Am Tag der Lehre: Vorbildliche Projekte ausgezeichnet

Ihren Sechsten Tag der Lehre hat die Philipps-Universität am Donnerstag (17. November) veranstaltet. Unter dem Motto „Lehre@Philipp – innovativ, divers, digital“ wurden sechs besondere Lehrprojekte ausgezeichnet.

Auch in diesem Jahr gab es beim Tag der Lehre der Universität Marburg vielfältige Möglichkeiten der Inspiration und des Austauschs für die eigene Lehrpraxis. In verschiedenen Formaten, darunter Impulsvorträge, Workshops, Interviews und Thementische zu bereits ausgezeichneten Lehrprojekten, konnten Lehrende und Lehrinteressierte der Philipps-Universität neue Methoden kennenlernen und über Herausforderungen in der Lehre diskutieren.

Mit dem Lehrpreis „Lehre@Philipp“ würdigte die Philipps-Universität darüber hinaus zum sechsten Mal Projekte, die Lehre weiterentwickeln oder ganz neu denken. Insgesamt wurden in diesem Jahr über 40.000 Euro Preisgeld vergeben.

„An der Universität Marburg lohnt es sich, kreativ zu werden“, erklärte Uni-Vizepräsidentin Prof. Dr. Kati Hannken-Illjes. „Heute zeichnen wir vier spannende Lehrprojekte aus, die Studieninteressierten und Studierenden neue Wege des Studieneinstiegs und Zugangs zum Studium, des Lernens, der Interaktion, ja sogar des Forschens ermöglichen. Ich freue mich sehr über das Engagement unserer Preisträgerinnen und Preisträger und gratuliere ganz herzlich“.

Die ersten Ausgezeichneten waren Prof. Dr. Christina Brüning vom Fachbereich Geschichte und Kulturwissenschaften und Prof. Dr. Susann Gessner vom Fachbereich Gesellschaftswissenschaften und Philosophie. Sie möchten im Sommersemester 2023 ein Lehrforschungsprojekt im Kontext von „Race, Class, Gender“ durchführen, in dem Kompetenzen für eine diversitätssensible Bildung aufgebaut werden sollen.

Das Seminar soll Lehramtsstudierenden der Fächer Geschichte, Politik und Wirtschaft die Möglichkeit geben, sich als Forschende zu erfahren. Unter anderem beinhaltet es die Arbeit in interdisziplinären studentischen Forschungsgruppen zu gesamtgesellschaftlich relevanten Fragestellungen. Zentraler Bestandteil des Seminars sind eine Exkursion zum Austausch und Diskurs mit außeruniversitären und internationalen Personen der politischen Bildung, Aktivistinnen und Aktivisten, Betroffenen, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Politikerinnen und Politiker. Hinzu kommen eine Summerschool zur Präsentation der studentischen Projektergebnisse und eine Schreibwerksatt, die Möglichkeiten der Publikation bietet.

Neben der Kooperation und dem Austausch beinhaltet das Seminar auch ein akademisches Mentorat sowie zentrale Aufgaben der Tagungsorganisation. Die Studierenden führen zum Beispiel Vorgespräche mit Referierenden, gestalten Panels und Moderationen. Für die weitere Umsetzung der Veranstaltung mit neuen Themenschwerpunkten erhalten die Professorinnen über 7.500 Euro.

Die Preisträgerin Dr. Brigitte Ganswindt vom Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas vermittelt Studierenden in ihrer Lehrveranstaltung „Öffentlichkeitsarbeit und Wissenschaftskommunikation digital“ zum einen wichtige Theorien, Werkzeuge und Anwendungsmöglichkeiten der Öffentlichkeitsarbeit und Wissenschaftskommunikation. Zum anderen bekommen Studierende die Möglichkeit, das direkt in die Praxis umzusetzen.

Der Schwerpunkt liegt dabei auf digitalen Formaten der Wissenschaftskommunikation und insbesondere auf digitalen Ausstellungen. So lernen die Studierenden sowohl eine bereits vorhandene physische Ausstellung in ein digitales Format zu übertragen als auch eine eigene, genuin digitale Ausstellung mit sprachwissenschaftlichen Inhalten zu konzipieren und umzusetzen. Damit leistet die Veranstaltung einen wichtigen Beitrag zur Berufsorientierung und setzt darüber hinaus Impulse zur digitalen Verfügbarkeit von Ressourcen, Wissen, Lehr- und Lerninhalten sowie kulturellen Angeboten. Dieser Aspekt is durch die Corona-Pandemie präsenter denn je geworden.

Denn eine Transformation physischer Ressourcen in den digitalen Raum geschieht keinesfalls durch eine reine Digitalisierung der Objekte, sondern erfordert auch ausgefeilte Konzepte, um den gewünschten Erkenntnisgewinn beim Publikum zu erzielen. Für die Umsetzung dieses Vorhabens wird Ganswindt mit 9.300 Euro unterstützt.

Kai Kortus vom Fachbereich Mathematik und Informatik möchte Studierenden mit Sehbeeinträchtigung den Studieneinstieg in MINT-Fächer deutlich erleichtern. Damit baut er auf die bereits gestartete Initiative des Fachbereichs gemeinsam mit der Servicestelle für Studierende mit Behinderung (SBS) und des autonomen Referates für Studierende mit Behinderung (ABR) des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) zur Verbesserung der Barrierefreiheit auf. Dabei wird er insbesondere von Prof. Dr. Ilka Agricola unterstützt.

Viele Studieninteressierte und neue Studierende mit Sehbeeinträchtigung werden von einem MINT-Studium abgeschreckt – beispielsweise durch nicht barrierefreie Lehrmaterialien oder erschwerte Zugänge zu Gebäuden. Kortus möchte die in den Vor- und Schnupperkursen eingesetzten Lehrmaterialien ebenso wie das Studieninformationsmaterial und den Selbsteinstufungstest nach barrierefreien Standards ausgestalten. Zusätzlich sollen Study-Buddies aus höheren Semestern gerade bei Anfangsschwierigkeiten auch persönlich unterstützen.

Durch den barrierefreien Ausbau des Lernzentrums und die Verbesserung der Barrierefreiheit des Mehrzweckgebäudes auf den Lahnbergen sollen weitere Hürden reduziert werden. Für sein Vorhaben „Inklusive Einführungsphase Mathematik und Informatik“ erhält Kortus 15.000 Euro.

Prof. Dr. Rolf Kreyer vom Institut für Anglistik und Amerikanistik am Fachbereich Fremdsprachliche Philologien entwickelte die digitale Simulation „LiKE – Linguistische Kompetenz für den Englischunterricht“. Lehramtsstudierende sollen dadurch Linguistik als wertvolle Ressource unterrichtlichen Handelns erfahren und eine Antwort auf die Frage erhalten, die sich offenbar viele Lehramtsstudierende stellen: „Warum muss ich das denn alles lernen? Ich will doch Lehrer/Lehrerin werden!“

Das digitale Tool simuliert Unterrichtsgespräche, in denen die Schülerinnen und Schüler verschiedene Fehler machen. Unter Berücksichtigung ihrer sprachwissenschaftlichen Kompetenz können Studierende in der Rolle der Lehrperson intervenieren.

Je mehr Wissen sie zu linguistischen Inhalten haben, desto mehr Interventionsmöglichkeiten gibt es. Verfügen die Studierenden nicht über entsprechendes Vorwissen, können sie relevante Inhalte aus den jeweiligen Vorlesungen auffrischen.

Mit der Förderung von über 9.300 Euro können nun die Interaktionsmöglichkeiten sowie die Möglichkeiten zur Auffrischung von linguistischen Inhalten innerhalb des Tools deutlich erweitert werden, um auch komplexere linguistische Sachverhalte, wie beispielsweise Kollokationen, Syntax oder Pragmatik darstellen zu können.

Der Lehrpreis „Lehre@Philipp“ zeichnet vor allem Projekte aus, die eine sichtbare Innovation in die Lehre einbringen oder zur Verbreitung von Konzepten beitragen, die sich bereits in der Erprobung befinden. Auch Projekte, die Diversität fördern beziehungsweise diversitätssensible Lehre stärken, sind besonders förderungswürdig. Weitere Kriterien des Lehrpreises „Lehre@Philipp“ sind unter anderem die Förderung von Motivation und Begeisterung für das Fach, eine gute Verknüpfung von Theorie und Praxis sowie die Förderung des Dialogs zwischen Lehrenden und Studierenden.

*pm: Philipps-Universität Marburg

Kommentare sind abgeschaltet.