Frühzeitige Forschung: Stiftung vergab Nachwuchspreise

Nachwuchspreise und Ehrenplaketten hat die Von-Behring-Röntgen-Stiftung am Donnerstag (3. November) verliehen. Ausgezeichnet wurden Wissenschaftler aus marburg und Gießen
Coronaviren, Leukämien und Immunzellen sind die Forschungsinteressen der drei jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die am Donnerstag (3. November) in Gießen für ihre herausragenden Leistungen in der Medizin geehrt wurden. Mehr als einhundert Gäste – darunter Freunde und Angehörige sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Stadtgesellschaft – waren der Einladung der Von-Behring-Röntgen-Stiftung in die Aula der Justus-Liebig-Universität (JLU) gefolgt. Sie begleiteten die feierliche Verleihung der mit 5.000 Euro dotierten Von-Behring-Röntgen-Nachwuchspreise an die Gießener Virologin Dr. Christin Müller sowie den Leukämiespezialisten Dr. Christian Michel und den Experten für dendritische Zellen Dr. Johannes Mayer, die beide in Marburg forschen.
Mithilfe ihrer Erkenntnisse erhofft man in Zukunft neue Therapien gegen Virusinfektionen, entzündliche Hauterkrankungen und Krebs entwickeln zu können. Gewürdigt wurden die Forschertalente in Laudationes von ihren akademischen Wegbegleitern.
„Für die Zukunftsfähigkeit einer starken Hochschulmedizin sind optimal ausgebildete junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Voraussetzung und Garant zugleich“, erklärte Stiftungspräsident Dr. Lars Witteck. „Ihre Förderung ist eine der Kernaufgaben unserer Stiftung.“ Witteck betonte: „Mit den Von-Behring-Röntgen-Nachwuchspreisen wollen wir ein Zeichen setzen und unseren herausragenden Medizinforschenden Anerkennung und Ansporn für weitere Spitzenleistungen geben, die Leuchtkraft über die Grenzen Mittelhessens hinaus entfalten.“
Im Rahmen des Festakts hat die Marburger Medizinstiftung zudem Prof. Dr. Dr. Petra Netter und posthum ihren Ehemann Prof. Dr. Karl Joachim Netter mit der Von-Behring-Röntgen-Ehrenplakette geehrt. Die Auszeichnung würdigt das langjährige Engagement des Stifterehepaars für die Nachwuchsförderung in der Medizin in Gießen und Marburg. Den Grundstock für ihr Wirken hat das Forscherpaar mit der Errichtung des Netter-Stiftungsfonds bereits 2014 gelegt, der inzwischen als Zustiftung ganz die Aufgaben der Von-Behring-Röntgen-Stiftung unterstützt.
„Sie geben jungen Forschenden Vorbild, Halt und Vision und tragen durch Ihr außerordentliches Engagement dazu bei, den Medizinstandort Mittelhessen in bedeutender Weise zu stärken“, lobte Witteck die beiden. Zugleich versprach er, dass die Von-Behring-Röntgen-Stiftung ganz im Sinne der beiden Stifter zukünftig jungen Medizinstudierenden mit sogenannten „Netter-Stipendien“ den Weg in ihr späteres Berufsfeld ebnen werde.
Der gemeinsame Einsatz für die Stiftungsarbeit sei ihnen stets Herzensangelegenheit gewesen, betonte die Medizinerin und Psychologin Prof. Dr. Dr. Petra Netter, die sich über Jahrzehnte an der Universität Gießen in den Dienst der Wissenschaft stellte, bei der Entgegennahme der Auszeichnung. Die Nachricht der bevorstehenden Ehrung mit der Von Bering-Röntgen-Ehrenplakette habe nicht nur ihr, sondern auch ihrem Ehemann sehr viel bedeutet. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von einem Quartett aus Mitgliedern des Gießener Universitätsorchesters.
Seit 2009 verleiht die Stiftung jährlich den Von-Behring-Röntgen-Nachwuchspreis für besondere Leistungen in der medizinischen und biomedizinischen Forschung an der Justus-Liebig-Universität Gießen und der Philipps-Universität Marburg. Ausgezeichnet werden junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die nicht älter als 35 Jahre alt sind.
Dr. Christin Müller eröffnet in ihrer preisgekrönten Forschungsarbeit innovative Wege zur Entwicklung neuer antiviraler Therapeutika. Insbesondere durch die Covid-19-Pandemie ist ihr Forschungsinteresse an Coronaviren hoch relevant.
Die 34-jährige Wissenschaftlerin ist Postdoktorandin am Institut für Medizinische Virologie der Justus-Liebig-Universität Gießen. Ihr breites Fachwissen und ihre große Methodenkompetenz hat sie unter anderem in zahlreichen Forschungsaufenthalten erworben. Ihre Forschungsarbeiten wurden bereits in hochrangigen Fachzeitschriften veröffentlicht und auf wissenschaftlichen Kongressen vorgestellt.
In Anerkennung seiner wissenschaftlichen Leistung in der Leukämieforschung erhielt Dr. Christian Michel den Von-Behring-Röntgen-Nachwuchspreis. Der 35-jährige Forscher konnte den speziellen Krankheitsmechanismus einer Leukämiepatientin aufklären, was zu einer individualisierten Therapie und letztendlich zur Heilung der Erkrankung geführt hat. Seine bedeutende Arbeit betont den hohen Stellenwert der personalisierten Medizin.
Michel ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Assistenzarzt in der Klinik für Hämatologie und Onkologie in Marburg. Gefördert wird er durch das Clinician Scientist-Programm der Philipps-Universität, das jungen Ärztinnen und Ärzten Raum für klinische und Grundlagenforschung ermöglicht.
Dr. Johannes Mayer wurde für seine wegweisenden Arbeiten an dendritischen Zellen geehrt, die im Immunsystem eine entscheidende Rolle spielen. Sie gelten als Hoffnungsträger bei der Behandlung von Krebs, Allergien, oder Autoimmunerkrankungen wie Aids.
Mayer, der als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Klinik für Dermatologie und Allergologie in Marburg tätig ist, gehört zu den Nachwuchswissenschaftlern mit einem internationalen Profil: Nach seiner Promotion in Großbritannien hat der 34-jährige Arzt in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) und Neuseeland geforscht. Zu den Publikationen des hervorragend vernetzten und vielfach ausgezeichneten Wissenschaftlers gehört eine Veröffentlichung in der renommierten Fachzeitschrift „Nature Immunology“.
Mit der Von-Behring-Röntgen-Ehrenplakette werden seit 2021 besondere Verdienste um die Ziele der Von-Behring-Röntgen-Stiftung gewürdigt. Die diesjährigen Preisträger haben durch ihre langjährigen Lehrtätigkeiten an den hiesigen Universitäten eine besondere Beziehung zu den beiden Medizinstandorten.
Der Arzneimittelforscher Prof. Dr. Karl Joachim Netter folgte 1976 dem Ruf an den Lehrstuhl für Pharmakologie und Toxikologie an der Philipps-Universität, den er bis 1994 innehatte. Prof. Dr. Dr. Petra Netter war von 1979 bis 2002 Professorin für Differentielle Psychologie und Persönlichkeitsforschung an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Neben ihrem Engagement für die Medizinforschung setzt sie sich im Vorstand der von ihr ins Leben gerufenen G. A. Lienert-Stiftung für die Nachwuchsförderung in biopsychologischer Methodik ein.

* pm: Von-Behring-Röntgen-Stiftung

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