Annah angestellt: Filou ist erste Marburger Stadtschreiberin

„Mein Terminkalender wird langsam voll“ stellt Annah Filou fest. Zahrleiche Verabredungen hat die Stadtschreiberin bereits eingetragen.
Im Rahmen des Stadtjubiläums „Marburg800“ plant die Bühnenautorin ein Theaterstück für Marburg über Marburg. „Noch ist aber alles offen“, erklärte sie. „Ich taste mich langsam an die Stadt und die Geschichte heran.“
Eher „assoziativ“ lese sie Bücher und Texte über die Stadt, berichtet Filou. „Das ist wie ein Mosaik“, erklärt sie. „Aber noch denke ich nicht an das Stück, sondern nur an die Stadt und die Menschen.“
In Marburg gebe es viele Originale. Auch habe die Stadt viele bedeutende Menschen hervorgebracht. Das Hauptinteresse der Österreicherin gilt aber vor allem den Lebenden.
„Ich möchte den Menschen den Eindruck vermitteln, dass sie gesehen werden“, erläutert Filou. Bis Mitte Oktober ist sie jeden Montagabend von 18 bis 20 Uhr an der Theaterkasse in der „Neustadt“ ansprechbar. So sammelt sie Geschichten über Geschichte und Leben in Marburg.
Als „Zeitreise“ beschreibt sie ihren Eindruck von Marburg, als sie die Stadt zum ersten Mal erlebte. „Von Gotik bis Neugotik bis Plattenbau“, sagt sie. „Hier hats alles.“
Geboren wurde Marburgs erste Stadtschreiberin in einem kleinen österreichischen Dorf. Zuhause ist sie jedoch seit Langem in Wien. Mit dem „Blick von außen“ betrachtet sie nun die mittelhessische Universitätsstadt, die sie zur Stadtschreiberin ernannt hat.
Im Vergleich zu Wien ist Marburg ziemlich klein. Darin sieht die Wahl-Wienerin jedoch auch viele Vorteile. „Es ist hier sehr grün“, stellt Filou fest. „Und ich gehe gerne zu Fuß.“
Bereits sechs Mal war die Autorin schon in Marburg. Ihr Kindertheaterstück „Am Hafen mit Vogel“ wurde 2019 im „Kleinen TaSch“ uraufgeführt. Mittlerweile wurde es zu den 45. Mülheimer Theatertagen eingeladen.
Die Premiere ihres Stücks „Pollesch wäre das nicht passiert“ wurde im April wegen der Corona-Pandemie verschoben. Das Coronavirus erlebt sie nun in Marburg aber weit weniger gefährdet als in der österreichischen Hauptstadt mit ihren hohen Infektionsraten. Doch natürlich wünscht sich Filou „weniger Virus, mehr Nähe“.
Die Wahl-Wienerin ist bekennender Kuchen-Fan. Angesichts der Qualität gleich mehrerer Marburger Konditoreien und Cafés dürfte ihr auch ein längerer Aufenthalt in der Universitätsstadt unter Verzicht der traditionsreichen Wiener feinbäckerei nicht schwerfallen. Zu hoffen ist, dass ihr Stück dem Jubiläum „Marburg800“ am Ende dann auch das sprichwörtliche Sahnehäubchen verleihen wird.

* Franz-Josef Hanke

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