„Jetzt erst recht!“ So etwa lauteten die Reaktionen der queeren Community nach dem tödlichen Terroranschlag auf den Christopher Street dDay (CSD) in Berlin.
Am Samstag (25. Juli) war gegen 22 Uhr im Berliner Bezirk Tiergarten ein weißer Lieferwagen in eine Menschenmenge gerast. Seine Fahrt endete jedoch nicht auf dem Festivalgelände, sondern etwa 400 Meter vorher an einem Baum. Der Fahrer stieg aus und griff Umstehende mit einer Stichwaffe an. Eine Frau hat er ermordet. 29 weitere Menschen wurden teilweise schwer verletzt.
In dem Citroen sollen zwei Personen gesessen haben. Der Attentäter mit der Stichwaffe konnte entfliehen. Die Polizei identifizierte ihn als den 21-jährigen deutschen Staatsbürger Abdul B., der 2025 versucht hate, sich in Syrien der Terrormiliz „IUslamischer Staat “ anzuschließen.
Am Sonntag (26. Juli) wollte ein Sondereinsatzkommando der Berliner Polizei den Gesuchten in einer Kleingartenkolonie in Berlin-Spandau festnehmen. Auf die Beamten sei er mit einer Stichwaffe zugerannt, berichtete die Polizei kurz nach 19 Uhr. Daraufhin hätten die Bamten von ihrer Schusswaffe Gebrauch gemacht und ihn erschossen.
Viele Fragen bleiben indes offen: Wie konnte der Täter bis nahe an das Festgelände des Berliner CSD vordringen? Warum wurde der nach seiner Festnahme im Libanon verhaftete und anschließend auch verurteilte Abdul B. nicht gründlicher überwacht?
Bereits am Sonntagabend gab es eine – laufend aktualisierte – Zusammenfassung des Anschlags auf den Berliner CSD bei der Online-Enzyklopädie „Wikipedia“. Während nicht nur dort die weiteren Ereignisse verfolgt werden, bleibt das Entsetzen über diesen menschenverachtenden Anschlag auf Vielfalt und Liebe nicht nur in der queeren Community zurück. „Wir sind hier; und wir sind laut“, lautete ihre erste Trotzreaktion „Wir lassen uns nicht kleinkriegen!“
Erst vier Wochen vor dem mörderischen Anschlag in Berlin hatte am Samstag (27. Juni) der CSD Marburg stattgefunden. Immer beklemmender greift das Gefühl um sich, dass es nirgendwo in Deutschland wirkliche Sicherheit gibt für Schwule, Lesben, Transsexuelle wie auch für Jüdinnen und Juden sowie sogar auch für Behinderte. Darum liegt es im ureigensten Interesse aller Menschen, für die freiheitliche Demokratie in Frieden und Vielfalt einzustehen und sich an die Seite derjenigen zu stellen, deren Freiheit durch Faschisten, Rassisten, Islamisten oder andere gewaltbereite Ideologen bedroht wird. Darum muss es auch künftig weiterhin CSD-Paraden in möglichst vielen Städten und Gemeinden geben sowie Unterstützungsaktionen wie die des Landkreises Marburg-Biedenkopf, der beim CSD Flagge für Vielfalt gezeigt hat.