Gewaltprävention gelehrt: Geflüchtete Frauen schulen geflüchtete Frauen

Des bundesweiten Projekte „MiMi – Gewaltprävention mit Migranten für Migranten“ informieren mit eigens geschulten Mediatorinnen geflüchtete Frauen und Mädchen über Formen von Gewalt und wie man sich davor schützen kann. 20 Absolventinnen aus dem Landkreis haben jetzt zum Abschluss ihrer Ausbildung ihre Zertifikate erhalten.

Die Informationsveranstaltungen können sofort gebucht werden. Ziel des Projekts ist, Frauen und Mädchen kultur-, sprach- und geschlechtersensibel über Formen der Gewalt, die Rechte von Frauen in Deutschland und Schutzmöglichkeiten zu informieren. Damit sollen sie einen Beitrag zur Eindämmung der Gewalt gegen Frauen leisten.
Dabei setzt man auf Frauen, die selbst. Im Landkreis Marburg-Biedenkopf haben sich 20 Frauen gemeldet.
„Ich freue mich, dass Sie sich dieser verantwortungsvollen Aufgabe annehmen und wünsche uns, dass Sie möglichst viele Frauen erreichen“, betonte der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow anlässlich der Übergabe der Zertifikate. Mit dem offiziellen Ende der Schulung stellt sich der Landkreis als einer von derzeit insgesamt neun Projektstandorten in eine Reihe unter anderem mit Berlin, Hamburg, München und Stuttgart.
In 50 Stunden wurden den Teilnehmerinnen theoretische Kenntnisse zum Thema sexuelle Gewalt vermittelt. Dabei wurden mögliche Risiken für Frauen und Kinder sowie Strategien der Täter ebenso besprochen wie die Folgen von Gewaltausübung, die rechtlichen Regelungen in Deutschland, welche Wege es aus der Gewalt gibt und an welcher Stelle weitere Unterstützung angeboten wird. In einem Praxisteil standen zudem die Planung, Durchführung und Evaluation eigener Informationsveranstaltungen im Vordergrund.
„Ich habe in dieser Gruppe viel Engagement, Vertrauen und Offenheit erlebt“, sagte die Projekleiterin Joanna Delong. „Vieles von dem, was dieses Projekt beabsichtigt, habt ihr schon jetzt umgesetzt. Für Euch, aber auch für andere.“
In den jeweils ersten Informationsveranstaltungen, die den praktischen Abschluss der Schulung bildeten, seien bereits 122 Frauen mit den Inhalten des Projekts erreicht worden. Sichtlich stolz nahmen die 20 Frauen am Ende der Veranstaltung ihre Zertifikate entgegen.
Gewalt gegen Frauen sei ein grundsätzliches Thema, das Beachtung und Lösungen erfordere. Das MiMi-Projekt gehöre dazu.
„Als ein spezielles Angebot hinsichtlich einer speziellen Zielgruppe “, sagte Claus Schäfer vom Büro für Integration des Landkreises. Dem schloss sich die Frauenbeauftragte Claudia Schäfer an.
„Gewalt gegen Frauen sei bei den Betroffenen oft mit Gefühlen der Angst und der Scham besetzt“, erläuterte Schäfer. Das schaffe beim Organisieren von Unterstützung Hürden, die im Falle von betroffenen geflüchteten Frauen und Mädchen nicht nur wegen mangelnder Sprachkenntnisse, sondern wegen Gewalterfahrungen während der Flucht ungleich höher seien.
Institutionen wie Flüchtlingsinitiativen, Bildungseinrichtungen, Kulturvereine sowie andere Träger oder Gruppen können ihr Interesse an den gebührenfreien Informationsveranstaltungen ab sofort in der jeweiligen Sprache für je 15 bis 25 Frauen beim Büro für Integration unter der E-Mailadresse HesslerC@marburg-biedenkopf.de anmelden. Angeboten werden derzeit Albanisch, Arabisch, Deutsch, Englisch, Französisch, Kurdisch, Paschtu, Farsi, Dari, Russisch, Serbokroatisch und Türkisch.
Das bundesweite Projekt geht aus vom Ethno-Medizinischen Zentrum Hannover und der Dualen Hochschule Baden-Württemberg aus. Im Landkreis Marburg-Biedenkopf organisiert wird das Projekt vom Büro für Integration des Landkreises in Zusammenarbeit mit Joanna Delong als Standortkoordinatorin.

*pm: Landkreis Marburg-Biedenkopf

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