Unsicher: Bald mehr Bewegungsfreiheit für Fahrräder

Neue Radschutzstreifen und Fahrradstraßen kommen bald ebenso wie eine Testphase für Grünpfeile für Fahrräder an zwei Ampeln. Das hat die Stadt jetzt angekündigt.
Weil durch die Corona-Krise aktuell deutlich weniger Autos fahren, dafür mehr Rad und Fuß genutzt werden, setzt die Stadt Marburg in den nächsten Wochen weitere große Projekte aus dem Radverkehrsentwicklungsplan um. Für Radfahrende ist das „die gute Nachricht der Woche“.
„Derzeit ist der Autoverkehr in Marburg deutlich reduziert“, stellte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies fest. „Das wollen wir nutzen und Alternativen fördern. Deswegen setzen wir nun zeitnah einige Maßnahmen um, um den Rad- und Fußverkehr weiter zu stärken.“
Die Markierung von Radschutzstreifen etwa ist für einige Straßen schon länger in Planung und wird jetzt mit Farbe dauerhaft auf die Straße gebracht. Andere Veränderungen werden jetzt mit weniger Verkehr erst einmal getestet wie die Einführung von Grünpfeilen für den Radverkehr an Ampeln.“ Die Straßenverkehrsbehörde und der Verkehrsdezernent nutzen für die Reihe an Verkehrsprojekten, die sie nun während der Corona-Krise umsetzen, insbesondere die Möglichkeiten, die die novellierte Straßenverkehrsordnung neuerdings gibt und setzen zudem wichtige Projekte aus der Radverkehrsentwicklungsplanung weiter um.
Mehrere Projekte sollen in den Wochen zu Beginn des Sommers umgesetzt werden. Die Universitätsstraße erhält im Bereich der „Marburg Mall 2M“ (zwischen der Gutenbergstraße und dem Garten des Gedenkens) eine neue Fahrbahnmarkierung. Wenn das Wetter mitspielt, beginnen die Arbeiten bereits am Mittwoch (24. Juni). Wie der aktuelle Radverkehrsentwicklungsplan vorsieht entstehen dabei auch zusätzliche Radverkehrsanlagen für den bergauffahrenden Radverkehr.
Die Gutenbergstraße ist eine Einbahnstraße. Sie wird künftig in der Gegenrichtung für den Radverkehr freigegeben. Die Umsetzung ist möglich, wenn die Ampelanlage an der Kreuzung zur Universitätsstraße teilweise mit Fahrradampeln und SiBike ausgestattet wird. Geplant ist das noch für das Jahr 2020.
Ab Montag (29. Juni) soll die Neue Kasseler Straße eine neue Aufteilung des Straßenraums bekommen: Die Mittelmarkierungen werden zwischen der Zimmermannstraße und der Schlosserstraße weitestgehend entfernt, stattdessen entstehen auf beiden Seiten der Straße Radschutzstreifen.
grünpfeile für Radfahrende werden Testweise an den Ampeln Am Grün und in der Leopold-Lucas-Straße installiert. Die Straßenverkehrsbehörde der Stadt sieht Grünpfeile grundsätzlich kritisch insbesondere wegen Problemen, die sie für Sehbehinderte verursachen können. Die neuen Grünpfeile nur für den Radverkehr sollen daher in eine Testphase gehen, damit die Stadt Marburg und die Verkehrsteilnehmer Erfahrungen damit sammeln können.
Im Anschluss an die Testphase werden die Erfahrungen gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der Sehbehinderten und der AG Radverkehr erörtert. Mit ihnen möchte die Stadt ein sicheres Konzept für die besonderen Marburger Fußgängerverhältnisse erstellen.
Am Wilhelmsplatz wird versuchsweise zudem ein genereller Grünpfeil angebracht, der auch für den motorisierten Verkehr gilt. Die Uferstraße und die Verbindung am Ortenberg von der Nonnengasse bis zur Waggonhalle – also der gesamte Weg unterhalb der Georg-Voigt-Straße – werden zu Fahrradstraßen.
Die Straßenverkehrsbehörde hat im Juni mit den Planungen begonnen und will sie schnellstmöglich umsetzen. Ortsbeiräte und die Anwohnerschaft werden dazu einbezogen und umfassend informiert.
Am Ortenberg entsteht damit auf einer Länge von rund 1,70 Kilometern eine neue „schnelle“ Nord-Süd-Radverkehrsverbindung östlich der Bahnstrecke, die in den kommenden Jahren Zug um Zug bis nach Bortshausen und Cölbe erweitert werden soll. Auch das ist ein zentraler Punkt im Radverkehrsentwicklungsplan.
Die Stadt richtet erste Parkplätze für Lastenfahrräder an zunächst drei Stellen ein – in der Ketzerbach, in der Gutenbergstraße und in der Wilhelmstraße. Weitere Standorte werden in der Zukunft geprüft und bedarfsgerecht eingerichtet.
„Gerade die Markierung von Radstreifen in zentralen Straßen wie der Universitätsstraße und der Neuen Kasseler Straße, werden sicherlich wieder erhebliche Verbesserungen für den Radverkehr bbedeuten“, erklärte Verkehrsdezernent Spies. „Diese positiven Erfahrungen haben wir auch schon mit den ersten Schritten für einen besseren Radverkehrsfluss in der Nordstadt gemacht“.“
Bürgermeister Wieland Stötzel fügte hinzu: „Gerade diese zentralen Straßen werden häufig von unterschiedlichen Verkehrsteilnehmenden genutzt. Weil die Markierungsarbeiten dort auch für Einschränkungen sorgen werden, nutzen wir die derzeit durch Corona und die anstehenden Ferien etwas ruhigere Verkehrslage dafür. so werden die Einschränkungen möglichst gering gehalten.
Von diesen Maßnahmen erwartet Spies einen großen Effekt: „Der Gewinn für den Verkehrsfluss und die Sicherheit der Radfahrer*innen wird groß sein.“ Menschen mit Sehbeeinträchtigungen hoffen, dass sie nicht die Leidtragenden werden und endlich mehr Radfahrende dann Rücksicht auf andere nehmen als manche eng überholende Rennradler bisher.

* pm: Stadt Marburg

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