Sehenswert: „Blackbird“ behandelt besondere Beziehungsprobleme

Das Theaterstück Blackbird wurde am Mittwoch (21. März) im Theater im G-Werk aufgeführt. Die 30. Produktion der Waggonhalle war wegen Umbaus dorthin verlegt worden.

Das Stück behandelt die erste Begegnung von Una und Ray seit 16 Jahren. Früher hatten die beiden ein Verhältnis miteinander. Ray war damals 38, während Una erst 12 Jahre alt war.
Lange hat Una nach Ray gesucht. Mittlerweile lebt er unter einem anderen Namen. Zunächst will er nicht mit ihr reden. Die Atmosphäre ist angespannt.
Nach und nach erfahren die Zuschauer, was in der Vergangenheit vorgefallen ist. Una und Ray beschreiben die Gefühle, die sie damals für einander hatten. Außerdem schildern sie ihre Probleme mit anderen Menschen, die von dieser Beziehung wussten.
Beide Personen verschweigen sich Dinge oder lügen einander an. Einige Lügen werden im Verlauf des Abends aufgedeckt. Spannend ist, dass die Zuschauer nicht immer erfahren, was die Wahrheit ist.
Im Laufe des Stücks wird das Verhältnis zwischen Una und Ray wieder besser. Vor allem Ray wirkt psychisch labil. Er weist psychopathische Züge auf.
Una nimmt phasenweise die dominate Position ein. Sie wirkt selbstbewusst. Allerdings verliert auch sie in einigen Szenen die Fassung.
Ziemlich schnell wechselt die Stimmung von einer nachdenklichen in eine aggressive Atmosphäre. Nach kurzen Wutanfällen kommen Una und Ray jedoch wieder ins Gespräch.
Dem Publikum blieb an vielen Stellen ein großer Interpretationsspielraum. Außerdem wurden moralische Fragen aufgeworfen, über die Zuschauer nach der Vorstellung weiter diskutierten.
Passend zu der ernsten Thematik herrschte angespannte Stimmung im Saal. Das Publikum war zeitweise im Bann der Schauspieler. Die dramatischen Szenen waren sehr authentisch.
Allerdings waren manche Szenen zu langatmig. Die Dialoge hatten an manchen Stellen einen Mangel an Schärfe. Deshalb erschlaffte der Spannungsbogen leider mehrfach.
Wirklich herausragend war die schauspielerische Leistung von Nisse Kreysing, der die Rolle von Ray sehr authentisch spielte. Auch Sophie-Bo Heinkel machte einen guten Job in ihrer Rolle als Una.
Nach der Vorstellung applaudierte das Publikum sehr ausdauernd. Sichtlich erschöpft verabschiedeten sich die Schauspieler. Obwohl man manche Dialoge vielleicht noch hätte kürzen können, ist das Stück insgesamt durchaus sehenswert und berührend.

* Jan Wandel

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