Trauer mit neuen Ritualen gedenken möchte die Evangelische Kirche in Marburg. Zum „Ewigkeitssonntag“ bietet sie einen Brunch und ein Ritual an der Lahn an.
Verstorbener gedenken kann man vielleicht auch in anderer Form als es bisher Tradition war? Das haben sich gleich mehrere Menschen im evangelischen Kirchenkreis Marburg gedacht und zwei neue Formate für das Wochenende des Ewigkeitssonntags entwickelt: Unter dem Motto „Essen und Erinnern“ veranstaltet Vikarin Hannah Janssen einen Brunch und die Gemeinde UND Marburg lädt gemeinsam mit der Kasualagentur „Segenszeit“ zu einem Trauerritual ans Ufer der Lahn ein.
Oft sind bestimmte Gerichte mit einem Menschen verbunden. Das kann der Geruch nach Apfelkuchen sein, wie ihn die Großmutter immer gebacken hat, oder der Geschmack von Kartoffelsalat. Das Lieblingsessen des Papas ist das vielleicht auch. Da war es für Hannah Janssen naheliegend, an genau dieser Stelle anzuknüpfen:
Warum sollte man nicht ein gemeinsames Essen veranstalten für all die Menschen, die um jemanden trauern und sich an ihn erinnern wollen? „Die Idee ist, dass Menschen in diesen dunklen Novembertagen zusammenkommen und sich gemeinsam erinnern“, erklärte Janssen. Die Vikarin der Lutherischen Pfarrkirche hat sich für ihr Examensprojekt etwas überlegt, das bewusst nicht in einer Kirche stattfinden soll, sondern in einem anderen Rahmen. Hell, freundlich, schön dekoriert. „Ich will einen Raum schaffen, in dem alle miteinander verbunden sind“, so Janssen.
Das verbindende Element ist die Trauer. Und – das Essen. Das darf mitgebracht und genau wie die dazugehörigen Geschichten mit den anderen geteilt werden. Wenn man möchte. „Jeder soll sich so viel einbringen, wie er kann und mag.“ Und es sei völlig egal, wie lange es her ist, dass jemand gestorben ist, sagt Hannah Janssen. Alle, die trauern, sind am Samstag vor dem Ewigkeitssonntag willkommen. Um die Erinnerung und das Essen ganz bewusst zu zelebrieren.
Stattfinden wird das ganze in einem Raum, den die Gemeinde UND Marburg gerade neu für sich gestaltet: Ein ehemaliges Büro am Steinweg soll zum Treffpunkt und zum Ort für Veranstaltungen werden,erläuterte Prädikant Christian Graß. „Essen und Erinnern“ wird eines der ersten Events sein, mit denen die Gemeinde Erfahrungen sammeln möchte. Wer möchte, kann vor Ort auch eine Kerze für Zuhause oder für den Friedhof gestalten und es wird eine „Segensstation“ geben, bei dem man sich einen persönlichen Segen abholen kann.
Die Gemeinde bietet dann in Kooperation mit der Kasualagentur „Segenszeit“ (die zum Beispiel auch die Pop-Up-Trauung in Marburg organisiert hat) am Sonntag Nachmittag eine weitere Veranstaltung an: Das ist ein Ritual am Ufer der Lahn mit dem Titel „Lahnseits“. Musik und Texte umrahmen ein Gedenken, das auch Menschen ansprechen soll, die vielleicht nicht kirchlich geprägt sind.
Jeder, der möchte, kann den Namen eines Verstorbenen auf ein Herbstblatt schreiben und der Lahn übergeben. „Das Wasser kann dabei sowohl als ein Bild des Lebens gesehen werden, als stetiger Fluss, der auch neue Träume und Chancen bringt, als auch symbolisch mit dem Jenseits verbunden.“, sagte Graß. Wenn es um Trauer geht, sei es eine Stärke der Kirche, mit Ritualen bei der Verarbeitung zu helfen.
Diese Stärke wollen sie neu entdecken. Der Brunch „Essen und Erinnern“ beginnt am Samstag (22. November) um 11 Uhr im Steinweg 26. Alle sind herzlich eingeladen, vorbeizukommen und etwas zu essen mitzubringen. Das Gedenken „Lahnseits“ von UND Marburg an der Lahn findet am Sonntag (23. November) von 17 bis 18 Uhr am Mensasteg (Erlenring) statt.
* pm: Evangelischer Kirchenkreis Marburg
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