Beteiligung bei Bevölkerung: Pilotprojekt zur Wärmeversorgung in Stadtteilen

Die Stadt startet ein Pilotprojekt zur Wärmeversorgung in Außenstadtteilen. Einbezogen sind Cyriaxweimar, Haddamshausen und Wehrshausen.
Bei einem Bürgerforum haben mehr als 90 Bewohnerinnen und Bewohner aus den Stadtteilen Cyriaxweimar, Haddamshausen und Wehrshausen darüber diskutiert, wie in ihren Wohnorten künftig eine klimafreundliche Wärmeversorgung aussehen könnte. Ein Planungsbüro aus Darmstadt hat für die Moderation gesorgt und erklärt, wie es weitergeht.
Damit startet die Stadt Marburg ein Pilotprojekt. Die gewonnenen Erkenntnisse können dann auch für eine klimafreundliche Wärmeversorgung in anderen Außenstadtteilen genutzt werden.
„Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen drängt die Zeit, im Bereich Energieeinsparung und -effizienz aktiv zu werden“, sagte Bürgermeisterin Nadine Bernshausen bei der Eröffnung des Bürgerforums in der Mehrzweckhalle in Cyriaxweimar. „Dabei treibt viele Bürger*innen die Frage um, wie sie künftig am besten heizen.
Bernshausen lobte die Initiative der Ortsvorsteher aus den drei Stadtteilen, die sich schon frühzeitig an die Stadtwerke gewandt hätten, um nach Lösungen zu suchen. Daraufhin hat der städtische Fachdienst Umwelt, Klima- und Naturschutz, Fairer Handel die Veranstaltung organisiert. Ortsvorsteher Achim Zimmermann aus Cyriaxweimar sagte, das Projekt sei eine Reise in die Zukunft.
Um zu klären, wo sie hingehen könnte, gebe es nun die Auftaktveranstaltung, erklärte Karin Weber vom Planungsbüro Infrastruktur und Umwelt aus Darmstadt. Das Büro wurde von der Stadt Marburg mit dem Projekt beauftragt und sollte zunächst eine Bestandsaufnahme machen. Die bisherigen Ergebnisse stellte Projektleiterin Weber vor.
Bisher wurde eine grobe Übersicht über den Gebäudebestand erstellt. Gegliedert ist sie nach Baujahr und vermutetem Sanierungsbedarf. Weber erklärte, dass etwa im Ortsteil Cyriaxweimar 80 Prozent der Gebäude vor 1968 gebaut wurden und damit durch Sanierung ein erhebliches Einsparpotenzial bestehe.
Im nächsten Schritt sollen genauere Erkenntnisse darüber gewonnen werden, was bei Häusern bereits an Sanierungsmaßnahmen vorgenommen wurde und welche Hemmnisse es bei Eigentümern bisher gebe, weitere Schritte zu gehen. Außerdem soll festgestellt werden, welchen Energiebedarf gemessen an beheizbarem Wohnraum es gibt. Dazu hat das Büro Fragebögen erstellt.
Sie können online unter www.marburg.de/Potentialanalyse ausgefüllt oder als PDF heruntergeladen und ausgedruckt werden. Die Fragebögen sind in Papierform auch bei den Ortsvorstehern verfügbar. In den Fragebögen werden keine personen- und adressbezogenen Daten abgefragt.
Aus den Ergebnissen sollen die Gebäude in den Ortsteilen typisiert werden, sodass Bewohnerinnen und Bewohner ihre Häuser zuordnen können und so eine grobe Idee entwickeln, mit welchen Maßnahmen sie die größte Einsparung erreichen könnten. Zudem kann das Planungsbüro so auch den Wärme- und Sanierungsbedarf überschlagen.
Aus den Erkenntnissen sollen letztlich Szenarien entwickelt, Wirtschaftlichkeitsprüfungen und Handlungsvorschläge gemacht werden. Dabei gibt es sowohl technisch unterschiedliche Möglichkeiten als auch in Bezug auf die Organisation.
Individuelle Lösungen wären ebenso denkbar wie eine gemeinschaftliche Lösung wie ein Nahwärmenetz, erläuterte Weber. Die Projektleiterin verdeutlichte die Wichtigkeit des Themas: „70 Prozent der Verbräuche in einem Haushalt gehören zu Wärme – neben Strom und Verkehr“, sagte Weber.
Hinzu kämen noch einmal 14 Prozent für Warmwasseraufbereitung. So könnte durch Einsparung viel für die Vermeidung von Treibhausgasen getan werden.
Nach dem Vortrag arbeiteten die Vertreterinnen und Vertreter aus den drei Ortsteilen getrennt in Workshops. Bewohner*innen Wehrshausens etwa sagten, es gebe noch viele bisher nicht mit Photovoltaik-Anlagen bestückte Dachflächen und durch die Westhanglage auch bis in die Abendstunden Sonnenschein. Die dichte Bebauung bedeute kurze Wege für ein Nahwärmenetz. Aber auch Hindernisse sahen die Bürger*innen aus Wehrshausen: Fachkräftemangel und Lieferengpässe.
Im Herbst sollen die Ergebnisse aus den Auswertungen der Fragebögen in einer Abschlussveranstaltung vorgestellt werden. Bis Ende des Jahres will das Planungsbüro einen Aktionsplan mit Handlungsvorschlägen entwickeln. Abschließend betonte der städtische Sanierungsmanager Achim Siehl, es sei unerlässlich, als ersten Schritt Bestandsdaten zu sammeln und die Bereitschaft an einer Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger an einer gemeinschaftlichen Lösung abzufragen.
„Dennoch kann jeder jetzt selbst aktiv werden“, ergänzte Bürgermeisterin Nadine Bernshausen. „Das Haus zu sanieren, um den Verbrauch zu verringern, ist in jedem Fall sinnvoll und der erste Schritt. Dabei unterstützt Sie auch die Stadt Marburg mit Förderprogrammen.“
Ein Überblick zu den Förderprogrammen findet sich unter www.marburg.de/klimaneutral. Zudem können sich Bürger*innen auch bei Energieberater*innen der Verbraucherzentrale informieren. Bei einigen Vorhaben (kfw, bafa) muss für Zuschüsse oder Kredite zudem ein zertifizierter Energieberater hinzugezogen werden. Eine Liste der Energieeffizienzberater sowie die Kontaktstelle für die Beratungstermine bei der Verbraucherzentrale sind unter www.marburg.de/energieberatung aufgeführt.
„Durch das Pilotprojekt wollen wir auch für alle anderen Außenstadtteile Marburgs Erkenntnisse gewinnen“, erklärte Siehl. Die Fragebögen in Papierform können sowohl bei den Ortsvorstehern als auch beim Fachdienst Umwelt, Klima- und Naturschutz, Fairer Handel abgegeben werden.

* pm: Stadt Marburg

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