Ausgeleuchtet: Hänel und Hartbrich erhalten das Leuchtfeuer 2019

Kristina Hänel und Ruby Hartbrich erhalten das „Marburger Leuchtfeuer“ 2019. Zum ersten mal würdigt die Jury damit zwei Personen in einem Jahr.

Die Laudatio auf die beiden Preisträgerinnen wird die ehemalige Bundestagspräsidentin Prof. Dr. Rita Süssmuth halten. Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies wird die undotierte Auszeichnung am Dienstag (9. Juli) um 15 Uhr im Historischen Saal des Marburger Rathauses an die beiden Ärztinnen überreichen.
Die Preisbegründung der Jury wird als deren Sprecher der Marburger Ehrenbürger Egon Vaupel vortragen.
Mit dieser Doppelvergabe möchte die Jury auf die unterschiedlichen Standards im Umgang mit menschlichem Leben hinweisen. Während Hänel für ihren Einsatz für den freien Zugang zur Information über Schwangerschaftsabbrüche geehrt wird, erhält Hartbrich die undotierte Auszeichnung für ihren ehrenamtlichen Einsatz auf dem Rettungsschiff „Sea Watch“ im Mittelmeer.
Beide Ärztinnen mussten für ihr Engagement Beschimpfungen und Bedrohungen hinnehmen. Im Falle von Hänel wird der „Schutz des ungeborenen Lebens“ als Motiv für Beleidigungen und Bedrohungen angeführt, während im Falle von Hartbrich das Leben Schiffbrüchiger auf dem Mittelmeer offenbar selbst von Regierungsvertretern europäischer Staaten faktisch für wertlos erklärt wird. Diese Respektlosigkeit gegenüber der Würde von Frauen einerseits und von geflüchteten Menschen andererseits ist 2019 das Leitmotiv der Preisverleihung des „Marburger Leuchtfeuers für Soziale Bürgerrechte“.
„Wir zeichnen zwei mutige Frauen aus, zwei Medizinerinnen, die ihren Dienst an der Gesundheit richtungsweisend und beispielgebend an moralischen und ethischen Grundsätzen ausrichten“, erklärte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies.
„Kristina Hänel verteidigt das Recht von Frauen auf Selbstbestimmung über ihren Körper.“ Mit ihrer Haltung und ihrem konsequenten Handeln habe sie das Thema zurück in die breite gesellschaftliche Diskussion gebracht sowie rechtliche und gesellschaftliche Fortschritte entscheidend mit vorangebracht.
„Ohne das aufreibende Engagement von Kristina Hänel hätte der Deutsche Bundestag den Paragraphen 219a nicht geändert“, stellt der Marburger HU-Regionalvorsitzende Franz-Josef Hanke fest. „Auch wenn diese Änderung lange noch nicht ausreicht, um Frauen in einer lebensentscheidenden Konfliktsituation die nötige Hilfe zu gewährleisten, ist dieser Parlamentsbeschluss doch ein deutlicher Beleg für die Notwendigkeit ihres unermüdlichen Engagements.“
Als ebenso unerlässlich für Leib und Leben tausender Menschen und für die Humanität als elementaren Wert europäischer Politik betrachtet Hanke die Arbeit der zweiten Preisträgerin. „Unentgeltlich setzt sich Ruby Hartbrich auf dem Mittelmeer den extremen psychischen und physischen Belastungen auf der Sea Watch aus, um Schiffbrüchigen medizinische Hilfe zu leisten. Mit ihrer Berichterstattung darüber klärt sie die Menschen in ihrer Heimat über den mörderischen Rassismus auf, der der Behinderung der Seenotrettung im Mittelmeer zugrunde liegt.“
Hartbrich leiste mit anderen Ehrenamtlichen unverzichtbare Hilfe für Menschen in elementarster Not, betonte Spies. „Weil sie nicht wegschaut, sondern aktiv anpackt, wo Staaten und Europa versagen, ist sie uns Vorbild und Mahnung zugleich.“

* pm: Humanistische Union Marburg

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