeinschaftlich Wohnen“. Ihre Leiterin Michelsen berichtete von den Aufgaben und den Vorteilen. Die Förderung gemeinschaftlicher Wohnprojekte habe zum Ziel, preiswerten Wohnraum zu schaffen.
Ein Arbeitskreis befasst sich damit. Außerdem gibt es eine Sprechstunde für Interessierte. Gemeinsam mit den Anwesenden diskutierte sie das „Gemeinschaftliche Wohnen“, stellte gelungene und anstehende Wohnprojekte vor und betonte auf Nachfrage, dass die Stadt Gruppen auf dem Weg zum „Gemeinschaftlichen Wohnen“ begleite.
Der Weg sei oft lang und erfordere Engagement der Beteiligten. „Wenn die GeWoBau einen Neubau realisiert, könnte mit ihr vielleicht auch das Thema gemeinschaftliches Wohnen angegangen werden“, sagte Michelsen. „Dafür muss sich aber im Vorfeld eine Gruppe Interessierter finden und gerne bei uns melden.“
Herbes stellte abgeschlossene und geplante Neubauprojekte der GWH vor, die zu einer bedarfsgerechten Wohnraumversorgung in Marburg beitragen. Dazu gehört etwa der Neubau von 54 geförderten Wohnungen am Damaschkeweg am unteren Richtsberg.
An der Sudetenstraße auf dem oberen Richtsberg wurden in diesem Jahr 32 geförderte Wohnungen geschaffen. Derzeit wird an der St.-Martin-Straße im Waldtal und auf dem Vitos-Gelände gebaut.
Neben dem Resümee des bereits Erreichten befasst sich der Runde Tisch mit den anstehenden Aufgaben und Herausforderungen. Neben der Schaffung von Wohnraum geht es dabei um viele weitere Punkte, die beim „Runden Tisch“ angesprochen wurden: Wichtig sind die Bereitschaft der Nachbarschaften für Neubauten, die Frage nach Stellplätzen und der Infrastruktur wie etwa ausreichend Plätze in Kindertageseinrichtungen, berichtete Kulle.
Die Frage der Barrierefreiheit im Wohnumfeld müsse bei Bauprojekten verstärkt mitgedacht werden, ebenso der Denkmalschutz und die Sanierung alter, leerstehender Häuser, brachten Teilnehmer ein. Nach der Fragerunde wurden die Mitglieder anhand eines Fragebogens nach den ihrer Meinung nach wichtigsten Themen und dafür nötigen Arbeitsgruppen gefragt.
Zum Thema Wohnen in Marburg finden weitere Veranstaltungen statt, bei denen sich Bürgerinnen und Bürger einbringen können. Am Donnerstag (14. Juni) von 20 bis 22 Uhr ist die Auftaktveranstaltung zum Thema „Wohnbaugebiete im Marburger Westen – Standortanalyse Oberer Rotenberg/Höhenweg und Stadtwald/Hasenkopf“ im Erwin-Piscator-Haus (EPH).
Anschließend folgen Vor-Ort-Termine am 18. August in der Marbach und am 25. August im Stadtwald jeweils von 11 bis 14 Uhr. Außerdem gibt es öffentliche Diskussionen, bei denen die Menschen sich mit ihren Wünschen und Bedenken einbringen können. Der nächste Runde Tisch „Preiswerter Wohnraum“ findet statt am 26. September von 17 bis 19 Uhr im Stadtverordnetensitzungssaal (Barfüßerstraße 50). Dort werden die Ergebnisse aus der Bürger/innenbeteiligung zum „Wohnen im Westen“ abschließend mit allen Interessierten aus der gesamten Stadt diskutiert. Denn die Frage nach neuen Baugebieten betreffe nicht nur die Anwohnerinnen und Anwohner, sondern alle Menschen in der gesamten Stadt – die auch selbst Wohnraum suchen, so der OB.
Zu den rund 140 Mitgliedern des Runden Tisches gehören Wohnungsunternehmen und städtische Fachdienste und Beiräte, die Philipps-Universität, der Landkreis Marburg-Biedenkopf, das Studentenwerk, die Gemeinwesenarbeit, Immobilienunternehmen und Vertretungen von Trägern, Vereinen, Einrichtungen, lokalen Gruppen, Initiativen sowie Bürgerinnen und Bürger. Wer als Mitglied in den Verteiler des öffentlichen Runden Tisches aufgenommen werden möchte, meldet sich per E-Mail bei Sozialplanerin Monique.Meier@marburg-stadt.de. Die Wohnungsmarktanalyse, das Wohnraumversorgungskonzept und die Unterlagen zu den bisherigen Veranstaltungen gibt es auf der Internetseite der Stadt unter www.marburg.de/wohnen.

* pm: Stadt Marburg

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