Seit zwölf Jahren lebt Miriam Stoll in Marburg. Bei der Kommunalwahl am 15. März 2026 kandidiert sie für Die Linke zum Stadtparlament.
Nach Marburg gekommen ist sie zum Studieren. Nach einem Bachelorabschluss in „Politikwissenschaft“ an der Philipps-Universität hat sie an der Justus-Liebig-Universität Gießen einen Master in „Demokratie und Governance“ gemacht. „Die meisten verlassen Marburg nach dem Studium wieder“, weiß Miriam Stoll von ihren früheren Kommilitoninnen und Kommilitonen. „Ich bin geblieben.“
In Marburg gefällt ihr die überschaubare Größe der Stadt: „Wenn ich aus dem Haus gehe, treffe ich auf der Straße häufig Bekannte und kann mit ihnen ein kurzes Pläuschchen halten. Die meisten Gesichter auf der Straße erkenne ich wieder.“ Vor Allem aber gefällt Ihr der Gemeinsinn und die demokratische Grundhaltung der meisten Menschen in Marburg.
Schon während ihres Studiums hat sich Stoll in Organisationen wie dem „Bündnis gegen Rechts“ und „Marburg gegen Mietenwahnsinn“ engagiert. Nachdem sie zeitweilig für den Linken-Landtagsabgeordneten Jan Schalauske gearbeitet hatte, pendelte sie ein Jahr lang nach Kassel, wo sie an einem Forschungsprojekt zu extrem rechten Einflussnahmen und Resilienz der Zivilgesellschaft mitwirkte. Nach der Bundestagswahl 2025 hat sie eine Stelle als Mitarbeiterin im Marburger Wahlkreisbüro der Linken-Bundestagsabgeordneten und Landesvorsitzenden Desiree Becker angetreten.
Seit dem 26. April 2025 ist Stoll Kreisvorsitzende der Linken Marburg-Biedenkopf. Am 18. Oktober 2025 wählte Die Linke sie neben Jan Schalauske zur Spitzenkandidatin zur Stadtverordnetenwahl in Marburg. Vordringlichste Anliegen sind ihr dabei der Einsatz für Demokratie und bezahlbaren Wohnraum.
„Die Devise der SPD – Bauen, Bauen, Bauen! – reicht nicht“, erklärt Stoll. „In Marburg gibt es sehr viel Leerstand von Wohnungen mitten in der Stadt.“ Darum fordert sie ein Leerstandskataster.
„Die Stadt muss wissen, welche Wohnungen leerstehen und warum, damit sie eingreifen kann“, erklärt Stoll. Dann müsse sie ihre rechtlichen Möglichkeiten voll ausschöpfen. Allerdings wünscht sich Stoll auch weitergehende rechtliche Regelungen zum Schutz des Grundrechts auf bezahlbares Wohnen.
In leerstehenden Räumen könne man dann nicht nur Wohnungen einrichten, sondern auch Gemeinschaftseinrichtungen für die Bevölkerung der benachbarten Stadtviertel. „Solche Gemeinschaftsräume wären auch ein Mittel gegen Einsamkeit“, sagt sie. Dabei denkt sie zum Beispiel an Stadteilküchen, wo Menschen gemeinsam kochen und dabei zugleich soziale Kontakte pflegen könnten.
Zudem fehle in Marburg ein selbstverwaltetes Jugendzentrum. Auch dafür könne man leerstehende Räume wie beispielsweise die alte Universitätsbibliothek an der Wilhelm-Röpke-Straße nutzen. Wichtig sei, dass die Menschen auch Plätze hätten, wohin sie gehen können, ohne dabei Geld ausgeben zu müssen.
Ein Herzensanliegen ist Stoll eine „Feministische Wohnungspolitik“. Darunter versteht sie neben der Einrichtung von Gemeinschaftsräumen und Schutzräumen für Frauen auch einen anderen Zuschnitt von Neubauwohnungen. „Das althergebrachte Familienbild mit Vater, Mutter und Kind entspricht längst nicht mehr der Realität gerade alleinerziehender Eltern“, kritisiert Stoll. Für Alleinerziehende wären eher Wohnungen sinnvoll, die neben eigenen Rückzugsräumen auch gemeinsame Küchen oder Aufenthaltsräume vorsähen.
Die Situation Alleinerziehender kennt Stoll aus eigener Erfahrung: Sie ist Kind einer alleinerziehenden Mutter und weiß, was das bedeutet. Insbesondere das Armutsrisiko, das damit sowohl für die Mütter als auch für die Kinder verbunden ist, prangert sie an. „Als Stadtverordnete möchte ich mich dafür einsetzen, diese soziale Benachteiligung in Marburg abzubauen, wo immer das möglich ist“, verspricht sie.