Spaß beim Stechen: Dreifach geimpft statt auf Corona geschimpft

Die Menschen stehen Schlange vor der Arztpraxis. Ein Dutzend Leute wartet draußen in der Sonne.
Es ist 13.37 Uhr. Ab 13.30 Uhr wird drinnen geimpft.
Auch ich habe einen Impftermin. Geduldig stelle ich mich mit meiner Begleiterin hinten an.
„Menschen über 70 und Behinderte können vor“, sagt der Mann direkt vor uns in der Reihe. Als Mehrfachbehinderter gehe ich nun also an den Wartenden vorbei bis vor die geschlossene Tür. Dort waren wir mindestens zehn Minuten, ohne dass sich etwas rührt.
Allmählich wird mir das lange Stehen schwer. Erleichtert atme ich deshalb auf, als sich die Tür nach einer Viertelstunde öffnet.
Die Arzthelferin lässt fünf Personen ein. Mich fordert sie auf, draußen zu warten. „Ich kann nicht mehr stehen“, erwidere ich.
„Hier draußen ist eine Bank“, erklärt eine wartende Frau. Doch kaum, hat sie das gesagt, da geht die Tür wieder auf. Die Arzthelferin weist uns die Tür zum Laborraum.
Meine Begleiterin geleitet mich zu einem Stuhl. Der Raum ist beengt und voller Materialien.
Während ich noch unsicher darüber nachdenke, warum wir nicht mit den anderen Menschen ins Wartezimmer geschickt wurden, kommt die Arzthelferin wieder. Sie reicht uns die Einwilligungserklärung für die Impfung und fragt nach dem letzten Impftermin im Impfzentrum auf dem Messeplatz im Afföller. Allmählich dämmert mir der Grund für die Sonderbehandlung.
In der Woche zuvor hatte ich meinen Hausarzt aufgesucht und auch nach einer Tetanusimpfung gefragt. „Boostern ist jetzt wichtiger“, hatte er geantwortet und mir den Impftermin angeboten. Ohne zu zögern, hatte ich zugestimmt.
Allmählich dämmert mir, dass das Warten im Labor meinem Schutz vor einer möglichen Ansteckung durch andere Impfwillige dient. Aufgrund meiner Vorerkrankungen behandelt mein Arzt mich als Risikoperson. Er isoliert mich weitgehend von möglichen Infektionsträgerinnen oder -trägern.
Nach etwa einer Dreiviertelstunde kommt der Arzt dann ins Labor. Meinen Ärmel habe ich bereits hochgekrempelt. „Der Mann denkt mit“, sagt er erfreut zu mir.
Den kleinen Pieks spüre ich kaum. Ebenso wie bei den beiden Impfungen im Impfzentrum auf dem Messeplatz merke ich wenig Wirkung vom Impfstoff.
Im Gegensatz zu den Impfungen dort vor sieben und sechs Monaten kommt der Impfstoff diesmal nicht von BioNTech, sondern von Moderna. Diese MRNA-Kreuzimpfung verleiht mir den besten Schutz, der gegen das Coronavirus derzeit möglich ist.
Eigentlich hatte ich Vorbehalte gegen Moderna gehabt, weil die Firma der Bundesregierung eine Weitergabe ungenutzter Impfdosen an andere Länder untersagt hatte. Mein Arzt wandte ein, dass er auch das Geschäftsgebaren von BioNTech angesichts der Forderung nach einer Senkung der Gewerbesteuer in Marburg nicht unkritisch sieht: „Wenn man damit anfängt“, sagte er, ohne den Satz zu Ende zu führen.
Nach 20 Minuten Ausruhen im Laborraum verlassen meine Begleiterin und ich die Arztpraxis wieder. Wir gehen in ein Restaurant und gönnen uns ein gutes Mittagessen.
Befremden erregt bei meiner Begleiterin allerdings die Bedienung, die uns ohne Maske entgegentritt. Bei „2G“ benötige sie die nicht, behauptet sie. Wir bezweifeln das.
Mit der sogenannten „Booster“- oder Auffrischimpfung erhöht sich der Impfschutz gegenüber der Zweitimpfung bei den in Deutschland zugelassenen MRNA-Impfstoffen auf das zehn- bis 20-Fache er Zweitimpfung. „Boostern“ gewährt auch einen Schutz vor einem schweren Verlauf bei einer Ansteckung mit der Omikron-Variante des Coronavirus. Insofern ist „Boostern“ angesagt, solange es noch keinen spezifischen Impfstoff gegen Omikron gibt, woran BioNTech aber bereits arbeitet.
Die nächsten Tage erlebe ich ohne weitere Beschwerden außer einem leichten Ziehen im Arm, wenn ich ihn hebe. Ich fühle mich sehr stark, als könnte ich Bäume ausreißen. Jedenfalls habe ich für meinen Teil alles getan, um mich und andere vor einer Ansteckung mit dem gefährlichen Coronavirus zu schützen.

* Franz-Josef Hanke

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