Bis Ende 2029: Hinter den Bergen liegt Bauerbach

Bauerbach soll ein neues Bürgerhaus erhalten. Der Stadtteil liegt nordöstlich des Stadtkerns hinter den Lahnbergen.
Hinter den Bergen – inmitten grüner Natur – liegt Bauerbach. Dieser Stadtteil ist ein Ort mit vielfältigen Vereinsstrukturen, einer alten Wehrkirche und einem Bürgerhaus im Wandlungsprozess. Die Reihe „Mein Dorf in Marburg“ eröffnet Einblicke in die Außenstadtteile der Universitätsstadt Marburg und informiert über das groß angelegte Entwicklungskonzept der Stadt zur bedarfsgerechten Sanierung der Bürgerhäuser.
Nordöstlich der Kernstadt erstreckt sich Marburgs Außenstadtteil Bauerbach hinter dem Ortenberg und der Kette der Lahnberge in beachtlicher Größe. Mit etwa 1.400 Einwohner*innen zählt dieser Ort zu einem der größten Außenstadtteile.
In unmittelbarer Nähe liegen Universitätsklinikum, die naturwissenschaftlichen Institute sowie der neue Botanische Garten der Philipps-Universität. Der Weg über die Berge nach Bauerbach bietet Wälder mit Wanderwegen als interessante Ausflugsstrecken und einige besondere Panoramaaussichten.
Bauerbach wurde erstmals im Jahr 1133 unter dem frühmittelalterlichen Namen „Burenbach“ urkundlich erwähnt. Mit der Gebietsreform in den 70er-Jahren wurde die Gemeinde Teil der Stadt Marburg. Als eine der Sehenswürdigkeiten des Stadtteils gilt die katholische Pfarrkirche St. Cyriakus. Anhand einiger stilistischer Elemente wird der Kirchenbau bereits auf die Zeit um 1100 geschätzt und stellt damit ein beachtliches Zeitzeugnis dar. Über die Jahrhunderte wurde die Kirche immer wieder erweitert, unter anderem um einen Wehrturm, da die Kirche ab 1250 als Wehrkirche und somit für Verteidigungszwecke genutzt wurde.
Gemeinsam mit dem Cölber Stadtteil Bürgeln und dem Marburger Stadtteil Ginseldorf bildet Bauerbach heute eine katholische Pfarrgemeinde. Eine eigenständige evangelische Kirchengemeinde gibt es ebenfalls seit den 1990er Jahren in Bauerbach. Es folgte der Bau der evangelisch-lutherischen Kreuzkirche mit Gemeinderäumen, die auch als Friedhofskapelle genutzt wird, aufgrund der Lage – nahe dem Friedhof. Gemeinsame Gottesdienste und andere Veranstaltungen zeugen von einer gelebten Ökumene. Vor der Corona-Pandemie boten im Wechsel die Kirchengemeinde Ginseldorf und St. Cyriakus beispielsweise ein regelmäßiges Mittagessen für Ältere an, welches ergänzt wurde durch einen einmal monatlich stattfindenden Seniorennachmittag mit Kaffee und Kuchen, sowie kulturellen Beiträgen im Pfarrheim St. Elisabeth in Bauerbach. Alle Veranstaltungen sollen auch nach der Pandemie aufgrund des regen Besuchs wiederaufgenommen werden und stehen auch Nichtkirchenmitgliedern offen.
Zu Bauerbach gehört auch eine lebendige Vereinskultur. Beispielsweise wurde nach vielen Jahren der Inaktivität im Jahr 2012 die Freiwillige Feuerwehr wiedergegründet und hat mittlerweile eine Einsatzabteilung mit über 20 Aktiven, einen Förderverein und eine Jugendgruppe sowie Altersabteilung. Seit 2015 ist die Feuerwehr im neuerbauten Feuerwehrhaus zu finden.
Der Sportverein SV 1965 Bauerbach zählt etwa 600 Mitglieder, fördert je eine Turn-, Tennis- und Fußballabteilung. Die Fußballabteilung ist mit Mannschaften in der Fußball-Verbandsliga Hessen-Mitte sowie der Kreisliga A vertreten, während die Turnabteilung mit einem umfangreichen Programm für Jung und Alt von Sitzgymnastik bis zum Rücken-Yoga für alle Bauerbacher*innen etwas zum aktiv werden bereithält.
Tennis-Begeisterte kommen hingegen auf drei Kunstrasenplätzen im Waldstadion auf ihre Kosten. Das Waldstadion des Vereins erhielt im vergangenen Jahr außerdem eine neue LED-Flutlichtbeleuchtung mit finanzieller Unterstützung durch die Stadt Marburg, das Land Hessen und den Landkreis Marburg-Biedenkopf.
Ebenfalls aktiv in Bauerbach ist der Schützenverein, der im Untergeschoss des Bürgerhauses eigene Räumlichkeiten mit acht Schießbahnen und einem Vereinsheim hat. Der Heimat- und Kulturverein eröffnete 2019 nach langjähriger Planung das „Kulturelle Dorfarchiv“ in den Wohnräumen des ehemaligen Gasthauses „zur Linde“ und jetzigem Pfarrheims St. Elisabeth.
Mit moderner Präsentationstechnik wird in wechselnden Ausstellungen die Geschichte des Dorfs eindrucksvoll erläutert. Des Weiteren kümmert sich der Heimat- und Kulturverein um Themen wie Dorfverschönerung, Obstbaumpflege und die Wanderwege samt Ruhebänken rund um Bauerbach.
Ebenfalls im Pfarrheim St. Elisabeth trifft sich die „Katholische Jugend Cyriakus“, die die Dorfkirmes und das Osterfeuer organisiert und sich mit einigen Oldtimer-Traktoren bei Flurreinigungsaktionen oder der Altkleidersammlung des Caritasverbands aktiv beteiligt. Musikalisch lädt der Gesangverein „Liederkranz Bauerbach“ auch nach der Pandemie wieder zu zwanglosen Singtreffen ein, da es aktuell keinen aktiven Chor gibt.
Die seit 1992 bestehende „Freie Theatergruppe“ schafft es, junge Menschen für das Darstellende Spiel zu begeistern. Bereits 15 Stücke wurden unter der Regie von Künstlerin Burgi Scheiblechner inszeniert. Leider musste das für März 2020 geplante Stück „Der Alchemist“ vorerst auf unbestimmte Zeit verschoben werden.
Ortsvorsteher Lothar Böttner sagt über das bunte Dorfleben in Bauerbach: „Unser Ort lebt von der Vielfalt an Vereinen und Festlichkeiten, dazu gehören auch beispielsweise das Kirchweihfest im August, das Floriansfest mit Kinderspielen und Dämmerschoppen am Himmelfahrtstag oder auch das Krippenspiel und der St. Martinsumzug. Es sind unter anderem diese ehrenamtlich getragenen Veranstaltungen, die die Bauerbacher*innen zusammenbringen.“
Gemeinsam mit den Stadtteilen Schröck und Ginseldorf hat Bauerbach mit der „Tausendfüßlerschule“ eine eigenständige Grundschule für Kinder bis zur vierten Klasse, in einem modernen, gerade erweiterten Gebäude. Direkt neben der Schule befindet sich die im Jahr 2010 errichtete Kindertagesstätte Bauerbach mit bis zu 60 Plätzen und einer U3-Gruppe.
Als gemeinsamer Treff- und Veranstaltungsort ist auch in Bauerbach das Bürgerhaus vor Corona ein beliebtes Ziel gewesen. „Auch, wenn es ,in die Jahre gekommen‘ ist, hat das Bürgerhaus an Attraktivität kaum verloren“, beschrieb der Ortsvorsteher die Nutzungslage des Bürgerhauses.
Kontinuierliche Erweiterungen und Modernisierungen sowie Reparaturen haben zur Nutzbarkeit des Hauses bis heute beigetragen. Eine neue Küchen- und Thekeneinrichtung sowie die Umfunktionierung der ehemaligen Räume eines Kreditinstituts haben zu einer höheren Auslastung des Hauses durch Vereine und für Familienfeiern und Versammlungen beigetragen.
Der große und kleine Saal bieten Platz für insgesamt 300 bis 450 Personen. Im Untergeschoss befindet sich die Kegelstube, die ebenfalls für kleinere Feiern gemietet werden kann.
Gleichfalls in das Bürgerhaus eingegliedert ist eine Gaststätte, die nach umfangreichen Sanierungen seit einem Jahr neu verpachtet ist. Insgesamt weist das Bürgerhaus von Bauerbach einen hohen Sanierungsbedarf auf und ist daher im „Entwicklungskonzept für die Bürgerhäuser in den Außenstadtteilen“ für die zweite Hälfte der 20erJahre im Gespräch für den Abriss mit anschließendem Neubau – so der Stand des Entwicklungskonzept aus 2020.
Marburg ist Universität, Marburg ist Stadt – und Marburg ist Dorf. Rund 12.000 der Einwohner*innen Marburgs leben in den dörflichen Außenstadtteilen. Die Bürgerhäuser sind dort oftmals Orte des Miteinanders.
Deshalb will die Stadt in den kommenden Jahren auf der Basis eines großangelegten Entwicklungskonzepts die Bürgerhäuser in den jeweiligen Stadtteilen bedarfsgerecht sanieren, teilweise auch abreißen und neu bauen. Eine gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aller Außenstadtteile erstellte Prioritätenliste teilt die Vorhaben grob ein. Zunächst deckt sie den Zeitrahmen bis 2029 ab.
Voraussichtlich werden die Maßnahmen insgesamt darüber hinausgehen. Das Gesamtvolumen der Investitionen wird sich auf circa 15 Millionen Euro belaufen.
Der Impuls für das Entwicklungskonzept kam durch die Beteiligung der Stadt Marburg am Dorfentwicklungsprogramm des Landes Hessen. Die Stadt nutzt dieses Konzept zusätzlich, um die Außenstadtteile in den Fokus zu nehmen. Dazu werden im monatlichen Rhythmus unter dem Slogan „Mein Dorf in Marburg“ jedes Bürgerhaus und der dazugehörige Außenstadtteil einzeln portraitiert und detaillierter vorgestellt.

* pm: Stadt Marburg

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