Feuerwerk des Gesangs: Les Brünettes erweckten Beatles zu neuem Leben

„The Beatles: Close Up“ heißt das neueste Programm der A-Capella-Gruppe „Les Brünettes“. Die vier Sängerinnen gastierten damit am Donnerstag (22. Juni) in der Waggonhalle.
Die Gruppe besteht aus Juliette Brousset, Stephanie Neigel, Julia Pellegrini und Lisa Herbolzheimer. Nach ihrem ersten Programm mit dem Namen „A Women Thing“, das eine Hommage an ihre weiblichen musikalischen Vorbilder darstellte, hatten Les Brünettes „einfach Lust auf ein „Jungs-Ding“. Und wen könnten sie sich da besser vornehmen als die Boygroup aller Boygroups: The Beatles“, heißt es auf ihrer Internetseite.
In einer zweijährigen Entwicklungsphase folgten die vier Frauen den Spuren der Beatles. Ihr album konnten sie sogar in den berühmten Abbey Road Studios aufnehmen. Dass bei ihrem Auftritt die Musik und deren Inhalt im Vordergrund stehen, wird an dem sehr einfachen und dennoch wirkungsvollen Bühnenbild deutlich. Es besteht lediglich aus einer im Hintergund angebrachten weißen Leinwand sowie einer zusätzlichen kleinen Bühne.
Die weiße Leinwand wird – abhängig von dem gesungenen Lied – mit zu diesem Lied passendem Licht oder einem auf ihrer Reise durch London aufgenommen Video beleuchtet. Dadurch wird dem Publikum die Interpretation des Lieds und seine Wirkung vor Augen geführt.
Passend zum Erscheinungsbild der Beatles tragen die vier Frauen ein weißes Hemd und eine farblich passende Kombination aus Anzughose und Weste. Ihre auf den Inhalt der Musik abgestimmte schauspielerische Darbietung wird lediglich durch wenige Requisiten, zum Beispiel ein Tuch oder ihre Mikrofonständer, unterstützt.
Als A-Capella-Gruppe verwenden die Frauen ihre Stimmen auch, um den Klang der benötigten Instrumente nachzuahmen. Zur Hilfe dienen dabei lediglich wenige kleine Instrumente sowie den Klang der Stimme verstärkende technische Hilfsmittel.
Mit bekannten und weniger bekannte Lieder der Beatles führt die Gruppe das Publikum durch deren Erfolgsgeschichte. Dabei gibt sie Hintergrundinformationen und geht im einzelnen auch auf die vier Mitglieder ein.
Wichtig für die vier Frauen sind jedoch nicht nur Paul McCartney, John Lennon, Ringo Starr und George Harrison. Auch der von Hass und Neid geprägten Geschichte von Yoko Ono, gehen sie auf den Grund. Julia Pellegrini widmet ihr ein von ihr selbst geschriebenes Lied.
Auch jedes der anderen Mitglieder schrieb – inspiriert durch ein Stück der Beatles – ein eigenes Lied. Im Laufe des Konzerts wird dadurch immer deutlicher, dass jede der vier Frauen auf eine individuelle Art von der Boygroup inspiriert und berührt wird. Das zeigt sich auch, als sie das Lied „Do it on the road“ in vier sehr verschiedenen Arrangements vortragen.
Durch ihre Aufforderung zum Klatschen und Mitsingen beziehen „Les Brünettes“ auch das Publikum mit in ihren Auftritt ein. Gleichzeitig sorgen sie so für eine gelöste Atmosphäre.
Einziger Kritikpunkt ist der Beginn des Programms. Er besteht aus einem einem Radiointerview ähnelnden Arrangement. Durch zahlreiche kurze Anschnitte vieler Lieder und ständig wechselnde Szenen wirkt er verwirrend.
Über den Rest des Programms ist nur Positives zu nennen. Jede der Frauen sang mit sehr klarer Stimme und auf hohem musikalischen Niveau, was das Zuhören sehr angenehm machte. Die Lautstärke sowie die Verwendung des Lichts waren angemessen und lenkten nicht von der musikalischen Darbietung und ihrem Inhalt ab.
Durch die passenden Videos oder Lichteinstellungen, die Erklärungen, vor allem aber die sehr individuellen und sich von denen der Beatles durchaus unterscheidenden Interpretationen der Lieder wurde selbst einem Fan der Boygroup ein interessanter neuer Zugang eröffnet.
Besonders interessant war dabei, den Inhalt der Lieder, die ausschließlich von Männern geschrieben wurden, aus Sicht des anderen Geschlechts zu betrachten. Die von den Frauen selbst geschriebenen Lieder ermöglichten außerdem, die Stücke der Beatles auch aus gegenüber liegender Perspektive wahrzunehmen und sich somit noch intensiver mit ihrem Inhalt auseinanderzusetzen.
Dass das Konzert der Gruppe in der Waggonhalle beim restlichen Publikum sehr gut ankam, wurde durch tosenden Beifall deutlich. Er ließ auch nach dem offiziell letzten Stück, einem Medley aus mehr als 10 der berühmtesten Lieder der Beatles, nicht nach.
„Les Brünnettes“ beglückte die Anwesenden daraufhin mit zwei Zugaben. Bei der ersten handelte es sich um ein Medley aus den Liedern „Strawberry fields“, „She loves you“ und „All you need is love“.
Highlight war die zweite der Zugaben. Langsam und sehr klar sangen die vier Frauen das von John Lennon geschriebene „Imagine“. Ihnen gelang es hervorragend, das dem Weltfrieden gewidmete Lied sehr eindrucksvoll und bewegend wiederzugeben.
Den Besuch eines Konzerts von „Les Brünettes“ kann man nur empfehlen, da durch Gesang auf hohem musikalischem Niveau und sehr vielfältige Arrangements ein einzigartiger Zugang zu den Werken und der Geschichte der wohl bedeutendsten Boygroup aller Zeiten geboten wird.

* Elisa Tittl

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