Coronavirus im Bus: Hinten einsteigen ist Stress für Blinde

Wegen des Coronavirus dürfen Fahrgäste die Stadtbusse nicht mehr an der Vordertür besteigen. Damit wollen die Stadtwerke eine Ansteckung des Fahrpersonals vermeiden.
Diese durchaus sinnvolle Maßnahme zum Infektionsschutz bringt blinden Busfahrgästen allerdings eine erhebliche Erschwernis. Einerseits müssen sie an vielen Haltestellen beim Fahrer Liniennummer oder Fahrtziel erfragen, wofür er ihnen die Tür öffnen muss. Andererseits kann er sie beim Ein- und Aussteigen an der Vordertür besser dirigieren und schützen als an der Mitteltür.
Darum sollten die Stadtwerke Marburg (SWM) noch einmal verschärft darüber nachdenken, ob Fahrer Blinde mit einem weißen Langstock nicht trotz der neuen Regelung auch an der vorderen Tür einsteigen lassen können. Behinderte dürfen nicht durch zusätzlichenStress im – durch die mit dem Coronavirus ohnehin angestiegene – psychische Belastung zu Leidtragenden einer insgesamt sinnvollen Infektionsbekämpfung werden.
Nachzudenken wäre zudem auch darüber, ob der Verzicht auf einen Verkauf von Fahrscheinen beim Busfahrer nicht auch bei der „normalen“ saisonalen Grippe sinnvoll wäre. Ein Nulltarif im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) wäre auch eine elegante und hilfreiche Maßnahme auch zum Schutz vor dem Klimawandel.
Die nun von der Stadt Marburg verkündete Schließung des Hallenbads Wehrda ist zweifellos eine ebenso geeignete Maßnahme zum Infektionsschutz wie auch die Absage öffentlicher Veranstaltungen. Notwendig ist nun allerdings auch, dass die Menschen von sich aus auf unnötige physische Kontakte vor allem mit Personen von Risikogruppen verzichten. Letztlich sollten sie aber nicht wegen des Coronavirus in Panik verfallen, denn Angst ist ein schlechter Ratgeber.

* Franz-Josef Hanke