Hemmungsloser Hass: Theaterstück mit Ernst und Witz gegen Rassismus

Im Gang pöbeln sich zwei Männer lautstark an. „Oh, ich glaub‘ es geht los“, raunt ein Zuschauer. „Was man? Isch gib dir gleich es geht los!“

Mit dieser Anfangsszene hatte das Schauspielertrio der „Landungsbrücken Frankfurt“ das Interesse des Publikums bereits geweckt. Das Stück „HASS – bis hierher lief’s noch ganz gut“ wurde am Mittwoch (14. März) im hessischen Landestheater Marburg im Rahmen des 23. KUSS-Festivals aufgeführt. Als Basis diente der französische Film „La Haine“ von Mathieu Kassovitz.
Schnell war klar, dass es sich um anspruchsvolles Theater handelt. Videos, die durchgehend im Hintergrund auf einer Leinwand eingeblendet wurden, erzeugten eine ernste Atmosphäre. Rassistische Übergriffe, Polizeigewalt und Straßenschlachten waren dort zu sehen.
Damit sind bereits wesentliche Themen des Stücks genannt. Die Handlung ist nicht leicht nachzuerzählen, aber die Botschaft war deutlich zu erkennen. Rassismus, Diskriminierung, Sexismus und Antisemitismus wurden auf sehr originelle Weise thematisiert.
In einer Szene wurde ein Casting für ein Theaterstück nachgestellt. Der Bewerber beantwortete die Frage nach seiner Herkunft damit, dass er aus Offenbach komme. „Aber woher kommst du eigentlich?“, hakten die Regisseure ungläubig nach.
Als der Bewerber antwortete, dass seine Eltern aus dem Iran stammen, sagten sie „Na also, wieso sagst du das nicht gleich?“. Den alltäglichen Rassismus brachte diese Szene herrlich auf den Punkt. Einerseits war die Szene grotesk, andererseits wurde deutlich, dass es sich um ein ernstes Thema handelt.
Über das gesamte Stück hinweg wechselten die Schauspieler häufig die Rollen. So kam es, dass die zuvor genannte Szene dreimal gespielt wurde. Dabei wurden die Bewerber jeweils mit verschiedenen Stereotypen konfrontiert.
Eine gute Mischung aus Ernsthaftigkeit und Humor sorgte für ausgelassene Stimmung im Saal. Lacher und betretenes Schweigen wechselten einander ab.
Bemerkenswert war, wie gut die Schauspieler es schafften, innerhalb eines Wimpernschlags in eine komplett andere Rolle und Szene zu schlüpfen. Allen Schauspielern gelang es, die verschiedenen Rollen sehr gut zu verkörpern.
„Manchmal krieg ich Lust was anzuzünden, obwohl ich gar kein‘ Bock hab was anzuzünden!“, rief Hadi Khanjanpour, als er gerade ein Mitglied einer Straßenclique darstellte. Später philosophierten die Drei über die Frage „Ey wisst ihr wer der krasseste ist?“. Die Antwort war: „Alta Goofy ist der krasseste! Goofy ist ein Hund und hat Pluto als Hund!“
Derartig humorvolle Passagen wechselten sich ab mit todernsten Szenen. Beispielhaft war eine sehr authentisch wirkende Schikanierung durch einen gewalttätigen Polizisten.
Der Polizist erklärt dem Publikum, man dürfe es mit der Gewalt natürlich nicht übertreiben. Danach tritt er nochmal heftig auf seine Opfer ein.
Khanjanpour, Amin Biemnet Haile, und Jochen Döring lieferten schauspielerische Glanzleistungen ab. Alle drei agierten auf sehr hohem Niveau.Es gelang ihnen je nach Szene die passende Stimmung zu vermitteln, sei es durch Witze, Ernst oder lässige Tanzeinlagen.
Die Drei entpuppten sich als wahre Allrounder.
Am Ende der Vorstellung spendete das Publikum lautstarken Beifall. Zufrieden lächelnd standen die Akteure trotz sehr drastischen Szenen in der Schlussphase auf der Bühne und verabschiedeten sich.

* Jan Wandel

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