Leuchtendes Vorbild: Uni-Erfindung geht in industrielle Produktion

„Green Chemistry“ aus Marburg macht regenerative Energiegewinnung und -nutzung nachhaltiger. Am Freitag (23. Juni) weihte das Unternehmen UMICORE in Hanau eine neuartige Produktionsanlage ein. Darin kommt ein an der Philipps-Universität entwickeltes Verfahren zum Einsatz.
Damit lässt sich ein Vorprodukt zur Herstellung von LED-Leuchten und hocheffizienten Solarzellen energieeffizienter und abfallsparender produzieren als bisher. Das hessische Forschungsförderprogramm „LOEWE“ hat die Forschungsarbeit der Marburger Chemiker mit 300.000 Euro unterstützt.
„Dass es ein Patent der Philipps-Universität bis in die technische Umsetzung im Industriemaßstab schafft, belegt, dass unsere Grundlagenforschung immer wieder auch Beiträge für die Bewältigung von aktuellen technischen oder gesellschaftlichen Fragestellungen liefert“, erklärte der Universitätskanzler Dr. Friedhelm Nonne. „Die erheblichen Investitionen der Universität und des Landes Hessen in die Marburger Chemie trägt hier Früchte, die uns allen zugutekommen.“
Leistungsfähige Solarzellen, LED-Leuchten und andere optoelektronische Bauelemente dienen der effizienten Erzeugung und Nutzung regenerativer Energien. „Für ihre Herstellung verwendet man häufig III-V-Halbleiter, die zum Beispiel aus Gallium und einem Element der 5. Hauptgruppe des Periodensystems bestehen, etwa Stickstoff, Phosphor oder Arsen“, erläuterte der Chemiker Prof. Dr. Jörg Sundermeyer von der Philipps-Universität. Er leitete das Marburger Forschungsteam.
Die Produktion solcher Halbleitermaterialien beruht auf der Galliumquelle Trimethylgallium (TMG). Dieses Schlüsselmolekül für die Entwicklung erneuerbarer Energien soll in der Hanauer Anlage künftig über ein neues Verfahren produziert werden.
„Beim besseren Verständnis der zugrunde liegenden Chemie, sowie weiterer wertschöpfender Verbesserungen, die in einer künftigen Anlagenmodifikation umgesetzt werden sollen, haben die Forscher der Universität Marburg wesentliche Beiträge geleistet“, schrieb die Pressestelle von UMICORE. Auch die Marburger Firma „NAsP III-V“ beteiligte sich an dem Entwicklungsprojekt. Dabei handelt es sich um eine Ausgründung der Philipps-Universität.
„Das Verfahren liefert eine höhere Ausbeute als bislang üblich“, erklärte Sundermeyer. Die neue Technologie koste weniger Prozessenergie und arbeite zudem mit wesentlich preisgünstigeren Startmaterialien, um zu dem wertvollen metallorganischen Zielprodukt TMG zu gelangen.
„Hierfür wird kein umweltbelastendes organisches Lösungsmittel benötigt“, erklärte Sundermeyer. „Dadurch wird das an Luft selbstentzündliche TMG auch sicherer als bisher produziert.“
Welch hohen Stellenwert die neue chemische Prozesstechnologie für die Herstellung stromsparender Lichtquellen sowie leistungsfähiger Solarzellen besitzt, belegt unter anderem die Anwesenheit von Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks bei der Einweihung der Anlage. Die Philipps-Universität und die Firma UMICORE reichten drei gemeinsame Patentanmeldungen zur Produktion von Trimethylgallium und Trimethylindium ein, berichtete Sundermeyer.
„Dies ist das erste von zirka 50 Patenten meiner Mitarbeiter und mir, das in die industrielle Verwertung geht.“ Der Chemiker lehrt Anorganische Chemie an der Philipps-Universität. „Ich bin mir nicht sicher, ob ich dies in meiner Forscherkarriere ein zweites Mal erleben darf!“, erklärte er.

* pm: Philipps-Universität Marburg

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*