Orte der Aktion: Fachtag für Nachwuchs in der Jugendhilfe

Einblicke in ihre Arbeit bei der stationären Jugendhilfe haben junge Fachkräfte bei einem Fachtag für den Nachwuchs gegeben. Dieses Angebot ist einmalig in Hessen.
Beim Fachtag „Stark Nachgefragt – Perspektiven der zukünftigen Fachkräfte“ haben sich die Teilnehmenden mit jungen Fachkräften aus Jugendhilfeeinrichtungen ausgetauscht, um ein realistisches Bild dieser beruflichen Perspektive zu bekommen. Rund 160 Menschen nahmen an dem Fachtag im Technologie- und Tagungszentrum (TTZ) teil, den die Universitätsstadt Marburg in Zusammenarbeit mit freien Jugendhilfeträgern und Marburger Lehrinstituten veranstaltet hat.
„Der Wechsel aus der Herkunftsfamilie in eine Einrichtung der stationären Jugendhilfe ist ein großer – weitreichender und oft auch schmerzhafter –
Schritt für junge Menschen und ihre Familien“, erklärte Bürgermeisterin Nadine Bernshausen bei der Begrüßung und Einführung ins Thema auf der Fachtagung „Stark nachgefragt“ im TTZ. „Deshalb brauchen wir ein gut aufgestelltes Jugendhilfesystem mit gut ausgebildeten Fachkräften, die große Empathie und Sachkenntnis mitbringen.“
Rund 160 Teilnehmende trafen sich, um sich über die Arbeit in der stationären Jugendhilfe zu informieren. Sie machen an der Philipps-Universität einen Bachelor of Arts in Erziehungs- und Bildungswissenschaft oder beim Marburger Bibelseminar einen Bachelor Professional Sozialwesen und werden dort oder an der Käthe-Kollwitz-Schule stattlich anerkannte Erzieher*innen. Bei dem Fachtag stellten ihnen junge in Arbeitsgruppen ihre Tätigkeit und ihren Alltag vor.
Der Fachtag war eine gemeinsame Veranstaltung von stationären Jugendhilfeträgern und dem Marburger Jugendamt als Aktion gegen den drohenden Fachkräftemangel. Beteiligt waren die freien Träger St. Elisabeth-
Verein, Kerstin-Heim, Deutsche Blindenstudienanstalt (BliStA), Caritas Jugendhilfe Marburg, Jugendheim Marbach und die Kinderintensivpflegeeinrichtung Bärenfamilie.
„Meines Wissens ist eine Fachtagung dieser Art hessenweit die erste“, sagte Matthias Leibfried-Reuß, der bei der Stadt Marburg für die Qualitätsentwicklung stationärer Hilfen zuständig ist. „Mit dieser Veranstaltung wollen wir die Studierenden und die Marburger Träger zusammenbringen und erste berufliche Kontakte ermöglichen.“
In Marburg werden rund 400 Kinder und Jugendliche in stationären Einrichtungen betreut. Meist sind das junge Menschen mit besonderem pädagogischen Bedarf aus Familien in schwierigen Lebenssituationen. Rund 380 pädagogische Fachkräfte arbeiten im Marburger Stadtgebiet in der stationären Jugendhilfe.
Der Generationenwechsel ist in vollem Gange. Da ist es wichtig, das neues Fachpersonal nachkommt.
Allein in Marburg gibt es 86 verschiedene Einrichtungen. „Für jedes Alter und jeden Bedarf gibt es eine spezielle Wohnform“, erklärte Leibfried-Reuß. Dabei gibt es ganz unterschiedliche Einrichtungen und damit auch Berufsperspektiven.
Das reicht von Kinderhäusern über Jugendwohngruppen, Mutter-Kind-Gruppen bis zu erlebnispädagogisch orientierten sowie geschlechtsspezifischen WGs. Auch Kinder und Jugendliche mit besonderem Unterstützungsbedarf wie Behinderungen, seelischen oder psychischen Belastungen sowie chronischen Erkrankungen finden in Marburg eine entsprechende Betreuungsform.
Der Fachtag ermöglichte dem angehenden Fachpersonal, im gemeinsamen Austausch Vorbehalte abzubauen und alle Fragen zu stellen, sodass sie ein realistisches Bild von der Arbeit in der Jugendhilfe entwickeln konnten. „Man begleitet die Kinder nicht nur den Vormittag, sondern einfach im Leben, hilft etwa bei schulischen Problemen und dem Erlernen von Selbstständigkeit“, antwortete eine Fachkraft auf die Frage, was ihr an ihrer Tätigkeit am besten gefällt.
„Marburg ist ein wunderbarer Ort zum Aufwachsen“, erklärte Stefanie Lambrecht vom städtischen Fachbereich Kinder, Jugend und Familie. „Dies wollen wir auch Kindern und Jugendlichen ermöglichen, die im Moment nicht bei ihren Familien leben können. Die Arbeit in den Wohngruppen ist eine hohe fachliche Anforderung gerade an Berufseinsteiger*innen. Umso glücklicher bin ich über die vielen interessierten Studierenden, die heute an unserem Fachtag teilnehmen.“
Im Anschluss an die Kleingruppenarbeit und ein Podiumsgespräch konnten sich die Teilnehmenden der Fachtagung noch an Infotischen der freien Träger und der Lehrinstitute beim „Markt der Möglichkeiten“ informieren. Beispielsweise gab es Informationen über die Möglichkeit, ein Praktikum in einer Wohngruppe zu machen.

* pm: Stadt Marburg

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