Marburgs kulturelles Erbe befindet sich nun wieder im Erwin-Piscator-Haus (EPH). Die rekonstruierte Collage von Volker Benninghoff ist dort wieder eingezogen.
Es war ein Einzug mit Hindernissen: Die Wandcollage des Malers und Graphikers Volker Benninghoff ist rund 13 Jahre nach ihrer Entfernung aus der damaligen Stadthalle in das Erwin-Piscator-Haus (EPH) als rekonstruierte Collage zurückgekehrt. „Was lange währt, wird endlich gut“, sagte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies bei der feierlichen Einweihung der rekonstruierten Wandcollage Benninghoffs im Erwin-Piscator-Haus (EPH). „Viele Marburger*innen kennen das Original-Kunstwerk noch, das die alte Stadthalle geprägt hat. Das Werk damals wurde explizit für die Räumlichkeit der alten Stadthalle geschaffen und auch für den damaligen zeitlichen Kontext.“
Das Original-Kunstwerk bestand aus 25 Tafeln, die ab 1969 im Foyer der ehemaligen Marburger Stadthalle eine große Wandcollage bildeten. Es bestand aus versiegelten fotografischen Ausbelichtungen von figürlichen und geometrischen Schwarz-Weiß-Graphiken auf Resopalplatten. Geschaffen hatte das Kunstwerk der Maler und Graphiker Volker Benninghoff (1921 bis 2009), der unter anderem einer der Gründer des Marburger Künstlerkreises und eine prägende Figur der Kunstszene in Marburg war.
Wegen des Neubaus des EPH wurde Benninghoffs Werk 2012 abgenommen und eingelagert. Der Oberbürgermeister erinnerte daran, dass es viele Diskussionen gegeben habe, bevor die Entscheidung der Wiederanbringung getroffen wurde. Diskutiert wurde darüber, ob das Werk dem aktuellen Zeitgeist entspreche und auch zum neuen EPH passe.
„Zugleich stellte sich die Frage, ob denn eine Kopie oder Neuinterpretation der Collage sinnvoll ist oder ob es in die Gegenwart übersetzt werden muss“, berichtete Spies. Der Kulturdezernent ergänzte: „Der Stadt liegt das kulturelle Erbe am Herzen und die Wiederanbringung – wenn auch jetzt als Rekonstruktion – ist ein einfacher Weg, den Zugang zu Kunst zu schaffen.“
Die Anbringung der zwei auf fünf Meter großen Rekonstruktion an der Treppenwand über dem Eingang des EPH im ersten Obergeschoss feierten rund 50 Gäste vor Ort. Darunter waren FamilienmitgliederBenninghoffs, Weggefährten und Freunde des Künstlers sowie interessierte Besucherinnen und Besucher.
Kunsthistoriker Thomas Jahn führte die Gäste mit seiner Laudatio in das Werk und Schaffen sowie die Biografie Benninghoffs ein und berichtete über die vielen Unwägbarkeiten, die zur Rekonstruktion der neuen Collage geführt hatten. „Nach der Entscheidung im April 2022, dass die Wiederanbringung des Benninghoff’schen Kunstwerks erfolgen durfte, mussten wir uns erst einmal auf die Suche nach den Tafeln begeben“, berichtete Jahn.
Die Tafeln, die wiedergefunden wurden, waren durch Lagerung und Umwelteinflüsse nicht mehr zu verwenden, erläuterte Jahn. Gemeinsam mit Fotograf Christian Stein, dem Metallbauer Rüdiger Horn und Malte Küpper genannt Hagenbrock vom Management des EPH wurden aufwändige Rekonstruktionen angefertigt, „die das Werk Volker Benninghoff, den Standort EPH und auch die Qualität des Kunstwerks würdigen“, sagte der Kunsthistoriker.
Allein der Aufbau mit der Aufhängung und der richtigen Sortierung hat 16 Stunden gedauert. Spies würdigte den Einsatz der Gruppe um Jahn: „Sie haben gemeinsam viel Arbeit und Recherche in das Projekt gesteckt und ein Ergebnis geschaffen, das dem Original ziemlich nahekommt.“ Er dankte allen Beteiligten, „dass sie sich nicht von den Mühen und vielen Steinen haben abbringen lassen, das Werk Volker Benninghoffs zu würdigen“.
* pm: Stadt Marburg