Nach einer enttäuschenden Exzellenz-Entscheidung schauen die Universitäten Gießen und Marburg gemeinsam nach vorn. Die Region wollen sie auch in Zukunft als Wissenschafts- und Innovationsstandort stärken.
Das erklärten die Universitätspräsidien am Freitag (2. Oktober). Ihr Antrag auf Anerkennung der beiden mittelhessischen Universitäten war zwar in die Endrunde gelangt, dort aber gescheitert. Nach der Entscheidung im Wettbewerb um den Titel „Exzellenzuniversität“ schauen die Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) und die Philipps-Universität Marburg trotzdem nach vorn: Auch ohne den Titel werden beide Traditionsuniversitäten daran arbeiten, exzellente Spitzenforschung und Innovationskraft in der Region weiter offensiv auszubauen. Insgesamt vier Exzellenzcluster in Gießen und Marburg hatten den nötigen Rückenwind für den gemeinsamen Antrag „H_CORE – Hessian Collaboration for Research Excellence“ in der Förderlinie Exzellenzuniversität der bundesweiten Exzellenzstrategie gegeben.
Beide Präsidien sind sich einig darin, dass die seit mindestens drei Jahrzehnten etablierte Zusammenarbeit zwischen den Universitäten in Gießen und Marburg – unter enger Einbeziehung der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) – durch den Wettbewerb ein neues Niveau erreicht hat. Die drei Hochschulen werden weiterhin die strategische Weiterentwicklung des Wissenschafts- und Wirtschaftsstandorts Mittelhessen vorantreiben. Konzentriert auf Spitzenforschungsprojekte rund um die vier Exzellenzcluster und weit darüber hinaus haben Verwaltung, zentrale Einrichtungen, Gremien und unterschiedliche Statusgruppen beider Universitäten und der THM tragfähige Netzwerke geknüpft und die Zusammenarbeit nachhaltig vertieft.
„Natürlich bedauern wir, dass wir den Titel Exzellenzuniversität und die damit verbundene Förderung nicht bekommen haben“, sagte der Marburger Universitätspräsident Prof. Dr. Thomas Nauss. „Gleichzeitig gehen wir aus dem Wettbewerb mit einem weiter gestärkten Profil hervor. Zusammen mit unserer Spitzenforschungsleistung in der Breite der Fachdisziplinen ist das unsere Basis für die zukünftige Gestaltung der Wissenschaftsregion Mittelhessen.“
JLU-Präsidentin Prof. Dr. Katharina Lorenz betonte: „Dass wir uns mit vier Exzellenzclustern für die Endrunde der Exzellenzstrategie qualifiziert haben, ist das direkte Resultat herausragender Forschungsleistung, harter Arbeit und der enormen Durchsetzungsstärke unserer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.“
Sie ergänzte: „Wir haben bewiesen, dass wir Exzellenz können – und wir sind bereit dazu, diesen Beweis auch in den kommenden Jahren immer wieder anzutreten. Unser Dank gilt allen Beteiligten in Gießen und Marburg, die mit enormer Energie und Professionalität gezeigt haben, was dieser Verbund zu leisten imstande ist.“
Prof. Dr. Matthias Willems zeigte sich „imm ersten Moment“ darüber „enttäuscht, dass der Verbundantrag in diesem kompetitiven Wettbewerb die entscheidende Hürde nicht genommen hat“. Der Präsident der Technischen Hochschule Mittelhessen lobte jedoch „die vorbildliche Zusammenarbeit der drei mittelhessischen Hochschulen“, die „wir zum Wohle der Region fortsetzen“ werden.
Der hessische Wissenschaftsminister Timon Gremmels erklärte dazu: „Leider hat es für H_CORE mit dem Exzellenz-Titel nicht geklappt. Ich möchte dennoch allen Beteiligten zu ihrer beeindruckenden Leistung in den vergangenen Monaten gratulieren. Die mittelhessischen Universitäten haben sich in dem hochkompetitiven Verfahren der Exzellenzstrategie hervorragend präsentiert. Sie sind internationale Zentren der Spitzenforschung. Ihre innovativen Zukunftskonzepte haben viel Anerkennung von den internationalen Gutachtenden erfahren. Der Verbund ist über die Jahre gewachsen und zu einem Innovationsmotor für Mittelhessen geworden. Wir als hessische Landesregierung werden diesen Weg weiterhin unterstützen.“
Die Justus-Liebig-Universität Gießen und die Philipps-Universität Marburg waren in der Förderlinie „Exzellenzcluster“ der Exzellenzstrategie mit insgesamt vier Clustern erfolgreich: „Cardio-Pulmonary Institute“ (CPI) leistet grundlegende und international führende Beiträge zu kardio-pulmonaler Forschung und Therapieentwicklung für Herz- und Lungenerkrankungen. „Microbes for Climate“ (M4C) will die Wissensgrundlage für einen zukünftig ausgeglichenen Kohlenstoffkreislauf schaffen, um der weiteren Erderwärmung entgegenzuwirken. „Post Lithium Energy Storage“ (POLiS) betreibt die Batterieforschung der Zukunft, um die Grundlagen für leistungsfähigere, zuverlässigere und umweltfreundlichere Energiespeicher zu ermöglichen. „The Adaptive Mind“ (TAM) verfolgt das Ziel, grundlegende Prozesse der menschlichen Wahrnehmung, des Denkens und Verhaltens zu verstehen, die es ermöglichen, sich an ständig verändernde Bedingungen anzupassen.
* pm: Philipps-Universität Marburg