Abgeschnitten vom Stadtbusverkehr sind derzeit die Anwohner der Wehrdaer Straße und des Wehrdaer Wegs. Gleich zwei Baustellen verhindern die Anbindung durch Stadtbusse.
Durch die Bauarbeiten werden die Anwohnerinnen und Anwohner erheblich in ihrer Lebensgestaltung eingeschränkt. Ganz besonders gilt das für ältere und behinderte Menschen. Claudia und Wilhelm Gerike beispielsweise wohnen an der Wehrdaer Straße. Beide fahren mit dem Stadtbus zur Arbeit.
Wegen zweier – gleichzeitig eingerichteter – Baustellen können die Stadtwerke Marburg (SWM) die Haltestelle „Diakonie-Krankenhaus“ und „Schulze Berg“ an der Wehrdaer Straße voraussichtlich einen Monat lang nichtt bedienen. Nächste erreichbare Bushaltestelle, die auch während der Bauarbeiten an der Haltestelle Mengelsgasse bedient wird, ist „Lärchenweg“. Der Weg dorthin wäre, wenn man der Baustelle an der Mengelsgasse ausweicht, knapp 2 Kilometer weit. Das ist für Behinderte wie die Gerikes absolut nicht darstellbar.
Sicherlich ist die betreffende Familie kein Einzelfall. Wichtig wäre, zu wissen, wie die Stadt Marburg die besonderen Bedürfnisse behinderter Bürgerinnen und Bürger bei der Bauplanung in den Blick nimmt. Wie sehen Ihre Bemühungen aus, Behinderte udn ältere Bürgerinnen und Bürger auch bei der Einrichtung von Baustellen nicht nachhaltig aus dem gesellschaftlichen Leben auszugrenzen?
„Sie haben Recht, die aktuelle Situation in Wehrda ist für die Menschen im Einzugsbereich der Baustelle problematisch und belastend“, antwortete Patricia Grähling von der städtischen Pressestelle. „Hier werden zwei unterschiedliche Baumaßnahmen von zwei unterschiedlichen Bauherren zeitgleich durchgeführt. Wären beide Baustellen nacheinander angepackt worden, wäre das Problem mit der nicht anfahrbaren Bushaltestelle in diesem Bereich nicht aufgetreten. Hier gab es Fehler in der Absprache und Koordinierung der beiden Baumaßnahmen – einer städtischen Baustelle und einer Baustelle von einem mittelhessischen Versorger. Und das passierte, trotz der bereits verstärkten Bemühungen, die die Stadt unternimmt, um die Kommunikation und Koordinierung verschiedener Baustellen unterschiedlicher Bauherren zu verbessern.“
Die zwei unterschiedlichen Baustellen zur gleichen Zeit am fast gleichen Ort haben nun dazu geführt, dass im betroffenen Bereich von Wehrda die Bushaltestellen während eines Teils der Sommerferien nicht angefahren werden können. „Die Stadt bedauert die Belastung für die Betroffenen ausdrücklich und entschuldigt sich dafür“, erklärte Grähling. „Der Stadt Marburg ist es äußerst wichtig, niemanden nachhaltig vom gesellschaftlichen Leben auszuschließen. Ein besonderes Augenmerk liegt daher auch immer auf der Barrierefreiheit.“
Das gelte grundsätzlich auch bei der Einrichtung von Baustellen. So machen die Mitarbeitenden in den Fachdiensten, die für die Planung und Einrichtung von Baustellen zuständig sind, regelmäßig Fortbildungen zum Thema. In der Vergangenheit haben die entsprechenden Beschäftigten beispielsweise auch in Zusammenarbeit mit der BliStA schon Workshops gemacht, um selbst zu erleben, welche Probleme eine Baustelle für Menschen mit einer Sehbehinderung mit sich bringen kann – und um zu lernen, wie Baustellen barriereärmer eingerichtet werden können und dabei verschiedene Bedürfnisse zu berücksichtigen.
„Hinweise, wo dies nicht oder nicht gut gelungen ist, nimmt die Stadt Marburg immer gerne entgegen und versucht dann, so schnell wie möglich Abhilfe zu schaffen“, betonte Grähling. „Was mir fehlt sind Lösungen“, erwiderte
darauf: „Warum kann das AST nicht in der Zeit der Baumaßnahmen an der Haltestelle „Diakoniekrankenhaus“ halten und dies nicht nur alle zwei Stunden? Könnte nicht ein kleines Fahrzeug die Haltestellen am Schulzeberg und am Diakoniekrankenhaus bedienen?“
Seine Bitte an die Stadt ist, dass „dafür Sorge getragen wird, dass ab Anfang August die Linie 1 die Wehrdaer Straße wieder befahren kann“. Während der Bauzeit sind ihm erhebliche Kosten entstanden, aber er hat aufgehört, Taxi-Quittungen zu sammeln. Insgesamt ist die Koordination der zahlreichen Baustellen in Marburg ein Ärgernis für breite Bevölkerungsschichten, weil zu den nicht planbaren Baumaßnahmen wie beispielsweise der Eisenbahnbrücke der Neuen Kasseler Straße offenbar auch noch vermeidbare Abspracheprobleme hinzukommen.
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