Zeugnis ausgestellt: Jahresbericht listet Fortschritte auf

Gut 150 Zuschüsse für klimafreundliches Wohnen, Gründächer, E-Bikes und Nachbarschaftsprojekte hat die Stadt 2020 bewilligt. Ein neuen Jahresbericht listet Fortschritte für den Klimaschutz in Marburg auf.
Dazu kommen fast 50 kostenfreie Energieberatungen allein im Herbst, der neue Klimabeirat im Dezember, fortlaufende Fach-AGs, tausendfache Online-Beteiligung, neue Ladesäulen, Radzonen, Fernwärme oder Photovoltaik für städtische Gebäude und vieles mehr. Der Jahresbericht 2020 zur Umsetzung des Klima-Aktionsplans ist online. Auf 40 Seiten ist dort gelistet, was bisher geschah. Und wie es weitergeht.
„Wir wollen bis 2030 klimaneutral sein und zwar für Marburg als Ganzes“, erklärte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies. „Daran arbeiten wir als Stadt selbst mit aller Kraft und unterstützen außerdem Bürger*innen und Stadtgesellschaft ganz konkret – immer mit der Maßgabe, dass Klimaschutz sozial gerecht sein muss.“
Insgesamt sieht der Klima-Aktionsplan über 100 Maßnahmen im Umfang von rund 130 Millionen Euro allein für den städtischen Haushalt innerhalb der nächsten zehn Jahre vor. Viele davon brauchen mehrere Jahre für ihre Umsetzung wie beispielsweise die energetische Sanierung von Wohngebäuden. Unterstützt wird sie durch den sozialen Energiebonus, durch den trotz Modernisierung die Höhe der Warmmiete stabil bleiben sollen.
„Von all den Maßnahmen, die in unserem Klima-Aktionsplan 2030 von vergangenem Juni stehen, sind drei Viertel schon angefangen“, berichtete Bürgermeister Wieland Stötzel aus dem Jahresbericht 2020. Besonders in dem Bereich klimafreundliches Wohnen gehe es in der Universitätsstadt voran.
So betreibt zum Beispiel die gemeinnützige städtische Wohnungsbaugesellschaft „GeWoBau“ über 70 Anlagen zur Produktion von Strom aus Photovoltaik auf ihren Gebäuden. Allein 2020 sind zehn weitere Anlagen dazugekommen. In der Graf-von-Stauffenberg-Straße wurde ein Neubau für zwölf Wohnungen mit einem neuen Blockheizkraftwerk (BHKW) an das Fernwärmenetz (KWK) der Stadtwerke Marburg (SWM) angeschlossen für den „KfW-55-Standard“.
Angestrebt wird eine Quartierslösung für alle 210 Wohnungen, die derzeit noch rund 550 Tonnen CO2 ausstoßen. Die Sudetenstraße 40/42 hat mit der Vollmodernisierung eine Außenluft-Wärmepumpe erhalten. Das senkt die CO2-Emission von 68 auf drei Tonnen. Im Nachbarhaus wurde damit auch schon angefangen.
Neue Mehrfamilienhäuser baut die GeWoBau in der Friedrich-Ebert-Straße und am Försterweg in ökologischer Hybridbauweise. Obendrauf sind noch Gründächer und Photovoltaik-Anlagen geplant. Alle Neubauten erhalten Ladestationen für Elektroautos und Abstellanlagen für E-Bikes.
Auch die Stadtwerke Marburg haben 2020 insgesamt 20 neue Photovoltaik-Anlagen in Betrieb genommen. Dabei können sich Hausbesitzende ein sogenanntes „SonnenDach“ von den Stadtwerken montieren und komplett warten lassen, zahlen dafür Pacht und nutzen den Strom. Innerhalb der nächsten zwei Jahre sind ungefähr zusätzliche 120 Photovoltaik-Anlagen auf städtischen Gebäuden geplant.
Gut angelaufen sind die städtischen Förderprogramme aus dem Klima-Aktionsplan im Bereich energetische Sanierung und „klimafreundlich Wohnen“ – mit bis zu 5.000 Euro Zuschuss pro Antrag. Gleiches gilt für das Gründachprogramm. Fast 150 Anträge von Bürgerinnen und Bürgern hat die Stadt 2020 hier bewilligt – inklusive der Zuschüsse für E-Bikes.
Weitere 15 Anträge wurden noch für das Vorgängerprogramm „Regenerative Energien“ abgewickelt. Auch die kostenlose Energieberatung wird gut angenommen – rund 50 Bürgerinnen und Bürger haben sie allein von September bis November in Anspruch genommen.
Im Jahr 2021 stellt die Stadt fast eine Million Euro Fördergeld für die Programme bereit. Damit das Geld auch abgerufen und für Klimaschutz eingesetzt wird, müssen die Menschen die Programme kennen: Mit Pressemitteilungen sowie über die Homepage, durch Plakate, Flyer und über die sozialen Medien hat die Stadt sie deshalb bekannt gemacht.
Weiter geht der Jahresbericht mit den „Nachbarschafts-Projekten für den Klimaschutz“. Im Herbst erhielten neun Projekte insgesamt rund 19.000 Euro Zuschuss: Von der Baumbepflanzung und Blühwiesen über einen Permakultur-Garten bis zur Wassernutzung reichten die Anträge.
Auch Mobilität spielt eine große Rolle im bürgerschaftlichen Engagement, das die Stadt finanziell fördert: Der Verein Freie Räder, der Elektro-Lastenräder und Elektro-Schwerlastenräder verleiht, erhielt 25.700 Euro – vor allem für weitere Räder, da die Nachfrage in Marburg stetig steigt.
Auch das Konzept „MoVe35“ der Stadt verfolgt das Ziel einer klima- und umweltfreundlichen Mobilität. Im Jahr 2020 erfolgte dafür eine Online-Befragung, an der über 3.700 Bürger*innen teilgenommen haben.
Die Auswertung der Daten erfolgt in diesem Jahr. Zur klimafreundlichen Mobilität gehören auch die neuen Radwege und Radstreifen in der Stadt sowie die neue Radzone im Campusviertel. Schließlich wurde auch noch das Netz für Nextbike-Räder durch weitere Stationen erweitert.
Acht neue E-Autos in der GeWoBau-Flotte sparen voraussichtlich 15 Tonnen CO2 pro Jahr. Es gibt fünf neue E-Tankstellen am Hauptbahnhof, am Friedrichsplatz, an der Savignystraße, am AquaMar und beim Software-Center.
Für 2021 sind zwei weitere geplant an der Ockershäuser Allee und der Deutschhausstraße. Dazu kommen die Ladesäulen in den Parkhäusern.
Neben all diesen Projekten fördert die Stadt vor allem auch Kampagnen, Initiativen und Vereine, die die Öffentlichkeit über die Themen Klimaschutz und Nachhaltigkeit informieren. Im Herbst 2020 ist zum Beispiel die Broschüre „Marburg im Wandel“ erschienen mit Anlaufstellen für lokale Märkte, Fair-Trade-Läden oder nachhaltige Entsorgung.
Hinzu kamen Flyer, Infos über die sozialen Medien sowie Aktionen wie das Stadtradeln. Zur Öffentlichkeitsarbeit in Sachen Klimaschutz gehört auch die neue Broschüre „Abfälle richtig sortiert““.
Zudem trat kurz vor Weihnachten der unabhängige Klimabeirat zum ersten Mal zusammen. Das neue Gremium ist im Aktionsplan beschlossen worden. Es besteht aus externen Fachleuten und sachkundigen sowie im Klimaschutz engagierten Bürgerinnen und Bürgern.
Der Klimabeirat berät die Stadtverwaltung in allen klimarelevanten Fragen und prüft Beschlussvorlagen auf ihre Klimarelevanz. Der Marburger Klima-Aktionsplan 2030, der Jahresbericht, die Förderprogramme für Wohnen, E-Bikes, Gründächer etc. sowie weitere Infos zum Klimaschutz in Marburg sind zu finden unter www.marburg.de/klimaneutral.

* pm: Stadt Marburg

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