Oben dabei: Eva Herker und Olalla Vázquez erfolgreich bei MSCA Doctoral Networks

Zwei Wissenschaftlerinnen der Philipps-Universität Marburg sind beteiligt an „MSCA Doctoral Networks“. Sie haben eine erfolgreiche EU-Förderung für die Marburger Zukunftsmedizin erhalten.
Prof. Dr. Eva Herker und Prof. Dr. Olalla Vázquez von der Philipps-Universität Marburg waren im Rahmen der renommierten „MSCA Doctoral Networks“ erfolgreich. Dieses – von der Europäischen Kommission geförderte –
Programm unterstützt die internationale, interdisziplinäre und sektorenübergreifende Ausbildung von Doktorand*innen und eröffnet ihnen exzellente Karriereperspektiven in Wissenschaft und Wirtschaft. „Die erfolgreiche Einwerbung der MSCA Doctoral Networks ist ein Beleg für die hohe wissenschaftliche Qualität unserer Universität und die internationale Anerkennung unserer Forschung“erklärte Uni-Vizepräsident Prof. Dr. Gert Bange. „Wir sind stolz, unseren Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern diese exzellenten Entwicklungsmöglichkeiten bieten zu können.“
Die „MSCA Doctoral Networks“ zielen darauf ab, hochqualifizierte Nachwuchsforschende auszubilden, die aktuelle und zukünftige Herausforderungen in Forschung, Gesellschaft und Industrie meistern können. Die Programme fördern die Zusammenarbeit zwischen Universitäten, Forschungsinstitutionen, Unternehmen und weiteren Organisationen in Europa und darüber hinaus und ermöglichen es den Doktorand*innen, ihre wissenschaftlichen Kenntnisse praxisnah zu vertiefen. Ein besonderer karrierefördernder Aspekt ist dabei der Aufbau eines europaweiten wissenschaftlichen Netzwerks, das den frühen internationalen Austausch unterstützt und langfristige Kooperationen über institutionelle und nationale Grenzen hinweg ermöglicht. Gleichzeitig stärken die Programme die Beschäftigungsfähigkeit durch strukturierte Trainingsangebote und den direkten Austausch mit akademischen und nicht-akademischen Partnern. Im Rahmen des Projekts „VirION. Inter-organelle crosstalk in viral infections: identifying peroxisome-related targets for novel broad-spectrum antiviral strategies“ soll Europa besser gegen Pandemien gewappnet werden. Viren stellen eine große Bedrohung für die globale Gesundheit dar und können zu Pandemien mit erheblichen medizinischen und sozioökonomischen Auswirkungen führen – wie bei der COVID-19-Pandemie. „Es könnte sinnvoll sein, die Ausrichtung der antiviralen Forschung weiterzuentwickeln und verstärkt Therapien zu verfolgen, die auf den Wirt statt ausschließlich auf das Virus abzielen, um eine breitere Wirksamkeit gegenüber unterschiedlichen Viren zu ermöglichen“, sagte Prof. Dr. Eva Herker, die zwei Projekte in dem Europäischen Netzwerk leitet.
„Organellen des Wirts, insbesondere Peroxisomen, bieten sich als ideale Ziele für solche innovativen Strategien an, da sie sowohl bei der Virusinfektion als auch bei der Immunantwort des Wirts eine wichtige Rolle spielen“, ergänzte Herker. Allerdings fehle es an Expert*innen, die sowohl in Virologie als auch in der Biologie von Organellen ausgebildet sind. Das „VirION“-Projekt zielt darauf ab, diese Lücke zu schließen.
„Wir bilden die nächste Generation von Forscher*innen aus, die an Wirts-gerichteten antiviralen Therapieansätzen arbeiten wird“, berichtete Herker. Insgesamt werden 15 Doktorand*innen Teil des Projektkonsortiums sein, die Kenntnisse in Virologie, Organellenbiologie und Systembiologie erwerben, um innovative, breit wirksame antivirale Therapien zu entwickeln. Davon werden zwei Doktorand*innen direkt an der Philipps-Universität Marburg forschen. Die Gesamtfördersumme beträgt knapp 4,5 Millionen Euro. An die Philipps-Universität Marburg gehen davon knapp 600.000 Euro.
Das Projekt „ProofReading“ bringt Wissenschaftler*innen aus verschiedenen Disziplinen zusammen, um innovative Ansätze zur Proteindegradation zu entwickeln. Die zielgerichtete Proteindegradation (TPD) ist eine innovative Strategie, um die zelluläre Abbau-Maschinerie auf krankheitsrelevante Proteine zu lenken. „Diese Strategie hat in Forschung, Industrie und Klinik großes Interesse geweckt, da sie gegen Krankheiten wie Krebs, Infektionen und seltene Erkrankungen eingesetzt werden können“, erläuterte Prof. Dr. Olalla Vázquez, die das Projekt leitet.
TPD basiert auf der Fähigkeit eines kleinen Moleküls – eines sogenannten „Degraders“ – die Ubiquitinierung von spezifischen Proteinen zu steuern. Ubiquitinierung ist ein zellulärer Prozess, bei dem ein Protein namens „Ubiquitin“ an andere Proteine angehängt wird. Dieser Prozess dient als eine Art „Markierung“ für Proteine, die abgebaut werden sollen.
„Die Entwicklung effizienter Degrader erfordert ein detailliertes mechanistisches Verständnis auf atomarer Ebene, kombiniert mit strukturellen und funktionellen Kenntnissen der Zielproteine sowie ihrer Rolle in Krankheitsprozessen“, erklärte Vázquez.
„Daher ist ein interdisziplinärer Ansatz, der verschiedene Disziplinen wie Synthese, chemische Biologie, Strukturbiologie und Pharmakologie integriert, unerlässlich.“
Das Projekt „ProofReading“ bildet innerhalb des Projektkonsortiums insgesamt 11 Forscher*innen aus, eine davon wird an der Universität Marburg forschen. Die Gesamtfördersumme beträgt knapp 3,3 Millionen Euro, davon gehen knapp 300.000 Euro an die Philipps-Universität.

* pm: Philipps-Universität Marburg

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