Neujahrsempfang 2020: Noch 800 Tage bis #Marburg800

„Noch 800 Tage bis #Marburg800!“ Mit dieser Ankündigung des Stadtjubiläums am 28. März 2022 beendete Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies seine Rede beim Neujahrsempfang 2020.
Eröffnet hatte den Abend im überfüllten Erwin-Piscator-Haus (EPH) der Schüler Leon Kettner mit einer Klaviersonate von Franz Liszt. Mit ihm konnte die Freie Waldorfschule Marburg auch 2019 wieder einen Sieger im Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ vorweisen. Das war nur eine gute Nachricht des Jahres“ 2019.
Zufrieden zeigte sich Spies auch mit der Arbeit der Stadtverwaltung. So seien bereits 17 Projekte des Bildungsbauprogramms (BiBaP) fertiggestellt worden. Ebenso wie die Sanierung der Weidenhäuser Brücke hätten all diese Baumaßnahmeninnerhalb des Zeit- und Kostenrahmens gelegen.
Ein generelles „Geht nicht gibt´s nicht“, erklärte Spies die Handlungsdevise der Stadtverwaltung. Ihr Ziel sei, Bedürfnisse der Bevölkerung umzusetzen. Dabei gelte das Motto: „Könnte möglich sein, wennn …“.
Der Respekt vor den Bürgerinnen und Bürgern drücke sich auch im neuen Beteiligungsbeirat aus. Hinzu kommen solle demnächst auch eine „Vorhabenliste“ der Stadt. Darin wolle die Verwaltung auflisten, welche Maßnahmen sie derzeit erwäge, um eine frühzeitige Einbindung der Bevölkerung in die Planungen zu ermöglichen.
Gut gelungen sei das beispielsweise bei den Planungen zum Neubaugebiet am Hasenkopf. Auf der Grundlage der bisherigen Debatten solle die Planung nun weiter konkretisiert werden.
Daten erhebenwolle die Stadt zu Verkehrswegen und Verkehrsbeziehungen zwischen der Innenstadt und dem Umland. Rund 30.000 Menschen pendeln laut Spies tätlich in das Oberzentrum Marburg ein. Eine „Verkehrswende“ zugunsten von mehr Klimaschutz müsse insbesondere auch die Bedürfnisse dieser Menschen berücksichtigen.
In der Innenstadt solle dem Fuß- und Radverkehr sowie dem Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) Vorrang eingeräumt werden vor dem motorisierten Individualverkehr. 2020 wollen die Stadtwerke Marburg (SWM) ihre ersten Batteriebusse bestellen. Ziel ist ein gemischter Batterie- und Oberleitungsbetrieb.
Seinen Blick auf die beginnenden 20er Jahre verknüpfte Spies mit einem Rückblick auf die legendären „Goldenen 20er“ des vorangegangenen Jahrhunderts. Mit der Weltwirtschaftskrise 1929 endeten sie in einersozialen Misere, die hingeführt habe zum Faschismus der Nazi-Diktatur, erläuterte Spies.
Das beschauliche Marburg habe die 20er Jahre nicht so rosig erlebt. Bereits am 25. März 1920 war das Studentische Freicorps Marburg nach Mechterstädt in Thüringen aufgebrochen, wo seine bewaffneten Mitglieder 15 Arbeiter ermordeten
„Dieses Marburg können wir uns heute gar nicht mehr vorstellen“, sagte Spies. Voller Genugtuung erinnerte er die Anwesenden an die hohe Beteiligung der Marburger Bevölkerung an Demonstrationen zum Klimaschutz, gegen Antisemitismus und gegen ein rechtsradikales Treffen in der Marburger Burschenschaft „Germania“ am 24. November 2019.
„Antifaschismus ist Bestandteil meines Amtseids“, verkündete Spies unter großem Beifall. Die Trennlinie verlaufe zwischen allen Demokratinnen und Demokraten sowie dem rechtspopulismus und der Menschenverachtung. In Marburg herrsche heute eine Kultur des Respekts und der Vielfalt, erklärte er zufrieden.
Leider „beglückten“ die Organisatoren die Gäste des Neujahrsempfangs auch 2020 wieder mit Musik nach dem Ende der Rede des Oberbürgermeisters. Der ohnehin hohe Geräuschpegel in der vollgepferchten Hallte wurde dadurch zusätzlich gesteigert. Die von Spies angekündigte Möglichkeit, miteinander ins Gespräch zu kommen, wurde dadurch für viele völlig ausgeschlossen.
Sicherlich wird es beim Neujahrsempfang 2021 wieder viele positive Nachrichten geben. Die beste wäre jedoch, wenn die Stadt dann mehr Rücksicht auf die Bedürfnisse älterer und behinderter Menschen nähme und ihnen mehr Sitzplätze sowie einen geräuschärmeren Gesprächshintergrundund Bewegungsmöglichkeiten auch mit Begleitpersonen im unteren Teil der Halle bereitstellen könnte. Schließlich ist ein Großteil der Ehrenamtlichen bereits im fortgeschrittenen Alter und darf diesen Ausdruck des Respekts wohl zu Recht erwarten.

* Franz-Josef Hanke

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