Länder vernetzen: Uni Marburg kooperiert mit Kilimandscharo-Region

Gemeinsam wollen Ärzte aus Afrika und Marburg Gesundheitssysteme stärken. Die Philipps-Universität intensiviert deshalb ihre Partnerschaft mit der Kilimandscharo-Region in Tansania.
Über 1,5 Millionen Menschen starben nach Zahlen der Weltgesundheitsorganisation WHO 2017 an Tuberkulose. Diese vermeidbare Infektionskrankheit tritt vor allem in strukturschwachen Regionen in Afrika, Osteuropa und Zentralasien auf.
Die medizinische Grundversorgung hat sich in den vergangenen Jahren zwar deutlich verbessert, doch immer noch stellen viele Krankheiten für die Gesundheitssysteme der Entwicklungs- und Schwellenländer eine große Herausforderung dar. Aus diesem Grund hat das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gemeinsam mit der Else-Kröner-Fresenius-Stiftung die Initiative „Klinikpartnerschaften –
Partner stärken Gesundheit“ ins Leben gerufen. Sie soll durch langfristige Partnerschaften zwischen Gesundheitseinrichtungen in Deutschland und in Entwicklungs- und Schwellenländern leistungsfähige Gesundheitssysteme aufbauen.
Gemeinsam mit drei medizinischen Institutionen der Kilimandscharo-Regionin Tansania ist der Fachbereich Medizin der Philipps-Universität nun Teil des Programms. Neben der Förderung des BMZ und der Else-Kröner-Fresenius-Stiftung wird das Vorhaben durch den Forschungsfonds des Universitätsklinikums Gießen und Marburg (UKGM) unterstützt. Am Mittwoch (9. Oktober) fand ein Festakt zum offiziellen Start der Kooperation statt.
„Gemeinsam stehen wir vor großen globalen Herausforderungen“, erklrärte Prof. Dr. Katharina Krause. „Wir alle werden von ihren Folgen betroffen sein und sollten sie daher gemeinsam angehen.“
In ihrer Begrüßung hob die Präsidentin der Philipps-Universität die Bedeutung solcher Kooperationen hervor: „Wir sind stolz auf internationale Kooperationen wie diese, denn sie sind für den Fortschritt der Wissenschaft von entscheidender Bedeutung. Einen Rahmen für die Internationalisierung zu schaffen und an die Bedürfnisse von Wissenschaft und Forschung, Lehre und Studium anzupassen, ist eine der wichtigsten strategischen Aufgaben der Universität Marburg.“
Kanzleramtsminister Prof. Dr. Helge Braun übersandte eine Grußbotschaft auf Video. Vertreterinnen und Vertreter verschiedener beteiligter Institutionen waren eigens aus Afrika angereist.
„Wir freuen uns sehr, dass wir die Partnerschaft mit dem KCMC auf eine neue Ebene bringen können“, sagte Renz. 2018 hatte er die Zusammenarbeit mit einer medizinisch-wissenschaftlichen Exkursion zum Kilimandscharo begründet. 24 gesunde Probandinnen und Probanden bestiegen damals das höchste Bergmassiv Afrikas, um die Entwicklung der Höhenkrankheit zu untersuchen.
Im Rahmen dieses Besuchs fand der erste Kontakt zum KCMC statt. Es ist das einzige Universitätskrankenhaus mit Medizinerausbildung in Nordtansania.
Als ärztlicher Leiter führte Renz die Exkursion gemeinsam mit Dr. Christian Kreisel durch. Im weiteren Verlauf der Kooperation kam es zur Unterzeichnung eines „Memorandum of Understanding“ zum Aufbau und Ausbau der Kooperation in Forschung, Lehre und Krankenversorgung zwischen KCMC, dem Faraja-District Hospital und dem Fachbereich Medizin der Philipps-Universität. „Hier lag der Fokus zunächst auf der Diagnostik und Vermittlung der epidemiologischen, patho-physiologischen Zusammenhänge und dem Start der Zusammenarbeit mit der Laboratoriumsmedizin“, erläuterte Renz.
Die neue Kooperation soll den Schwerpunkt nun auf die nicht-übertragbaren Krankheiten wie Diabetes oder Krebs legen. Zu den großen Forschungsschwerpunkten des Fachbereichs Medizin der Philipps-Universität gehören neben den Bereichen „Tumorbiologie und Onkologie“, „Infektion, Inflammation und Immunität“ sowie „Neurowissenschaften“ auch Grundlagenbereiche in „Zellbiologie“ und „Genregulation“.
„Mit der Partnerschaft wollen wir diese Expertise und unser Fachwissen zu Krankheitsbildern, Diagnoseverfahren, Behandlungsoptionen, organisatorischen Abläufen oder neuen Technologien in diesen Bereichen austauschen und ineffiziente Abläufe identifizieren“, erklärte Renz. Langfristiges Ziel ist die Verbesserung der Gesundheitsversorgung in der Kilimandscharo-Regionin Tansania.

* pm: Philipps-Universität Marburg

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