Wiederum widrig: Linke beklagt Anstieg von Armut in Marburg

„Die Armut in Marburg nimmt wieder zu“, erklärte die Linken-Stadtverordnete Elisabeth Kula am Donnerstag (10. August). Ihre Fraktion hatte im Juni beim Magistrat die aktuellen Zahlen zur Entwicklung von Bevölkerung, Beschäftigung und Armut in Marburg abgefragt und jetzt Antwort bekommen.
Die Fraktion fragt seit Einführung von Hartz IV im Jahr 2005 regelmäßig solche Daten ab. Die Marburger Linke stellt fest, dass nach einem langsamen Rückgang der Armutszahlen bis 2012 und ihrer Stagnation in den beiden Jahren danach die Tendenz wieder nach oben zeigt.
Laut dem ehrenamtlichen Magistratsmitglied Nico Biver erklärt der stärkere Zustrom von Flüchtlingen in den Jahren 2015 und 2016 nur zum Teil die Zunahme der Armut. Die Zahl der Menschen, die Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz erhalten, ist zwar von 187 Ende 2014 auf 653 Ende 2016 angestiegen, aber auch die Zahl der Menschen im Hartz-IV-Bezug, deren Zahl bis Oktober 2014 auf 4.734 Personen gesunken war, hat laut den Angaben des Magistrats in den folgenden 24 Monaten um 435 zugenommen.
1.378 Kinder leben in Hartz-IV-Familien. Das sind so viele wie seit 2010 nicht mehr.
Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket der Bundesregierung für Kinder aus einkommensschwachen Familien wurden 2016 von 1.487 Kindern und Jugendlichen in Anspruch genommen. „Das sind über 20 Prozent der Zwei- bis 18-Jährigen“, stellte Kula fest.
Die Zahl alter Menschen, die Grundsicherung im Alter beantragen, weil ihre Rente nicht zum Leben reicht, nimmt schon seit Jahren langsam zu. 2016 waren es 673 Personen gegenüber 561 im Jahr 2011.
Für die Marburger Linke ist es nicht paradox, dass die Armut wächst, obwohl laut Magistrat die Zahl der in Marburg Beschäftigten seit 2011 um über 2.000 gestiegen und die Zahl der Arbeitslosen von 2.206 auf 1.754 gesunken ist. „Dass Deutschland Exportweltmeister ist und die Arbeitslosenzahlen auf das Niveau von 1990 abgesunken sind, verbirgt eine starke Zunahme prekärer Arbeitsverhältnisse und von Niedriglöhnen und eine massive Umverteilung zugunsten der Reichen“, resümierte Kula. „Damit das Wachstum auch unten ankommt, müsste der Mindestlohn erhöht, das Rentenniveau wieder angehoben und eine sanktionsfreie Mindestsicherung von 1.050 Euro eingeführt werden.“ Dann gäbe es auch weniger Armut in Marburg.

* pm: Die Linke Marburg

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