Heiterkeit gestiftet: Robin Hood feierte ein Fest für das Theater

Ein Theaterstück war das eher nicht. Vielmehr feierte der scheidende Intendant Matthias Faltz am Freitag (1. Juni) ein Fest für das Theater.
Seine Inszenierung „Robin Hood – ein Fest für die Gerechtigkeit“ feierte am Freitagabend Premiere auf einer Bühne in der Lahn. Das Publikum saß auf den Lahnterassen beim Elisabeth-Blochmann-Platz und genoss das warme Frühsommerwetter ohne Furcht vor weiteren Regen. Ein mit grünem Teppich ausgelegter Steg führte vom gegenüberliegenden Ufer zur Mitte des Flusses.
Zunächst boten die Schauspielerinnen und Schauspieler des Hessischen Landestheaters Marburg dort ein kleines Varietéprogramm. Nacheinander präsentierten sie witzige Kunststückchen. Für Heiterkeit sorgten dabei auch immer die Ankündigungen des Moderationspaars. Textlicher Höhepunkt des – ansonsten weitgehend optisch geprägten –
Programms waren kleine Kurzgedichte von Jürgen-Helmut Keuchel. Für einen Millionenbetrag habe man ihn von der Marburger Lyrik-Company abgeworden, hieß es in der Anmoderation. Seine gereimten Sprachspiele waren wirklich Wortakrobatik vom Feinsten.
Zwischen den Varietéauftritten gab es immer wieder musikalische Einlagen. Sie überzeugten durch Musik und Sangeskünste ebenso wie durch witzige Texte mit Marburg-Bezug.
Am Ende des Varietéprogramms beschwerte sich eine „Zuschauerin“, sie sei bestohlen worden. Sicherlich seien das „diese Schauspieler“ gewesen. Denen sei dergleichen durchaus zuzutrauen.
Die Schauspieler hingegen machten Robin Hood für den Diebstahl verantwortlich. Im nahegelegenen Sherwood Fores bestehle er die Reichen und beschenke dann die Armen. Diesen Räuber müsse man nun dingfest machen.
Einer der Darsteller solle deshalb die Rolle des Sheriffs von Nottingham bernehmen und Robin verhaften. Der Sheriff müsse sich ins Lager von Robins Leuten einschleichen und ihn dort überwältigen. Dazu müsse er sich aber als Bedürftiger verkleiden, um Robins Mitleid zu erwecken.
Die Wahl fiel auf eine Schauspielerin. Bedürftig seien eben eher Frauen als Männer. Alleinerziehnde Mütter mit einem Schuldschein weckten Robins Mitleid sicherlich leichter als „Bettler von der osteuropäischen Mitleids-Mafia“ oder „diese Flüchtlinge mit ihren teuren Smartphones“.
Solcherlei sozialkritischen Ansätze vertiefte Faltz leider jedoch nicht. Ein kurzer Exkurs über die ungerechte Verteilung des Reichtums endete zwar mit einem Satz zum Verständnis für eine Antwort mit Gewalt, führte das dann jedoch nicht weiter. Dabei wäre gerade hier eine tiefergehnde Auseinandersetzung mit einer Rechtfertigung von Gewalt absolut zwingend gewesen.
Ebenso vertiefte die Inszenierung den Einwurf, Robin Hood halte sich nicht an Gesetze und schädige damit den gesellschaftlichen Frieden, lediglich mit dem ausufernden Verlesen des Bewilligungsbescheids zur Nutzung der Lahn als Spielstätte. Eine Debatte über Sinn und Unsinn von Regeln und die Grenzen einer Befolgung von Gesetzen blieb so leider in ihrem Ansatz stecken.
Stattdessen plätscherte die Aufführung an der Oberfläche dahin wie das Wasser der Lahn. Auch ihr Tiefgang dürfte dem des Flusses an dieser Stelle entsprechen, in dem ein größerer Mensch aufrecht stehen kann.
Leider hat Faltz mit seiner letzten Inszenierung als Intendant des Hessischen Landestheaters die Chance verspielt, noch einmal zu brillieren. Den Roten Faden musste man mühsam suchen, während effekthascherische Gags den Abend prägten. Allerdings eröffneten sie den Darstellerinnen und Darstellern reichlich Gelegenheit, ihr Können kurzweilig zu präsentieren.
Etwas ratlos blieben viele Premierengäste am Ende zurück. Doch in den verhaltenen Applaus hinein betrat Dr. Thomas Spies die Bühne. Der Oberbürgermeister dankte dem scheidenden Intendanten für acht Jahre Theater mit vielen gelungenen Inszenierungen.
Diesen Dank hat Faltz zweifelsfrei verdient. Seine Intendanz war geprägt von einer guten Mischung aus Klassikern und Innovativem, von Unterhaltung und Tiefgang. Seine eigenen Inszenierungen waren dabei meist Höhepunkte des Spielzeitprogramms.
In seiner Dankesrede gab Faltz das Lob des Oberbürgermeisters an das Ensemble weiter. Die Darstellerinnen und Darsteller hätten für das Theater ihr Bestes gegeben. Spätestens jetzt schloss sich das Publikum dem Dank an Faltz und sein Ensemble mit stehenden Ovationen an.

* Franz-Josef Hanke

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