2021 finden die „Hessischen Theatertage“ von Sonntag (20. Juni) bis Samstag (26. Juni) in Marburg statt . Analog und digital sind Hessens Theater dann zu Gast eim HLTM.
Eine Woche lang sind die Staats-, Stadt- und Landestheater sowie die freie Theaterszene Hessens im Rahmen der „Hessischen Theatertage 2021“ und dem Kinderfestival „HessenKUSS“ zu Gast beim Hessischen Landestheater Marburg (HLTM). In Marburg zeigen sie die Vielfalt der hessischen Theaterlandschaft in analogen sowie digitalen Formaten.
Das Festival wurde so geplant, dass die angestrebten analogen Vorstellungen zumeist auch digital stattfinden können, sollte sich das Pandemiegeschehen entsprechend entwickeln. Im Falle einer zu hohen Inzidenz wird das Festival ins Digitale verlegt. Dennoch wollen die HLTM-Intendantinnen Carola Unser und Eva Lange „die Hoffnung nicht aufgeben“, dass möglichst viele Veranstaltungen nicht nur virtuell, sondern mit anwesenden Zuschauerinnen und Zuschauern stattfinden können.
„Theater ist essenziell“, erklärte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies bei der Online-Vorstellung des Programms am montag (26. April). Für die Gesellschaft und das Leben sei Theater „ebenso unerlässlich wie Wasser und Brot“. Ausdrücklich lobte er die Intendantinnen dafür, dass sie die Hoffnung nicht aufgeben.
Sechs Inszenierungen der institutionalisierten Theater und elf Produktionen der freien Szene aus Hessen nehmen am Wettbewerb um die – jeweils mit 2.500 Euro dotierten – Preise in drei Kategorien teil. Darüber hinaus gibt es fünf Produktionen für das Rahmenprogramm.
Zudem wird im Rahmen der Hessischen Theatertage 2021 „KUSS – Theater sehen! Theater spielen!“ zu „HessenKUSS – Theater sehen!“ Leider musste das KUSS-Festival sowohl im März 2020 als auch im März 2021 pandemiebedingt abgesagt werden, weswegen die Idee entstand, während der Hessischen Theatertage noch einmal einen besonderen Fokus auch auf das Kinder- und Jugendtheater Hessens zu legen mit fünf ausgewählten hessischen KUSS-Produktionen und einem Klassenzimmerstück des HLTM.
Daneben findet ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm mit unterschiedlichen Panels, Workshops, Loungeabenden und Inszenierungsgesprächen sowie verschiedenen Veranstaltungen der Hessischen Theaterakademie und des HessenKUSS statt. Diese Gespräche können bei Bedarf ebenso ins Internet verlegt werden wie einige der geplanten Inszenierungen. Andere Darstellungen wurden von vornherein digital erstellt.
Eröffnet werden die Hessischen Theatertage 2021 am Sonntag (20. Juni) von Staatstheater Darmstadt mit „Staatstheater represent (Wo ist Emilia G.?)“ im Erwin-Piscator-Haus (EPH). Den „HessenKUSS“ eröffnet „Ophelias Schattentheater“ vom Theaterhaus Ensemble im Großen Tasch des Theaters am Schwanhof. Die feierliche Preisverleihung am Samstag (26. Juni) findet ebenfalls im EPH statt. Vorab ist „Tactile Prototypes“ von Glogowski / Hartung / Hoesch / Rodríguez zu sehen.
Neben dem Theater am Schwanhof mit dem „Großen Tasch“, dem „Kleinen Tasch“ und dem „Mini Tasch“ und dem EPH können die Gäste während der Festivalwoche auch Produktionen im Stadtraum, im digitalen Raum sowie im Theater neben dem Turm (TNT) erleben. Im EPH werden die Inszenierungen „Über die Auswirkung der Zentrifugalkraft auf die Augenstellung beim Fisch oder hast du was gesagt? Nein, du?“ von Schenkel, Schilling & Ensemble (HTA),“Die Pest“ des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden, „NSU 2.0“ des Schauspiels Frankfurt, „Carmen“ des Stadttheaters Gießen und „Sturm“ des Staatstheaters Kassel gezeigt, während im Theater am Schwanhof „Sagt der Walfisch zum Thunfisch“ der theaterperipherie, „Dreams of Landscape“ des Hessischen Staatsballetts, „Sticky Matter“ von ASJA, „Die Stadt mit der Zunge betreten“ von ScriptedReality oder auch „Paare sind feindliche Inseln“ von Pinsker+Bernhardt zu sehen sind. Im digitalen Raum können die Produktionen „A room of our own“ von Swoosh Lieu, „Rage. A tennis western“ von Hanna Steinmair und „Wearing heavy boots“ von HELLA LUX gesichtet werden.
Zum Titel ihrer Online-Produktion „Hineni“ erklärte Choreografin Gal Fefferman: „Ich habe den Leonard-Cohen-Song eigentlich erst kennengelernt, nachdem der Film fertig war, aber trotzdem würde ich nicht sagen, dass es ein völliger Zufall ist; das Wort HINENI (????????) wird im gesprochenen Hebräisch nicht oft verwendet und ist vor allem aus dem biblischen (alttestamentarischen) Kontext bekannt – es ist die Art und Weise, wie sich sowohl Abraham als auch Moses vor Gott präsentieren, wenn Gott sie zum ersten Mal direkt anspricht. Es ist daher mit einer Bedeutung aufgeladen, die über das bloße Sagen „Ich bin hier“ hinausgeht. Ich würde sagen, es symbolisiert das Erklären von Bereitschaft und Offenheit (vielleicht auf spirituelle Weise?), und eine Vereinbarung, etwas Neues zu beginnen.!
Die Künstlerin wählte den Namen als Zitat aus einem Gedicht der hebräischen Dichterin Rachel Bluwstein mit dem Titel „Sie kam zu spät“ aus, in dem sie die Trauer einer Frau – vielleicht von sich selbst – über eine verpasste Gelegenheit beklagt. Der Film ist ihre erste unabhängige Arbeit.
Insgesamt ist das Programm vielfältig, divers, engagiert und politisch interessant. Künstler mit einem kritischen Blick auf Kolonialismus erhalten dort ebenso Raum wie die Auseinandersetzung mit Rassismus und Frauenfeindlichkeit. Darum ist den Menschen nicht nur in Marburg zu wünschen, dass viele Veranstaltungen analog stattfinden können.
* Franz-Josef Hanke
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