Warten auf Chancen: Maik Luu erhielt Doktortitel mit 25 Jahren

Mit nur 25 Jahren hat Maik Luu seine Promotion abgeschlossen. Zwei Jahre und vier Monate hat er bis zur erfolgreichen Verteidigung der Doktorarbeit gebraucht.

Er wurde Im Fach Humanbiologie (Biomedical Science) am Fachbereich Medizin der Philipps-Universität promoviert. Neben der Faszination für biomedizinische Forschung haben ihn vor allem seine Eltern, die in den 80er-Jahren aus Vietnam als „Boatpeople“ flohen, und seine deutschen Zieh-Großeltern motiviert.
Bereits am städtischen Gymnasium in Eschweiler begann die Überholspur für Luu. In der Mittelstufe übersprang er eine Klasse.
Das war nicht immer leicht für den damals 14-Jährigen Jugendlichen. „Aber ich bin sehr leistungsorientiert erzogen worden“, erklärte Luu. „Meine Eltern kamen 1980 als Boatpeople aus Vietnam nach Deutschland. Die Überfahrt dauerte ungefähr ein Jahr und war sehr beschwerlich. Aber sie wollten, dass mein Bruder und ich ein gutes Leben führen. Ihnen war ebenso wichtig, dass wir der Gesellschaft etwas zurückgeben“.
Darin haben ihn nicht nur seine Eltern, sondern auch Gisela und Heinz Weber bestärkt. Das deutsches Ehepaar hat die Familie nach ihrer Ankunft in Deutschland unterstützt. Himmel und Erde, Kassler und Sauerkraut: „Ich bin eher traditionell deutsch als vietnamesisch aufgewachsen, da ich einen Großteil meiner Kindheit bei Gisela und Heinz verbracht habe.“, berichtete er.
„Meine Eltern waren selbstständig und daher viel außer Haus. Ohne die Unterstützung der Webers wäre ich nicht so weit gekommen. So kann Integration funktionieren“.
Noch während der Schulzeit nahm Luu am Programm „Studieren vor dem Abitur“ teil. Es bietet leistungsstarken Schülerinnen und Schülern der Oberstufe die Möglichkeit, in ausgewählten Fächern an Lehrveranstaltungen teilzunehmen. Dabei begeisterten die biomedizinischen Fächer Luu am meisten.
„Biomedizin ist einfach pure Faszination auf so vielen Ebenen!“, schwärmte Luu. „Es war sofort klar, was und wo ich studieren möchte – entweder in Bonn oder Marburg, da beide Universitäten einen guten Ruf im Bereich Biomedizin beziehungsweise Humanbiologie haben. Die Entscheidung fiel dann auf Marburg, weil ich mich augenblicklich in die Stadt verliebt hatte“.
Von 2012 bis 2015 studierte Luu den Bachelor Humanbiologie (Biomedical Science) am Fachbereich Medizin der Philipps-Universität. Während des Studiums engagierte er sich unter anderem bei iGEM, einem internationalen Wettbewerb für Studierende auf dem Gebiet der Synthetischen Biologie. An ihm nehmen regelmäßig auch Marburger Studierende mit großem Erfolg teil.
„Ich habe sehr viel zusätzliche Zeit im Labor am Institut für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene verbracht und wurde dadurch sehr viel eigenständiger und effizienter im Arbeiten“, berichtete Luu. Das fiel auch Laborleiter Dr. Alexander Visekruna auf, der Luu eine Doktorandenstelle anbot.
„Als meine Kommilitoninnen und Kommilitonen in die Master-Arbeit einstiegen, habe ich dann direkt mit der Promotion begonnen. Gefördert wurde ich dabei durch die Studienstiftung des deutschen Volkes“, erklärt Luu. Die sogenannte „Fast Track-Promotion“ ermöglicht Studierenden mit einem sehr guten Bachelor-Abschluss und hervorragenden Leistungen in den ersten zwei Semestern des Master-Studiengangs, schon nach dem Bachelor mit der Promotion zu beginnen. „Es ist eine äußerst intensive Zeit gewesen, aber Alexander Visekruna war ein herausragender Mentor, der mich viel darüber gelehrt hat, wie Wissenschaft funktioniert“, sagte Luu.
Seine Doktorarbeit geht im Wesentlichen der Frage nach, wie das Immunsystem auf unterschiedliche Bakterien der Darmflora und deren Stoffwechselprodukte reagiert. Ziel ist ein besseres Verständnis entzündlicher Prozesse, die chronische Darmerkrankungen, Autoimmunkrankheiten oder Krebs begünstigen.
In seiner letzten Publikation, die im Journal Nature Communications veröffentlicht wurde, konnte der junge Nachwuchswissenschaftler zeigen, dass bakterielle Stoffwechselprodukte in der Lage sind, den Metabolismus von Immunzellen zu beeinflussen und somit ihre Funktion zu reprogrammieren. Luu wird seine Forschung in Marburg weiterführen.
Die Von-Behring-Röntgen-Stiftung des Landes Hessen finanziert das Vorhaben mit rund 100.000 Euro für ein Jahr. Wohin es danach geht ist noch offen. „Es werden sich bestimmt neue Türen öffnen.“, hoffte Luu. „Und für mich war bei allen Chancen, die sich mir boten, klar: Ich kann sehr dankbar sein, denn nicht jeder bekommt diese. Wieso also nicht versuchen, sie zu ergreifen?“

*PM: Philipps Universität

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