Cavete: Marburgs berühmtester Jazzkeller

Zu den legendären Lokalen in Marburg gehört ganz gewiss auch die „Cavete“ am Steinweg. Seit März 1980 ist sie Stammlokal der Jazzinitiative Marburg (JIM).
Geht man von der Elisabethkirche aus den Steinweg hinauf, befindet sich die „Cavete“ kurz vor dem oberen Ende rechts in einem Gewölbekeller unter der Straße „Roter Graben“. Zum Steinweg hin gibt es Schaufenster und die gläserne Tür. Durch sie gelangt man in eines der renommiertesten Jazzlokale Deutschlands im Haus „Steinweg 12“.
Im vorderen Raum befindet sich hinten die Theke und davor auf beiden Seiten einige Tische mit Stühlen. Hinten links führt ein Durchgang zu dem größeren zweiten Raum, wo das eigentliche Geschehen stattfindet. Bekannt ist die „Cavete“ vor allem für ihre Lifemusik, die immer wieder überraschende Erlebnisse ermöglicht.
Abends traf man in der „Cavete“ nicht nur Musikfans, sondern durchaus auf die politischen Gruppen unterschiedlichster Couleur an. An der Theke trank eine Linke mit einer Genossin ihren Rotwein, während an einem kleinen Tisch links vornean die Jusos ihr Bier konsumierten. Im Nebenraum spielten derweil die Mick Schwarz Band oder Michael Sagmeister Livemusik.
Irgendwann in den 80er Jahren war ich abends auf dem Steinweg unterwegs. Vor der „Cavete“ knäuelte sich eine riesige Menschenmenge. Aus dem Lokal hörte ich Jazzmusik.
Ein Piano stpielte dort life. „Das ist Champion Jack Dupree“, raunte einer der Umstehenden mir zu. Diesen Namen kannte selbst ich, obwohl ich mich nicht gerade als Experten in Sachen Jazzmusik betrachte.
„Der spielt nur wegen dem Wirt hier“, erklärte der Jazzfan. „Sonst spielt der nur in großen Hallen wie beispielsweise der Stadthalle Gießen.“
Tatsächlich war der Wirt der „Cavete“ jahrzehntelang prägend für das Jazzlokal. ROMAN KLÖCKER spielte in der Barrelhouse Jazzband und kannte daher die deutsche und internationale Jazzszene. Einige – merhr oder weniger prominente – Musiker kamen ihn ab und an besuchen und spielten dann in seinem Lokal „für lau“.
Im März 1980 gründete KLÖCKER sowohl die „Cavete“ als auch die Jazzinitiative Marburg. 30 Jahre lang war er die Seele des Jazzclubs, den er nicht als einträgliches Geschäft, sondern zufürderst als kulturelles Projekt betrieb. Das Personal erhielt eine bessere Bezahlung als in anderen Marburger Kneipen und erfreute sich seines Respekts ebenso wie die Gäste unterschiedlichster Herkunft.
Im Mai 2011 übernahm Frank Liers das Lokal. Inzwischen ist Sandra Schofer Wirtin der Cavete.
In der „Cavete“ erzählte der Impresario Fritz Rau Geschichten aus seinem Leben. Nach dem Krieg hat er die ersten Jazzkonzerte organisiert, um allen endlich die Musik zu Gehör zu bringen, die die Nationalsozialisten als „Negermusik“ verboten hatten. Später holte Rau Bands wie die „Rolling Stones“ oder Jimmy Hendrix nach Deutschland.
Auch die „Cavete“ förderte junge Talente und eröffnete ihnen Auftrittsmöglichkeiten. Ihr Repertoire reicht dabei längst weit über Jazzmusik hinaus. Allerdings ist sie immer noch das Vereinslokal der Jazzinitiative Marburg.
Mein Stammlokal war die „Cavete“ zwar nicht, wohl aber eine feste Institution in Marburg, die auch ich immer wieder mal aufsuchte. Unzweifelhaft gehört sie mit ihren zahlreichen prominenten Gästen zu den –
weit über die Stadtgrenzen hinaus – bekannten legendären Lokalen in Marburg. Aber auch für mich hat dieser Gewölbekeller eine ganz persönliche Bedeutung.
Bei einem Spaziergang mit meiner Schwiegermutter Irmgard Sturz blieb sie vor der „Cavete“ stehen. Vermutlich in diesem Gewölbe habe sie bei einem Treffen von Sudetendeutschen kurz nach Kriegsende ihren Schulkameraden Heinrich Sturz wieddergetroffen. Das muss wohl im Winter 1947 gewesen sein.
Später haben die beiden geheiratet. Im Februar 1950 wurde dann ihre Tochter geboren. Insofern hat dieses Gewölbe wahrscheinlich dazu beigetragen, dass ich 1991 meine Ehefrau Erdmuthe Sturz kennenlernen konnte.

* Franz-Josef Hanke

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