Wünsche für 2023: Rücksicht und Respekt statt Raub und Raketen

Die Silvesternacht in Marburg war laut und lästig. 2022 verabschiedete sich mit Krach und Knallerei.
Wer trotz Krieg und Katastrophen, Armut und Hunger sowie den Folgen für die Feinstaubbelastung immer noch auf lärmendes Feuerwerk zum Jahreswechsel besteht, der hat wirklich einen Knall. Der erste Wunsch für das Neue Jahr ist deswegen, dass diese Jahreswende die letzte mit Böllern und Raketen in Besoffenenhand gewesen sein sollte. Der Verkauf von Feuerwerkskörpern sollte ganzjährig nur an professionelle Feuerwerker erlaubt sein.
Ein wesentlich wichtigerer Wunsch indes ist der nach einem Ende des verbrecherischen Kriegs in der Ukraine und möglichst aller anderen Kriege weltweit. Leider ist dieser fromme Wunsch wahrscheinlich sehr unrealistisch, aber die Menschheit sollte verstärkt danach streben, ihn umzusetzen. Der angestrebte Frieden darf dabei jedoch keine strukturelle Gewalt perpetuieren, denn das wäre kein wirklicher Frieden.
Ebenso wichtig ist die Forderung nach mehr Einsatz für Klimaschutz und Artenvielfalt. Alle Bürgerinnen und Bürger müssen da Druck machen, damit die Politik sich nicht immer wieder den Lobbyintressen umweltfeindlicher Industrien und menschenverachtender Profiteure übrkommener Geschäftemacherei beugt. Wer die Partikularinteressen von Porsche in Koalitionsverträgen festschreibt, der ist in Zeiten des Klimawandels nicht regierungsfähig.
Schließlich ist das Ende der derzeitigen Corona-Pandemie der Welt ebenso zu wünschen wie ein gerechteres Gesundheitssystem weltweit. Gesundheit ist keine Ware und ihr Schutz auch in ärmeren Ländern nicht verhandelbar. Alles Andere wäre eine Weiterführung der Wirkungen des unmenschlichen Kolonialismus, der geraubten Reichtum nach Europa und Nordamerika abtransportiert und dort zur Grundlage weiteren Wohlstands ausgebaut hat.
Der wesentlich weitergehende Wunsch, der sich aus den vorherigen beinahe zwangsläufig ergibt, ist eine Stärkung des internationalen Strafrrechts. Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit sowie gegen Natur und Umwelt müssen weltweit geahndet werden. auch Korruption in Politik und Wirtschaft sollte viel strenger bestraft werden.
Würde all das auch nur in Ansätzen verwirklicht, bräuchte es zum nächsten Jahreswechsel keine Böller und Raketen. Die Fortschritte im Klimaschutz und bei der Verwirklichung wahrer Demokratie wären ein solcher Kracher, dass die Menschen sich auf der Ketzerbach oder auf dem Marktplatz erfreut in den Armen lägen, während die Glocken der elisabethkirche und der Lutherischen Pfarrkirche läuten. Wer Massen von alkohol, Böller und Chemie mit Schwermetallen darin braucht, um in das Neue Jahr zu „rutschen“, der muss wirklich aufpassen, dass er bei so viel Rücksichtslosigkeit nicht im Laufe dieses neuen Jahrs böse ausrutscht!

* Franz-Josef Hanke

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