Mancherlei zu Martin Luther: Das Reformationsjahr geht zu Ende

Mit dem Reformationstag am Dienstag (31. Oktober) geht das „Reformationsjahr“ zu Ende. In der Elisabethkirche fand deshalb am Sonntag (29. Oktober) ein landesweiter Gottesdienst statt.
Gemeinsam feierten die Evangelische Kirche von Hessen und Nassau (EKHN) und die Evangelische Kirche Kurhessen-Waldeck (EKKW) dort die Reformation. Kirchenpräsident Dr. Volker Jung von der EKHN und Landesbischof Dr. Martin Hein von der EKKW zelebrierten den Gottesdienst in der frühgotischen Marburger Kirche vor geladenen Gästen aus ganz Hessen. Bereits seit 1525 ist die Elisabethkirche evangelisch.
Angefangen hatte das Reformationsjahr am 31. Oktober 2016. Zu Ende ist es am 31. Oktober 2017. In ganz Deutschland ist diser Tag im Jahr 2017 ein Feiertag.
Martin Luther hatte die Reformation am 31. Oktober 1517 eingeläutet. Der Überlieferung nach hat er 95 Thesen zum beklagenswürdigen Zustand der Amtskirche an die Tür der Schlosskirche von Wittenberg angeschlagen.
Mit seinen 95 Forderungen wollte Luther die Kirche erneuern. Das Ergebnis war aber ein böser Streit. Seit 500 Jahren gibt es deshalb „evangelische“ und „katholische“ Christen.
Zum Jahrestag der „Reformation“ gab es auf der ganzen Welt besondere Veranstaltungen. Auch in Marburg war im Reformationsjahr viel los. Im Zentrum stand dabei meist die Person des Reformators Luther, die häufig jedoch auch mit kritischen Fragen bedacht wurde.
Ende März wurden überall in der Stadt Fahnen aufgehängt. Künstler aus Marburg hatten sie extra zum Reformationsjahr hergestellt.
Mitte Juni konnte man eine Zeitreise in die Reformationsjahre unternehmen: Auf dem Lutherischen Kirchhof gab es Musik, Bier und Bratwurst wie vor 500 Jahren. An einer „Duftstation“ führten Studenten auch die typischen Gerüche aus dieser Zeit vor.
Das Hessische Landestheater Marburg brachte am Freitag (2. Juni) zum Reformationsjahr ein eigenes Theaterstück auf die Freilichtbühne vor dem Rathaus. Das Stück „Wir sind Luther“ beleuchtete den Reformator in seinen vielen Facetten durchaus auch kritisch. Es bildete im Sommer auf dem Marktplatz den gelungenen Abschluss der Spielzeit 2016/2017.
Auch in der Waggonhalle gab es ein Theaterstück über Luther. Es hieß „Martin Luther und Thomas Müntzer oder die Einführung der Buchhaltung“. Der Autor Dieter Forte setzte sich darin bereits Anfang der 70er Jahre sehr kritisch mit Luthers Hetze gegen die aufständischen Bauern und der frühkapitalistischen Verbindung zwischen dem Augsburger Kaufmann Jakob Fugger und dem Papst auseinander.
Im Rathaus las Feridun Zaimoglu am Dienstag (20. Juni) aus seinem Roman „Evangelio“. Das Buch handel von Luther auf der Wartburg in Eisenach. Dort hat er die Bibel ins Deutsche überssetzt.
An der Philipps-Universität gab es im September eine Tagung zu „Luther und Bildung“. Die nach dem damaligen hessischen Landgrafen benannte Universität war 1527 die erste protestantische Uni der Welt.
1529 fand auf dem Landgrafenschloss das „Marburger Religionsgespräch“ zwischen den Reformatoren Martin Luther und Ulrich Zwingli statt. Landgraf Philipp der Großmütige konnte jedoch keine Einigung zwischen ihnen erwirken. Zum Andenken an Zwinglis Aufenthalt in Marburg weihte die damalige Stadträtin Dr. Kerstin Weinbach am Mittwoch (15. Juni) gleich neben der Lutherischen Pfarrkirche die „Zwingli-Treppe“ ein.
In der Brüder-Grimm-Stube war die Ausstellung „Kreuzfeuer- Luther und die Hexen“ zu sehen. Diese kritische Auseinandersetzung mit Luthers Frauenbild geht am Dienstag (31. Oktober) um 19 Uhr mit einer Abschlussveranstaltung zu Ende. Damit verabschiedet sich Marburg dann auch vom Reformationsjahr.

* Franz-Josef Hanke

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