Weiße Power für black Power: Musikalische Hommage von Zenzi Huber an Nina Simone

Nina Simone war eine Powerfrau. Zenzi Huber steht ihrem Vorbild in nichts nach.
Bei ihrer Theaterproduktion über die amerikanische Sängerin, Pianistin und Bürgerrechtlerin zeichnete die Marburger Schauspielerin verantwortlich für die Musikauswahl, die Texte, das Bühnenbild und die Regie. Sie sprach, sang und siegte. Die Produktion „Nina. Feuer. eine musikalische Hommage an Nina Simone“ feierte am Samstag (12. Oktoer) Premiere im Theater am Schwanhof (TaSch).
Als Eunice Kathleen Waymon wurde Nina Simone1933 als sechstes von acht Kindern geboren. Bereits mit vier Jahren begann sie mit dem Klavierspiel. Doch als sie zur Zulassung für ein Musikstudium hervorragend einstudierte Werke von Johann Sebastian Bach und Sergei Rachmaninow vorspielte, wurde sie allein wegen ihrer schwarzen Hautfarbe abgelehnt.
Um den Lebensunterhalt ihrer Familie zu verdienen, spielte sie fortan in Clubs. Ihr Künstlername „Nina Simone“ sollte verhindern, dass ihre strenggläubige Mutter von ihrer Tätigkeit erfuhr.
1966 legte Simone dann die Perücke ab, die viele dunkelhäutige Künstler bei Fotoaufnahmen und auf der Bühne trugen. Als Erste bekannte Musikerin trat sie im Afro-Look auf. Ehrliche Musik wollte sie machen für ihre Leute, damit auch sie die eigene Schönheit in sich entdecken und ihr eigenes Selbstbewusstsein entwickeln könnten.
all das berichtet HUBER auf ebenso unterhaltsame wie eindringliche Weise. „Wir alle sind Rassisten“, behauptet Huber. „Ich natürlich nicht!“
Immer wieder bringt Huber Lieder von Simone zu Gehör. Mal singt sie leise und verhalten, dann laut und schwungvoll. Die „Röhre“ ihres Vorbilds hat sie zwar nicht, aber durchaus eine facettenreiche starke Stimme mit sehr viel Ausdruckskraft und Musikalität.
Immer wieder blendet Huber auch Videos mit der US-Sängerin ein. Mal singt Simone darauf einen ihrer bekannten Songs, mal erzählt sie von ihrem Leben und ihrer Einstellung dazu.
Nach und nach fügt sich ein Bild der Musikerin zusammen, die die Rassendiskriminierung am Ende ins Positive umgekehrt hat zu einer ganz eigenen Stärke. Die Bürgerrechtsbewegung unter Martin Luther King verdankt Simone zahlreiche Lieder und noch mehr ermutigendes Engagement.
Behutsam und zugleich schwungvoll nähert sich Huber dieser Ikone an. Sie berichtet, dass Simone den Begriff „Jazz“ für ihre Musik ablehnte, weil er ein Etikett der Weißen sei. Sie lässt Simone über die Wahrhaftigkeit von Kunst selber zu Wort kommenund liest eine berührende Hommage Simones an Johann Bach vor.
Das mathematische Genie des Komponisten beschrieb Simone mit dem Bild eines Rinnsals, das in einenBach fließt, der in einen Fluss mündet und später ins meer. Am Ende kommt eine gewaltige Flutwelle heraus, auf die das Rinnsal von Anfang ansystematisch hingewirkt hat.
Ebenso ehrlich und engagiert wie Simone ist auch Huber. Sie singt, schreit, tanzt und flüstert sich die Seele aus dem Hals. Sie animiert das Publikum zum Mitsingen und singt mit ihrem Idol in einem virtuellen Duett.
Zusammen mit dem Pianisten Christian Keul hat Huber mit der Hommage an Simone ein furioses Bekenntnis zu Wahrhaftigkeit und gegen Rassismus auf die Bühne gebracht. Mit kraftvoller Hingabe hat sie einer Vorkämpferin für Gerechtigkeit ein musikalisches Denkmal gesetzt, das vom ersten Augenblick bis zum Schluss bewegt und mitreißt. „Nina. Feuer. eine Hommage an Nina Simone“ ist absolut sehens- und hörenswert.

* Franz-Josef Hanke

Kommentare sind abgeschaltet.