Kreis und Krise: Ab Dienstag hilft die Bundeswehr

32 Corona-Neuinfektionen hat das Gesundheitsamt Marburg am Montag (2. November) registriert. Die Inzidenz gibt es jetzt mit 258,1 an.
Eigenen Angaben zufolge betreut das esundheitsamt 829 aktive Fälle von Covid 19. Damit ist die Zahl der Corona-Infektionen im Landkreis Marburg-Biedenkopf auf 1.911 gestiegen. Angesichts der hohen Zahlen kündigte der Kreis den Einsatz der Bundeswehr ab Dienstag (3. November) an.
Am Montagabend wurden weiterhin 30 Betroffene stationär im Krankenhaus behandelt. Davon benötigen neun Personen eine intensivmedizinische Betreuung.
Die Zahl der Genesenen ist um 69 auf 1.073 Fälle gestiegen. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion beträgt weiterhin neun. Die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb der letzten sieben Tage im Landkreis Marburg-Biedenkopf liegt nach Berechnungen des Landkreises bei 258,1 und damit um 8,1 höher als am Sonntag (1. November).
Nachdem der Landkreis bereits in den vergangenen Wochen nach und nach Personal aus allen Teil der Kreisverwaltung zur Unterstützung des Gesundheitsamts herangezogen hatte, erfolgte in der letzten Oktoberwoche auch die Anforderung von Unterstützungspersonal der Bundeswehr. Derzeit laufen die organisatorischen und logistischen Vorbereitungen für den Einsatz der Streitkräfte.
29 Soldatinnen und Soldaten werden am Dienstag (3. November) ihre Arbeit aufnehmen. Nach derzeitigem Planungsstand werden sie in der Nachverfolgung von Kontaktpersonen und in der Dokumentation eingesetzt sowie auch die Mitarbeitenden des Gesundheitsamts bei Corona-Tests unterstützen.
Parallel bereitet die Kreisverwaltung auch die Anforderung weiteren Personals aus der Marburger Stadtverwaltung vor, das Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies angeboten hat. Für dieses Angebot dankt der Kreis ausdrücklich. „Das ist ein deutliches Signal für den Zusammenhalt in der kommunalen Familie“, betonten Landrätin Kirsten Fründt und der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow.
Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklung und dem Inkrafttreten der landesweiten Corona-Regeln veröffentlicht der Landkreis Marburg-Biedenkopf ab sofort neben der Zahl der aktiven Fälle auch deren Verteilung auf die Städte und Gemeinden. Bei Betrachtung dieser Zahlen wird deutlich, dass die Infektionen sehr diffus über den gesamten Landkreis verteilt sind. In Kommunen mit vergleichsweise höherer Zahl an Einwohnerinnen und Einwohnern gibt es naturgemäß auch eine erhöhte Zahl positiv getesteter Personen.
„Mit diesem Schritt wollen wir einmal mehr den Ernst der Lage verdeutlichen“, sind sich Fründt und Zachow einig. Vor dem Hintergrund der Zahlen müsse jetzt jedem klar sein, dass man dem Virus im Kreisgebiet nicht ausweichen könne.
Gleichzeitig warnt der Kreis vor einer vermeintlichen Sicherheit in Kommunen mit niedrigeren Fallzahlen: „Es gibt keine sicheren Orte. Wir appellieren einmal mehr an die Vernunft der Bürgerinnen und Bürger: Halten Sie sich an die ab heute geltenden Regeln und beachten Sie nach wie vor die Hygiene-, Abstands- und Maskenregeln“, betonten Fründt und Zachow.
„Marian Zachow hat mich in meiner Abwesenheit stets auf dem Laufenden gehalten und verantwortungsvolle und kluge Entscheidungen getroffen“, sagte Landrätin Fründt, die am Montag (2. November) aus dem Krankenstand zurückgekehrt ist. „Für diesen außerordentlichen Einsatz in einer schweren Zeit bin ich ihm sehr dankbar. Wir werden auch weiterhin als Team und zusammen mit dem Corona-Koordinierungsstab gemeinsam die Entscheidungen treffen.“
Die Entscheidung, die Fallzahlen in den Kommunen zunächst nicht zu veröffentlichen, sei bereits zu Beginn der Pandemie und aus guten Gründen getroffen worden. „Wir stehen nach wie vor zu dieser Entscheidung“, erklärte Fründt. „Zu einem professionellen Krisenmanagement gehört aber auch, dass getroffene Entscheidungen regelmäßig überprüft und bei Bedarf auch angepasst werden. Dies gilt erst recht in einer sehr dynamischen Pandemie.“
Mit Hochdruck versucht das Gesundheitsamt außerdem, die Ursache für die Differenz bei den Inzidenz-Werten zu ergründen. Die Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) entsprechen nicht den unmittelbar hier vor Ort erhobenen Zahlen. Eine Fehlerquelle könnte im Meldeweg vom Gesundheitsamt über das Hessische Landesprüfungs- und Untersuchungsamt im Gesundheitswesen (HLPUG) zum RKI liegen.
„Diesen Meldeweg überprüfen wir jetzt“, kündigte Dr. Birgit Wollenberg an. „Sollte sich dort eine Fehlerquelle finden, werden wir nachjustieren“, versprach die Leiterin des Gesundheitsamts.
Der Anstieg der Fallzahlen in Marburg-Biedenkopf lasse sich nicht an bestimmten Parametern festmachen. Das Infektionsgeschehen sei weiterhin sehr vielfältig und in der Fläche verteilt. „Die aktuelle Entwicklung entspricht dem klassischen Verlauf einer Pandemie“, erklärte die Amtsärztin.
Die 829 aktiven Fälle verteilen sich auf die Gemeinden im Kreis nicht ganz entsprechend ihrer Größe. Amöneburg verzeichnet 15, Angelburg 6, Bad Enbdach 12, Biedenkopf 35, Breidenbach 31 und Cölbe 32 aktive Infektionen mit dem Coronavirus „SARS-CoV-2“. Dautphetal meldet 31, Ebsdorfergrund 17, Fronhausen: 7, Gladenbach 17 und Kirchhain 91 sowie Lahntal 19 Infizierte und Lohra eine infizierte Person.
Mit 190 aktiven Corona-Fällen ist Marburg: als größte Stadt im Kreis zugleich auchdie Kommune mit der höchsten Zahl. In Münchhausen wurden 14 aktive Fälle von Covid 19 registriert, in Neustadt 57, in Rauschenberg 7, in Stadtallendorf: 174, in Steffenberg 4, in Weimar 11, in Wetter 15 und in Wohratal 21. Unklar sind 22 Fälle, die bislang noch nicht zugeordnet wurden.

* pm: Landkreis Marburg-Biedenkopf