Auf Studie setzen: 8.000 Euro für Nephrologen Martin Rußwurm

Der Marburger Nephrologe Dr. Martin Rußwurm ist mit dem Bernd-Teerstegen-Preis ausgezeichnet worden. Der Preis würdigt seine wegweisende Forschung zur palliativen Begleitung von Dialysepatientinnen und -patienten.
Dr. Martin Rußwurm von der Philipps-Universität Marburg ist mit dem renommierten Bernd-Teerstegen-Preis ausgezeichnet worden. Der Wissenschaftspreis des Verbands Deutsche Nierenzentren (DN) wurde am 22. November 2025 im Rahmen des nephrologischen Jahresgesprächs des DN in Düsseldorf verliehen. Rußwurm erhielt die mit 8.000 Euro dotierte Auszeichnung für seine wissenschaftliche Arbeit zur Auseinandersetzung von Dialysepatientinnen und -patienten mit dem Lebensende. Die prämierte Forschung leistet einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Versorgung chronisch nierenkranker Menschen, indem sie den Bedarf an strukturierter ärztlicher Beratung, Kommunikation und palliativer Begleitung sichtbar macht und damit neue Impulse für eine patientenzentrierte Versorgung setzt.
„Die Auszeichnung von Dr. Martin Rußwurm zeigt eindrucksvoll, wie strategisch relevante Forschung an der Philipps-Universität Marburg mit konkretem gesellschaftlichem Nutzen verbunden ist“, kommentierte Universitätspräsident Prof. Dr. Thomas Nauss am Dienstag (3. Februar) die Würdigung Rußwurms. „Seine Arbeit steht exemplarisch für eine patientennahe, anwendungsorientierte Wissenschaft, die medizinische Versorgung nicht nur technologisch, sondern auch ethisch und kommunikativ weiterdenkt. Solche Forschungsansätze stärken unser Profil als Universität, die wissenschaftliche Exzellenz konsequent mit Verantwortung für die Menschen verbindet.“
In der ausgezeichneten Studie „A survey on end-of-life contemplation among patients on dialysis“ untersuchte Rußwurm, wie häufig Dialysepatientinnen und -patienten über ihr Lebensende nachdenken, Vorsorgeregelungen treffen und Gespräche darüber führen. Grundlage war eine standardisierte Eins-zu-Eins-Befragung von 268 Patientinnen und Patienten aus sieben hessischen Dialysezentren. Die Ergebnisse zeigen ein deutliches Missverhältnis: Zwar denkt fast die Hälfte der Befragten über das eigene Sterben nach, doch nur ein kleiner Teil spricht darüber mit den behandelnden Nephrologinnen und Nephrologen.
Die Studie macht zudem deutlich, dass demografische Faktoren wie Alter oder Bildungsgrad kaum Rückschlüsse auf die individuelle Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit dem Lebensende zulassen. Insgesamt unterstreichen die Befunde den bislang unzureichend adressierten Bedarf an palliativer Kompetenz und strukturierter Kommunikation in der Dialysemedizin – mit dem Potenzial durch Wahrnehmung und Adressierung dieser Defizite, Übertherapien zu vermeiden, Angehörige zu entlasten und die Autonomie der Betroffenen zu stärken.
Der Bernd-Teerstegen-Preis wird jährlich vom Verband Deutsche Nierenzentren (DN) vergeben und dient der Förderung theoretischer und insbesondere anwendungsorientierter Forschung zu Nierenerkrankungen und zur ambulanten Nierenersatztherapie auf internationaler Ebene. Ausgezeichnet werden wissenschaftliche Arbeiten von Ärztinnen und Ärzten, Forschenden oder Ingenieurinnen und Ingenieuren, die einen besonderen Beitrag zur nephrologischen Versorgung leisten. Über die Vergabe entscheidet ein vom DN-Vorstand berufenes Preiskomitee aus ausgewiesenen Expertinnen und Experten der Nephrologie. Die Auszeichnung gilt als eine der wichtigen Ehrungen im Bereich der deutschsprachigen Nierenforschung und würdigt Arbeiten, die wissenschaftliche Exzellenz mit hoher Relevanz für die klinische Praxis verbinden. Rußwurm ist Oberarzt am Zentrum für Innere Medizin mit Schwerpunkt Nephrologie am Universitätsklinikum Marburg und als „Clinician-Scientist Fellow“ des Fachbereichs Medizin am Pharmakologischen Institut Marburg tätig.

* pm: Philipps-Universität Marburg

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