Mit Demenz dabei: Spies unterzeichnete Esslinger Aufruf

Um die Teilhabe von Menschen mit Demenz weiter zu stärken, haben Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies und Annett Adler von der „Lokalen Allianz für Menschen mit Demenz“ am Mittwoch (29. März) vor 50 Interessierten feierlich den Esslinger Aufruf unterzeichnet.
Der Esslinger Aufruf für ein besseres Leben mit Demenz wurde in der baden-württembergischen Stadt am Necker 2008 beschlossen und gilt seitdem als Vorreiter in der kommunalen Unterstützung von Menschen mit Demenz. Er wird von Kommunen in allen 16 Bundesländern unterstützt.
„Unser Ziel ist die demenzfreundliche Kommune, in der wir uns als Gesellschaft Mühe geben, die Sicht von an Demenz erkrankten Menschen zu verstehen und in der wir sie dabei unterstützen, am gesellschaftlichen Leben, soweit es geht, teilzuhaben“, erklärte Oberbürgermeister Spies das Ziel der Stadt Marburg. „Wir wollen, dass an Demenz erkrankte Menschen möglichst lange zuhause bleiben können und in der Mitte der Gesellschaft leben.“
Es sei das gute Recht jedes und jeder Einzelnen, „dass sich unsere Gemeinschaft auf ihn oder sie einlässt. Das ist Inklusion“, betonte Spies.
Adler erklärte: „Wir verfügen in Marburg bereits jetzt über ein starkes Netzwerk an kommunalen Akteuren, sozialen Initiativen und verantwortungsbewussten Unternehmen, die gemeinsam die Situation von Menschen mit Demenz verbessern wollen.“ Diese Netzwerkarbeit solle mit der Unterzeichnung des Esslinger Aufrufs noch weiter gestärkt werden.
Zur Einstimmung stellten Sybille Schwabe und Patrick Schönweitz vom Rewe-Markt einen Schulungsfilm für Mitarbeiter wie für Führungspersonal vor, der Alltagshürden für an Demenz erkrankte Menschen im Supermarkt exemplarisch erklärt und Möglichkeiten aufzeigt, diese Herausforderungen zu bewältigen. Dabei geht es um das Auffinden von Produkten im Markt genauso wie um die Konfliktsituation, dass Ware übersehen wird und nicht auf dem Laufband zur Bezahlung gelandet ist. Der Film bietet zahlreiche Handlungsoptionen, die vor allem sensibilisieren sollen.
Wie Nadine Sisamci – Vorsitzende des Gewerbevereins am Oberen Richtsberg und Inhaberin von zwei Friseursalons – betonte, kommt es insbesondere im fortgeschrittenen Stadium der Krankheit im Einzelhandel darauf an, sich im Gespräch mit an Demenz erkrankten Kundinnen und Kunden auf einfache Fragen zu beschränken und nicht zu verunsichern. Geschäftsführer Christoph Rau von Stadtwerke Marburg Consult brachte die Perspektive des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) in die Debatte ein: „Wir beginnen in dieser Woche mit einer Schulung für unsere Busfahrerinnen und Busfahrer, um auf schwierige Situationen vorbereitet zu sein.“
Stefan Roales-Welsch vom Universitätsklinikum Gießen-Marburg erläuterte Angebote des Krankenhauses speziell für Menschen mit Demenz wie die Begleitung von der Bushaltestelle ins Gebäude. Auch er warb dafür, dass die Erkrankten möglichst lange im eigenen Zuhause bleiben können.

* pm: Stadt Marburg

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