Im Kreis: Marian Zachow möchte Landrat werden

Marian Zachow

Marian Zachow möchte Landrat werden.

Die Verkehrswende ist Marian Zachow ein dringendes Anliegen. Damit kandidiert er am Sonntag (15. Mai) als Landrat.
„Der Verkehr ist einer der größten Verursacher klimaschädlicher Emissionen“, sagt Zachow. In einer Verringerung des Verkehrs wie auch im Umstieg auf umweltfreundlichere Verkehrsmittel sieht der Christdemokrat deshalb eine geeignete Stellschraube zum Umsteuern beim Klimaschutz. Einer seiner Vorschläge ist dabei die Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken im Kreis.
„Als ich das vor einigen Jahren vorgeschlagen habe, bin ich von einigen in meiner Partei ausgelacht worden“, berichtet Zachow. „Inzwischen ist das anders.“ Mit Geduld und Stehvermögen setzt sich Zachow für die Wiedereröffnung der alten Eisenbahnlinien ein.
Wie wichtig ein engmaschiges Schienenetz gerade in Kriegs- und Krisenzeiten ist, können Interessierte derzeit in der Ukraine beobachten. „Das war eine der letzten Stellungnahmen vor dem Abbau der Gleise deer Aartal-Salzböde-Bahn“, erinnert sich Zachow: „Über diese Strecke könnten Züge den Knotenpunkt Gießen bei Störungen in Richtung Ruhrgebiet umfahren.“
Seit 2014 ist der Theologe Erster Kreisbeideordneter des Landkreises Marburg-Biedenkopf. Seit dem Tod der Landrätin Kirsten Fründt am Mittwoch (19. Januar) leitet der 42-jährige Wahlbeamte die Kreisverwaltung kommissarisch. Aus dieser Position heraus bewirbt er sich um die Nachfolge der Sozialdemokratin, für die er viele lobende Worte findet.
„Kirsten Fründt hat die sachgrundlose Befristung von Beschäftigungsverhältnissen im Kreis abgeschafft“, erklärt Zachow. „Nominal hatten wir hinterher mehr Stellen im Haushalt, aber tatsächlich genauso viele Beschäftigte wie früher, nur dass sie nicht um eine Verlängerung ihrer Jobs bangen mussten.“
Als Gewerkschafter sieht Zachow diese Maßnahme überaus positiv. Letztlich verbessere sie das Betriebsklima in der Kreisverwaltung. Das komme Beschäftigten wie auch der Bevölkerung zugute.
Zachow ist stellvertretender Landesvorsitzender der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA). „Leider kann ich nicht allzuviel Zeit für dieses Ehrenamt aufbringen“, beklagt er. „Aber ich kann Zeichen setzen für faire Arbeitsbedingungen und Soziale Gerechtigkeit sowie für die wichtige Bedeutung der Einheitsgewerkschaft.“
Wichtig ist ihm auch ein menschenwürdiger Umgang mit Geflüchteten. „Seit ich 2014 ins Amt gekommen bin, hatten wir immer einen unablässigen Zustrom von Flüchtlingen“, berichtet er. „Eine gute Unterbringung und Bildung sowie Sprachkurse waren uns dabei immer wichtig.“
Dankbar äußert sich der Kommunalpolitiker für die breite Unterstützung aus der Bevölkerung bei diesem Thema. „Die große Mehrheit hat sich offen gezeigt und für die Menschen eingesetzt, die zu uns kommen“, berichtet Zachow.
Ausgezahlt habe sich auch, dass die Kreisverwaltung die seit 2016 etablierten Strukturen der Integrations- und Flüchtlingsarbeit nie reduziert oder abgebaut, sondern stets weitergeführt und fortentwickelt hat. Als besonders beispielhaft nennt er die Einbindung und Kooperation mit den ehrenamtlichen Flüchtlingsinitiativen. „Diese erprobten Strukturen der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe haben uns auch bei der Aufnahme der Menschen aus der Ukraine sehr geholfen.“
Wichtig ist ihm jedoch, dass es unter den Geflüchteten „keine Zwei-Klassen-Gesellschaft gibt“. Vielmehr „müssen wir all denen helfen, die zu uns kommen und unsere Hilfe benötigen“, stellt der Theologe fest. „Bisher ist uns das insgesamt gut gelungen.“
Dabei hebt er besonders hervor, dass Flüchtlingsintegration im Landkreis auf gutes Miteiannder sowie gesellschaftliche und politische Teilhabe zielt: „Wir sind wohl nach wie vor der einzige Landkreis, der mit „Flüchtlingssprechern“ eine echte Mitbestimmungs- und Beteiligungsstruktur für Neuzugewanderte pflegt.
Als Sozialdezernent ist Zachow im Kreis auch für die Arbeitslosen zuständig. „Ich bin sehr froh, dass wir als Optionskommune beim Sozialgesetzbuch II die Möglichkeit haben, individuelle Lösungen für alle zu suchen“, erklärt er. „Wenn die Verwaltung irgendwann einmal einen Fehler macht, können wir das auch in Rücksprache mit den Betroffenen klären und lösen.“
Die weitere Entwicklung der Corona-Pandemie betrachtet er zwar mit Sorge, sieht darin aber auch eine Chance: „Noch nie war die Situation für die Förderung des Ländlichen Raums so gut wie jetzt, wo Hoeoffice sich in vielen Bereichen durchgesetzt hat“, erklärt Zachow. Den Ausbau der Breitbandverbindung sowie von Bahn und Bus auf die Dörfer könne der Kreis nun leichter voranbringen, weil es dafür mehr Unterstützung auch von Bund und Land gebe.
„Wir haben hier im Kreis überdurchschnittlich viele Bioenegiedörfer und -städte. Energiegenossenschaften“, zuletzt seien aufgrund der Engeriepreissituation der letzten Jahre aber nur wenige neu dazu gekommen. erläutert Zachow.
„Ihr Ausbau ist in letzter Zeit ins Stocken geraten. Da müssen wir jetzt weiter vorangehen“, fordert Zachow.
Schwieriger sei die dauerhafte Verankerung von Dorfläden. Da müsse man vermutlich noch intelligentere Lösungen finden wie die Übernahme von Verwaltungsleistungen oder anderen Angeboten in den Dorfläden und möglicherweise auch eine Einschränkung der Öffnungszeiten, damit eine ehrenamtliche Begleitung möglich bleibt. Wichtig sei jedoch, dass die Dörfer nicht weiter ausbluten, sondern ihr kulturelles und soziales Leben pflegen.
„Die Landratswahl ist eine Persönlichkeitswahl“, hält Zachwow abschließend fest. „Ich bewerbe mich um dieses Amt mit meinen Fähigkeiten und Haltungen. Wenn ich nicht gewählt werde, bleibe ich, was ich bin.“

* Franz-Josef Hanke

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