Die Philipps-Universität und die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung berufen Prof. Dr. Matthias Schleuning zum Professor. Ihre gemeinsame Berufung stärkt die Biodiversitätsforschung.
Der Biodiversitätswandel zählt zu den größten globalen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Prof. Dr. Matthias Schleuning erforscht, wie sich der Verlust von Arten auf ökologische Netzwerke und die Funktionsweise von Ökosystemen auswirkt – und wie schnell sich Ökosysteme nach Störungen wieder erholen können. Seit dem 1. November lehrt und forscht er am Fachbereich Biologie der Philipps-Universität Marburg, wo er in gemeinsamer Berufung mit der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung die Professur für Funktionelle Ökologie angetreten hat.
Im Zentrum seiner Arbeit stehen die Wechselwirkungen zwischen Pflanzen und Tieren wie zum Beispiel die Samenausbreitung durch Vögel. „Wir untersuchen, wie das Artensterben die ökologischen Beziehungen in Lebensgemeinschaften verändert und welche Auswirkungen dies für die Stabilität und Resilienz von Ökosystemen hat“, erklärte Schleuning. Ein besonderer Fokus liegt auf tropischen Ökosystemen, etwa in den Anden und am Kilimandscharo. Gemeinsam mit Marburger Kolleginnen und Kollegen führt er bereits Forschungsprojekte in Ecuador und Tansania durch. Mit experimentellen Ansätzen und durch die Entwicklung von Modellen trägt Schleuning darüber hinaus dazu bei, Biodiversitätsveränderungen im Klimawandel besser zu verstehen und vorherzusagen.
Schleuning wurde nach dem „Jülicher Modell“ nach Marburg berufen – er ist zugleich an der Philipps-Universität Marburg und an der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung in Frankfurt tätig. Die gemeinsame Berufung stärkt Forschung und Lehre, indem sie wissenschaftliche Expertise bündelt und neue Kooperationsmöglichkeiten eröffnet.
„Wir freuen uns sehr, dass wir mit Prof. Dr. Schleuning einen international anerkannten Experten der Funktionellen Ökologie an der Universität Marburg willkommen heißen können“, erklärte Uni-Vizepräsident Prof. Dr. Gert Bange. „Durch die gemeinsame Berufung stärken wir nicht nur die Biodiversitätsforschung in Marburg und Frankfurt, sondern leisten auch einen Beitrag zum Verständnis und Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen.“ Seine Expertise werde das Forschungsprofil „Mikrobiologie, Biodiversität, Klima“ entscheidend mitgestalten.
„Der Verlust der biologischen Vielfalt zählt zu den größten Herausforderungen im Anthropozän“, erläuterte Generaldirektor Prof. Dr. Klement Tockner von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. „Gerade deshalb müssen wir die Funktionsweise von Ökosystemen und die Vernetzung der Arten verstehen und handeln. Unsere Partnerschaft bündelt wissenschaftliche Expertise, schafft neue Synergien zwischen universitärer Lehre und exzellenter außeruniversitärer Forschung und stärkt die globale Vernetzung in Wissenschaft und Biodiversitätsschutz.“
Schleuning wurde 1978 in Eschwege geboren. Er studierte Biologie an der Philipps-Universität Marburg und wurde dort 2008 mit einem Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes zum Thema „Spatiotemporal variation in the demography of perennial plants“ promoviert. Die Habilitation folgte im Jahr 2014 an der Goethe-Universität Frankfurt zum Thema „Mutualistic plant-animal networks: from global patterns to local processes“. Nach Postdoc-Stationen an den Universitäten Mainz und Halle wechselte Schleuning 2010 an das Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum in Frankfurt am Main. Seit 2015 leitet er dort die Forschungsgruppe „Functional Ecology and Global Change“.
Im Profilbereich „Mikrobiologie, Biodiversität, Klima“ untersuchen Forschende der Philipps-Universität die Vielfalt von Mikroorganismen, Pflanzen und Tieren sowie deren Bedeutung für Ökosysteme, Klima und Umwelt –
unter anderem im universitätseigenen „Marburg Open Forest“ oder im Zentrum für Synthetische Mikrobiologie (SYNMIKRO). Ein herausragendes Projekt ist der Exzellenzcluster „M4C – Microbes-4-Climate“: Hier werden Strategien und molekulare Mechanismen erforscht, mit denen Mikroorganismen klimarelevante Gase wie Kohlendioxid und Methan auf- und abbauen.
Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ist eine Einrichtung der Leibniz-Gemeinschaft und erforscht seit über 200 Jahren weltweit das „System Erde“ – in der Vergangenheit, der Gegenwart und mit Prognosen für die Zukunft. Senckenberg betreibt eine integrative „Geobiodiversitätsforschung“ mit dem Ziel die Natur mit ihrer unendlichen Vielfalt zu verstehen, um sie als Lebensgrundlage für zukünftige Generationen zu erhalten und nachhaltig zu nutzen. Zudem vermittelt Senckenberg Forschungsergebnisse auf vielfältige Weise, vor allem in den drei Naturmuseen in Frankfurt, Görlitz und Dresden. Die Senckenberg Naturmuseen sind Orte des Lernens und Staunens und sie dienen als offene Plattformen dem Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft – inklusiv, partizipativ und international. Mehr Informationen finden Interessierte unter www.senckenberg.de.
* pm: Philipps-Universität Marburg