Für das Klima: Fridays for Future in Marburg

FFF

Klimademonstration in der Deutschhausstraße. (Foto: Laura Schiller)

„People not profit“ ist das aktuelle Motto der internationalen Organisation „Fridays for Future“. Auch in Marburg wurde am Freitag (23. September) im Rahmen des globalen Klimastreiks demonstriert.

Dazu hatten sich laut Angaben der Veranstalter etwa 2.000 Menschen zur Kundgebung am Erwin-Piscator-Haus (EPH) und zur anschließenden Demonstration versammelt. Mit etwa doppelt so vielen Teilnehmenden wie beim letzten globalen Klimastreik in Marburg im März waren die Veranstalter nun mehr als zufrieden.
„Was uns bevorsteht, ist in Ländern des globalen Südens bereits zur Realität geworden“, warnte Linda vom Organisationsteam „Fridays for Future Marburg“ in ihrem Redebeitrag. Sie kritisierte das vorherrschende Wirtschaftssystem und die zerstörerischen Unternehmen, die ihren Profit über das Wohl der Menschen stellen. „Die Klimakrise ist ein Symptom kapitalistischer und imperialistischer Strukturen“, erklärte sie.
Durch Corona habe die Klimabewegung immer weniger mediale Aufmerksamkeit erhalten. Die fortwährenden Demonstrationen hätten nicht mehr dieselbe Wirkung wie vor 3 Jahren. Deswegen sehe sie und ihre Organisation keine andere Option mehr als den Übergang zur Radikalität „im Kampf gegen ein System, das Menschenleben zerstört“.
Ein weiterer Redner stellte die Kampagne „End Fossil Occupy“ vor. Von Oktober bis Dezember möchte sie weltweit Schulen, Universitäten und Hochschulen besetzen. Dabei soll der Unterricht gestört und ein eigenes Programm geboten werden, das sich auf Klimaschutz und Klimabewegung fokussiert. Es soll das „sozialpolitische Vollversagen aufzeigen“ und mit dem Wandel bei der jungen Generation ansetzen.
Der Internationale Jugendverein machte noch einmal auf das Thema „People not Profit“ aufmerksam mit dem Hinweis, dass die Konzerne Milliardengewinne machen, für die die Bevölkerung zahlen muss. „Wir, die Jugend, können auf keine Zukunft bauen, die bald noch lebensfähig sein wird“, sagte der Redner. „Wir müssen gemeinsam für unsere Zukunft kämpfen“, war der Aufruf, die Forderungen wie den Kohleausstieg, die Mobilitäts- und Energiewende sowie den kostenlosen Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zu unterstützen.
„Der Zustand unserer Erde ist ein medizinischer Notfall“, warnten zudem zwei Rednerinnen von „Health for Future“. Sie diagnostizierten die Erde als eine schwerkranke Patientin mit multiplen Organversagen, der nicht geholfen wird, obwohl die Behandlung klar sei. Hitze und Wasserknappheit sind bereits Realität für die Menschen des globalen Südens, was der globale Norden zu verantworten hat.
Die Rednerinnen zeigten die Gesundheitsbelastungen auf, die auch den Menschen im Norden bevorstehen, sofern sich nichts ändert. Luftverschmutzung verursacht Asthma, COPD und Lungenkrebs. Lärm kann zu Herzkreislauferkrankungen führen. Hinzu kommen die psychischen Belastungen solcher Zustände, die Angststörungen und Depressionen hervorrufen können.
„Wir merken, die Klimakrise ist das größte Risiko für unsere Gesundheit„, stellten die Rednerinnen klar und riefen zum Stopp von Autobahnausbau und Zerstörung von Ökosystemen auf. Auch forderten sie die Einführung eines Tempolimits, bessere Bezahlung von Pflegekräften und die Aufnahme von Klimathemen in den Lehrplan.
Aufgerufen wurde außerdem zur Unterstützung der Besetzung im Fechenheimer Wald in Frankfurt. Der Wald, der als grüne Lunge für das Klima der Großstadt gilt, soll für den Ausbau der Autobahn A661 weichen. Um die Rodung zu stoppen und die teilweise bedrohten Arten zu schützen, wird der Wald weiterhin von Klimaaktivisten und -aktivistinnen besetzt.
Die Stimmung der Veranstaltung war aufgelockert und heiter. Mit Musik und Parolen zog sich die große Demonstrantenmenge durch die Stadt. Während der Kundgebungen wurden vom FoodSharing kostenlos Obst, Gemüse und Brötchen ausgeteilt.
Zudem wurden Spenden für die Betroffenen der Überschwemmung in Belucistan und weiterhin Unterschriften für das Bürgerbegehren eines kostenlosen ÖPNV gesammelt. Außerdem spielte im Anschluss die Marburger Band „Eins Neunzig“ ihre selbst geschriebenen Lieder.

*Laura Schiller

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