Orte der Kultur: HLTM stellt Spielplan vor

Spielzeitvorstellung

Eva Lange, Dr. Thomas Spies per Video und Christin Ihle stellen den Spielplan vor. (Foto: Laura Schiller)

„Konstruktion Hoffen“ heißt das Motto der Spielzeit 2022/23 des Hessischen Landestheaters Marburg (HLTM). Der Spielplan wurde am Donnerstag (19. Mai) vorgestellt.

„Das Theater ist die Werkstatt des Hoffens“, sagte Dramaturgin Christin Ihle. „Hier können Perspektiven geteilt werde, sich verschieben, und schließlich Neues frei geben. Es ist ein Prozess, der durch eine Konstruktion eröffnet wird.“
Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies freute sich, dass das Theater „aus dem unfreiwilligen Dornröschenschlaf erwacht ist.“ Der böse Zauber der Corona-Krise habe „uns alle wieder losgelassen“, sagte Spies, obwohl er selbst wegen einer Corona-Infektion nur per Videochat an der Pressekonferenz teilnehmen konnte: „Theater ist wieder so möglich, wie wir es kennen.“
Das HLTM hat bisher immer neben Deutsch und Englisch noch eine dritte Sprache in das Programmheft mitaufgenommen. Nachdem in den vorangegangenen Spielzeiten Übersetzungen in Arabisch, Spanisch, Russisch und Türkisch dargeboten wurden, wird es in dieser Spielzeit französisch sein.
Anke Starker von der Kassenleitung des HLTM kündigte an, dass die Rückkehr der Festplatzabos, die es vor der Coronazeit gab, um noch ein weiteres Jahr verschieben werden müsste. Anstatt dessen gebe es „Abo-Cards“, die in Sechser, Neuner und Dreizehner Packungen zu erhalten sein werden.
Außerdem wird es ein Audio-Deskriptions-Abo geben. Von den fünf Vorstellungen, für die es Audio-Deskription gibt, kann man mit dihm Abo drei davon besuchen.
Des Weiteren wird ein zweiter Standpunkt für den Kartenverkauf hinzugefügt. Die „After-Work-Kasse“ im Kleinen Tasch wird auch abends noch für den Vorverkauf geöffnet sein.
Das HLTM darf diese Spielsaison sechs neue Schauspieler im festen Ensemble begrüßen. Fanny Holzer, die in Marburg ihr Ausbildungsjahr zur Schauspielerin absolviert hat, kehrt zurück. Auch Ulrike Walter, die zuletzt am Meininger Staatstheater engagiert war, wird diese Saison im HLTM zu sehen sein.
Die Kooperation mit der Kunstuniversität in Graz wird ebenfalls weitergeführt und erweitert durch eine Zusätzliche Zusammenarbeit mit der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt. Silvia Schwinger und Yannick Sturm aus Frankfurt und Adele Emil Behrenbeck und Anke Hoffmann dürfen ihr Ausbildungsjahr zum Schauspieler dadurch in Marburg absolvieren.
Das Ensemble verlässt Thorsten Danner. Ebenso gehen die Studierenden, die ihr Ausbildungsjahr abgeschlossen haben.
Die Spielsaison 2022/23 wird ab Freitag (16. September) mit einem feierlichen Liederabend eröffnet. Mit „Songs of Peace and Hope““ in der Regie von Co-Intendantin Carola Unser möchte das HLTM die Saison musikalisch und hoffnungsfroh einläuten.
Am Samstag (17. September) folgt dann die Uraufführung des Stücks „Wonderwomb“ von Amir Gudarzi und in Regie von Co-Intendantin Eva Lange. Es geht einen Angriff auf einen Öltanker und die Wichtigkeit von Erdöl, sowie die „Gleichzeitigkeit von hier und dort, von Ausbeutung und Nutzen, von Leben und Tod und Herrschaft und Unterdrückung“, sagte Ihle.
Für Kinder ab drei Jahre gibt es ab Sonntag (18. September( die Uraufführung von „Hopp!“. In Regie von Jette Büschel ist dieses Stück für alle, die nicht still sitzen können.
„Ich Lieb Dich“ ist ein Stück von Kristo Šagor, das ab dem 11. November aufgeführt wird. Für Kinder ab 8 Jahren versucht dieses Klassenzimmerstück das größte aller Gefühlezu beschreiben: die Liebe.
„Wer kennt sie nicht, die grauen Herren, die es einem manchmal so richtig schwer mit der Hoffnung machen?“, fragte Lange bei der Vorstellung des Familienstücks. „Die grauen Anzüge, die grauen Hüte, die grauen Gesichter und die grauen Gedanken. Da braucht es schon eine, die einfach da ist. Es braucht eine Momo.“ In Regie von Unser wird „Momo“ von Michael Ende ab dem 13. November aufgeführt.
Ab dem 26. November ist „Der Herzelfresser“ von Ferdinand Schmalz im Kleinen Tasch zu sehen. In dem Stück geht es um zwei Morde, die mehrere hundert Jahre voneinander entfernt geschehen, doch bei beiden Opfern fehlt das Herz. Maxime Mourot führt Regie.
„Tragödienbastard“ ist ab dem 10. Dezember im Theater am Schwanhof zu sehen. Das Stück von Ewe Benbeneck handelt von drei Immigrantinnen, die sich auf mentale Reise begeben.
Die erste Neuproduktion im Jahr 2023 wird „Der Gute Mensch von Sezuan“ von Betrold Brecht sein. Milena Mönch widmet sich als Regisseurin diesem Klassiker, in dem drei Götter sich auf die Suche nach einem guten Menschen machen.
Das Kinderbuch „Der Struwwelpeter“ von Heinrich Hoffmann wird ab dem 18. Februar 2023 als Junk-Oper neu inszeniert. Das „schaurig-schrille Musiktheater“ in der Regie von Lange wird mit Musik von der Londoner Band The Tiger Lillies unterstützt.
Ab dem 4. Februar gibt es ein interaktives Game-Projekt als Abschlussarbeit der anstrebenden Regisseurin Nathalie Glasow. „Let‘s Play Monkey Island“ ist ein interaktives Theaterstück zu einem Computerspiel, für Menschen ab 14 Jahren.
„Draußen vor der Tür“ von Wolfgang Borchert ist ein Anti-Kriegs Stück, in dem der Protagonist nach dem Krieg nach einem Neuanfang und nach der Hoffnung sucht. Es wird ab dem 6. April in der Regie von Thomas Bockelmann im Großen Tasch aufgeführt.
Das Gefühl, immer unterwegs zu sein und nie wirklich irgendwo anzukommen behandelt das Stück „Wenn das Kind in der Polenta kocht“ von Aglaja Veterany, das ab dem 21. April aufgeführt wird. Regie führt Nino Haratischwili. Es soll ein Publikumsgespräch mit der Autorin geben, und das Stück wird in Kooperation mit dem Georgischen Staatstheater in Tiblisi sowohl in Marburg als auch in Georgien zweisprachig aufgeführt.
Im dritten Anlauf soll ab dem 13. Mai „Die Welt im Rücken““ aufgeführt werden. Zuvor wurden die bereits angesetzten Premieren zweimal wegen Lockdowns abgesagt. Das Stück von Thomas Melle geht um das Leben mit seiner bipolaren Erkrankung. Regie führt Lange.
Die Spielzeit endet auf der Freilichtbühne im Schlosspark mit der Inszenierung des Kinderbuchs „Alice im Wunderland“. Der Weltbestseller von Lewis Carroll wird dort ab dem 3. Juni aufgeführt.

*Laura Schiller

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