Mit „1222“ stellen die Stadt und die BliStA erstmals eine Stadtschrift barrierefrei als Hörbuch vor. Der historische Roman mit Wissensteil entführt nach Marburg und in die Welt vor 800 Jahren.
Stadtgeschichte und spannende Geschichten entdecken können Interessierte jetzt auch akustisch: Erstmals und noch rechtzeitig vor Weihnachten erscheint eine Marburger Stadtschrift nicht nur in gedruckter Version, sondern auch als Hörbuch. Der historische Roman „1222“ von Bestseller-Autor Daniel Twardowski alias Dr. Christoph Becker wurde als Kooperationsprojekt zwischen der Universitätsstadt und der Deutschen Blindenstudienanstalt (BliStA) auf CD produziert.
„Es war ein sonderbar helles Jahrhundert, denn die Welt war größer geworden im letzten.“ Mit diesem Satz beginnt „1222“. Die Stimmen von Dr. Bianca Weyers und Thomas Huth erwecken sowohl den Wissensteil als auch den Roman zu akustischem Leben – 16 Stunden und 55 Minuten Hörgenuss, der in den Studios der Deutschen Blinden-Hörbücherei der BliStA eingespielt wurde.
„Ich freue mich sehr über die hervorragende Zusammenarbeit mit der Deutschen Blindenstudienanstalt“, erklärte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies. „Das Hörbuch zeigt auf eindrückliche Weise, dass alle von barrierefreien Inhalten profitieren können auch im kulturellen Bereich.“
BliStA-Vorstandsvorsitzender Patrick Temmesfeld lobte die Kooperation ebenfalls: „Wenn es darum geht, Barrieren abzubauen, ist die Stadt Marburg als Vorreiterin unterwegs – ohne dass man es erst einfordern muss.“ Das Hörbuch sei ein weiterer Baustein, mit dem mehr Teilhabe möglich sei, sagte Temmesfeld.
Der Nutzen ist laut Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies allerdings viel breiter als die Barrierefreiheit. Für alle Fans von Hörbüchern ist die eingelesene Version von „1222“ eine echte Attraktion. Sabine Preisler als Leiterin der Marburger Stadtschriften freute sich, dass auch das Hörbuch zu einem symbolischen Preis – ein Euro für jedes Jahrhundert des Stadtjubiläums – erhältlich ist.
Marburg war im 13. Jahrhundert eine einzige Baustelle. Damals entstanden Elisabethkirche, Franziskanerkloster, Pfarrkirche, Fürstensaal und vieles mehr, was die Stadt bis heute prägt. Warum überboten sich damals der Deutsche Orden, Klöster, Landgrafen und die Bürgerschaft?
Antworten auf diese und andere Fragen erwarten jetzt nicht nur die Lesenden, sondern auch die Hörenden von „1222“. Autor Becker alias „Daniel Twardowski“ hat eine Zeitreise gewagt, die einen spannenden Roman genauso beinhaltet wie historische Fakten. Über 70 Prozent der Printausgabe wurden bereits verkauft, das Hörbuch wurde nun einer ersten Auflage von 400 Exemplaren produziert.
„Dass wir im Jubiläumsjahr der Stadt mit diesem Hörbuch die Stadtgeschichte in Form eines Romans – angereichert durch historische Fakten und einen Wissensteil – in unseren Hörbuchstudios vertonen konnten, ist wirklich etwas ganz Besonderes“, bestätigte auch Leiterin Andrea Katemann von der Deutschen Blinden-Bibliothek. „Obwohl ich schon recht lange in Marburg lebe, habe ich so jetzt ein noch lebendigeres Bild der Marburger Stadtgeschichte erhalten.“
An der Aufspache waren auch Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies beim Vorwort Wissen, Autor Daniel Twardowski im Vorwort Roman und André Schlegl für die Illustrationen beteiligt. „Wir haben bei der Hörbuchproduktion besonderen Wert darauf gelegt, dass wir alle Illustrationen und Grafiken beschreiben und auch die vielen wichtigen und erkenntnisreichen Anmerkungen aufsprechen, damit alle Hörer*innen, egal ob sehend oder blind, die gleichen Inhalte genießen können“, erläuterte Katemann.
Angesichts der besonderen Konzeption von „1222“ als „Drehbuch“ – für die Auswahl von Roman- und Wissensteil wird das Druckprodukt in der Leserichtung gedreht – waren für die Hörbuchpremiere einige Herausforderungen zu meistern. Die unterschiedlichen Buchteile wurden in Abstimmung mit dem Autor nacheinander aufgenommen, aber miteinander verknüpft. Dabei durfte der Charakter des Buchs nicht verlorengehen.
Für Menschen ohne Sehbehinderung ermöglicht eine gedruckte Titelliste von „1222“ das direkte Ansteuern der Buch-Kapitel. Mit den beiden Hauptsprechenden Dr. Bianca Weyers und Thomas Huth standen zwei seit Jahren erfahrene Kräfte des Ensembles der Deutschen Blinden-Hörbücherei vor dem Mikrofon. Sie gehören zum Sprechteam, das wöchentlich das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ den blinden und sehbehinderten Nutzenden barrierefrei zugänglich macht.
Sie hatten viel Spaß bei dem Projekt, „auch, wenn die korrekte Aussprache und Betonung der mittelhochdeutschen Dialekte uns beiden schon gelegentlich mehr abverlangt hat als sonst“. Ausgewählt wurden ihre Stimmen passend zum Roman von Stadt, Autor und BliStA gemeinsam. Zu haben ist das Hörbuch für acht Euro im Buchhandel, im Rathaus am Markt, über die Mailadresse pressestelle@marburg-stadt.de sowie auf www.marburg.de/stadtschriften.
Unterstützt wurde das Projekt von der Lothar- und Ilse-Seeber-Stiftung Marburg – das Ehepaar hatte sein Vermögen in einer Stiftung angelegt, die Projekte für Blinde und Sehbehinderte fördert.
Neben dem Hörbuch „1222“ für acht Euro ist selbstverständlich auch das gedruckte Buch selbst weiter für 12,22 Euro erhältlich – so lange der Vorrat reicht. Mit „1222“ hatte die Stadt zum Jubiläum „Marburg800“ auf einen Autor gesetzt, der bereits zum Lutherjahr eine Stadtschrift zum Publikumserfolg machte.
* pm: Stadt Marburg
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